Steffen Püschel ist der neue Vertriebsleiter beim Dortmunder Versorger DEW21.

Steffen Püschel ist der neue Vertriebsleiter beim Dortmunder Versorger DEW21.

Bild: © DEW 21

Von Hans-Peter Hoeren

2026 will Steffen Püschel "Dortmund zurückholen". Das ist das erklärte Ziel des Vertriebsleiters der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21). Der Kommunalversorger hat in der jüngsten Energiekrise deutlich an Marktanteilen verloren. In Summe waren es 20.000 Energieverträge, das sind etwa fünf Prozent aller Verträge. Grund waren vor allem zu hohe Beschaffungskosten, das Unternehmen hatte auf dem Höhepunkt der jüngsten Energiekrise nahezu komplett die Mengen für die nächsten drei Jahre eingekauft – zu einem exorbitant hohen Preisniveau.

Um marktfähige Preise anbieten zu können, musste die DEW21 in den vergangenen Jahren teils die Endkundenpreise subventionieren und signifikant auf Marge verzichten. Auch im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 waren noch negative Auswirkungen zu spüren. "In diesem Jahr werden wir in Summe die Vertragszahl bei rund 400.000 halten können, im nächsten Jahr werden wir unseren Marktanteil steigern und wieder richtig wachsen", zeigt Püschel sich zuversichtlich.

Man könne ab 2026 wieder konkurrenzfähige und faire Angebotspreise anbieten, die auch für das Unternehmen profitabel seien. "Wir wollen faire, marktfähige Preise anbieten. Unser Ziel ist aber sicher nicht, jetzt entgangene Margen zurückzuholen", versichert er. Die Marktfähigkeit beziehe sich nicht nur auf Beschaffungskosten und Endkundenpreise, auch die internen Prozesse, die Customer Journey und die Datenqualität sowie den Kundenservice habe man weiter optimiert.

2026 neue Kampagne mit "wenigen Worten und großer Aussagekraft"

An den aktuell stattfindenden Jahresendrallyes zur Kundenakquise, bei denen aktuell in der Spitze von einzelnen Wettbewerbern Neukundenboni von 400 bis 500 Euro aufgerufen werden, wolle man sich nicht beteiligen. "Wir werden zum Jahresbeginn 2026 eine große Kampagne in Dortmund launchen, mit ganz wenigen Worten und großer Aussagekraft", kündigt er an.

Überhaupt soll der Fokus auf der Region und dem Geschäft vor Ort liegen und nicht im überregionalen Vertrieb. Mehr will er aktuell nicht verraten. Im ersten Halbjahr kommenden Jahres werde man die Preise anpassen, er deutet Preissenkungen in der Grundversorgung an.

Besonderer Fokus liegt auf Grundversorgung 

Ein besonderes Augenmerk legt Püschel dabei auf die Grundversorgung. Rund 30 Prozent der Stromkunden entfallen bei der DEW21 auf dieses Segment, beim Gas sind es in etwa 25 Prozent. Zwischen 2015 und 2020 seien die Preise in der Grundversorgung für Strom und Gas relativ stabil gewesen.

"In den Jahren danach ist das völlig durcheinander geraten, auch unsere Profitabilität. Wir hatten in der Energiekrise teils Nullmargen oder Negativmargen in der Grundversorgung", berichtet der Vertriebsleiter. Das habe zu einer Unsicherheit und einer Intransparenz geführt, wie hoch wirklich eine faire Marge in der Grundversorgung ist.

"Es geht im Kern um eine transparent nachvollziehbare Abrechnungsmethode für die Grundversorgung."

"Wir sind deshalb dabei, nach der Energiekrise die Logik für die Grundversorgung zu überarbeiten und an aktuelle Gegebenheiten anzupassen. Nachvollziehbarkeit und Fairness sind hierbei für uns das oberste Gebot", sagt Püschel. Die Logik müsse die aktuellen Beschaffungskosten, die Risiken, die Marge sowie System- und Prozesskosten transparent abbilden.

Die Komplexität und die Volatilität beim Energieeinkauf seien enorm gestiegen, es kämen teils immer mehr Preiskomponenten hinzu. "All dies muss man dem Kunden erklären können. Es geht im Kern um eine transparent nachvollziehbare Abrechnungsmethode. Wir wollen uns nicht ständig dem Verdacht aussetzen, dass wir in der Grundversorgung in die eigene Tasche wirtschaften." 

Octopus mit Wettbewerbsvorteilen bei Prozessen und Datenqualität

Mit den Kampfpreisen und dem ruinösen Wettbewerb mancher Discounter wolle man bewusst nicht mithalten können, sagt Püschel. Er gibt aber auch zu, dass neue Wettbewerber wie Octopus aufgrund ihrer moderneren Systeme und der besseren Datenqualität günstigere Preise anbieten können. "Das führt zu geringeren Service- und Verwaltungskosten."

Hier müsse und könne ein kommunaler Versorger aber mit anderen Mehrwerten punkten und diese entsprechend offensiv herausstellen: die Präsenz vor Ort über Kundencenter und die Förderung von Kultur, sozialen Initiativen und Sport vor Ort etwa. Die DEW21 hat Anfang des Jahres ein neues Kundencenter am zentral gelegenen Borsigplatz eröffnet.

Neues Kundencenter im Zentrum wird gut angenommen

"Das läuft sehr gut. Vielen Kunden ist das persönliche Gespräch immer noch wichtig", sagt Püschel. Auch vertrieblich sei das neue Kundencenter ein Erfolg, man schließe "mehr und mehr Verträge ab". Die Präsenz vor Ort wolle man 2026 weiter ausbauen, auch auf den lokalen Wochenmärkten komme man mit eigenen Ständen gut mit den Menschen ins Gespräch.

Das Team im Kundenservice habe man mittlerweile personell weiter verstärkt. Man lege großen Wert auf Diversität im Service, sowohl beim Geschlecht, beim Alter als auch beim Thema Migrationshintergrund.

Doch trotz der Aufstockung arbeite der Kundenservice auch aktuell immer wieder phasenweise am Rand der Überforderung. "Wir stehen vor einer großen Systemumstellung bei unserem zentralen Abrechnungssystem SAP, da treten naturgemäß viele Fehler auf", erklärt er. Zudem gebe es jedes Jahr zwei Formatumstellungen. "Wir bräuchten mal zwei Jahre Ruhe, dann würde sich das mal entspannen.

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