Bekommt man alles bei Ikea: Billyregal, Balkonkraftwerk und Stromvertrag. (Symbolbild)

Bekommt man alles bei Ikea: Billyregal, Balkonkraftwerk und Stromvertrag. (Symbolbild)

Bild: © Sven Hoppe/dpa

Die Anzahl der Kundinnen und Kunden mit dynamischen Tarifen in Deutschland ist noch gering. Nun kündigt der Möbelhaus-Riese Ikea an, in das Geschäft einzusteigen, was reichlich Aufmerksamkeit in der Energiebranche bekommt. Doch was wollen die Schweden und was bedeutet das für Stadtwerke?

Das hat Ikea vor

Ikea Deutschland bringt gemeinsam mit dem Svea Solar einen dynamischen Stromtarif auf den Markt. Über den Partner vertreibt die Möbelhauskette bereits Wärmepumpen, klassische Aufdach-Photovoltaikanlagen und Balkonkraftwerke.

Seit 2020 arbeiten der Konzern und Svea Solar europaweit zusammen − der Vertrieb des dynamischen Stromtarifs über Ikea ist allerdings neu und eine deutsche Besonderheit.

In einer Pressemitteilung schreibt Ikea von der "Demokratisierung nachhaltiger Energie". "Nachhaltige Energie sollte kein Privileg sein, sondern zu einer neuen Normalität werden", sagt Jacqueline Polak, Expertin für nachhaltige Energielösungen bei Ikea Deutschland.   

So schätzt ein Branchenexperte den Move ein

"Der Einstieg von Ikea ist strategisch konsequent und weniger ein klassisches Energieprojekt als ein Plattformthema", erklärt Stefan Michaelis, Geschäftsführer der Beratung "m3 Lab". Der dynamische Stromtarif diene dabei als Steuerungsinstrument, um "bestehende Energielösungen zu orchestrieren und die Kundenschnittstelle zu kontrollieren."

So kommt das Angebot in der Branche an

Für einige Flexibilitäts-Enthusiasten markiert die Nachricht von Ikea den Start für den Markthochlauf. Auch Merlin Lauenburg, CEO von Tibber und Anbieter von dynamischen Tarifen, meint: "Der Einstieg von Ikea signalisiert auch, dass flexibler Verbrauch und dynamische Tarife auf dem Weg heraus aus der Nische in die breite Masse sind."

Tibber freue sich grundsätzlich, wenn eine starke Marke wie Ikea dem Prinzip dynamischer Stromtarif zu mehr Bekanntheit verhelfe. "Noch immer kennt ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland nicht die Vorteile der dynamischen Tarife – was neben dem zu langsamen Rollout der Smart Meter einer günstigen Energiewende im Weg steht", so Lauenburg.

Stadtwerke horchen auf

Im Stromvertrieb sind wegen der Größe des neuen Anbieters auch die Ohren gespitzt: "Ist das genau die Gefahr, vor der die Stadtwerke-Welt seit Jahren gewarnt wurde?", schrieb zum Beispiel Michael Krieg, Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Wedel auf Linkedin. Wenn Big Player mit enormer Reichweite und digitaler Kompetenz das Kerngeschäft der lokalen Versorger angriffen, reiche "Regionalität" als Argument oft nicht mehr aus.

Auch Berater Stefan Michaelis will Ikeas Stromvertrieb weiter beobachten. Allerdings hat er für EVU auch eine entschärfende Nachricht: Energie werde bisher nicht als "Nebenprodukt" gesehen, sondern mit Spezialwissen in Verbindung gebracht. "Gerade Prosumer, auf die der Tarif ja zielt, sind in der Regel gut informiert und treffen ihre Entscheidung sehr bewusst", meint der Experte.

Neben Ikea bieten bereits andere branchenfremde Unternehmen dynamische Stromtarife an. Experten und Expertinnen sehen einen Stromtarif dabei nicht als Endziel, sondern als Einstiegspunkt. Bei dem Automobilclub ADAC etwa gibt es mit einer Mitgliedschaft Rabatt auf den Strom. So handhabt es auch Ikea, wo Kundenkarteninhaber ("Ikea Family") eine Vergünstigung bekommen.

Kommen jetzt noch mehr branchenfremde Unternehmen in den Markt? "Wir sehen keine breite Marktwelle, aber eine wachsende Zahl konkreter Prüfungen durch branchenfremde Unternehmen", sagt Michaelis. "Stromtarife werden dabei zunehmend als Service-Baustein genutzt, um bestehende Kundenbeziehungen zu vertiefen und Energie in größere Ökosysteme zu integrieren."

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