Die Lage im Iran-Krieg bleibt ungewiss, die Hoffnung auf eine Verhandlungslösung und ein Ende der Kämpfe ist vage. Die Verunsicherung an den Märkten bleibt groß. Das gilt auch für den Gasmarkt. Der Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat verharrte auf einem Niveau von über 50 Euro pro Megawattstunde (MWh), gegen 15 Uhr lag er bei 53,70 Euro. Zum Vergleich Ende vergangener Woche hatte er noch bei knapp über 30 Euro gelegen.
Laut dem Vergleichsportal Verivox soll der Preisanstieg im Gasgroßhandel viele Endkunden verunsichern. Die Nachfrage nach Gastarifen sei sprunghaft angestiegen, heißt es. Aktuell würden mehr als doppelt so viele neue Gasverträge abgeschlossen wie noch vor einer Woche. Eine ZFK-Umfrage bei einigen Stadtwerkevertrieben zeigt ein etwas anderes Bild.
Die Lage bei N-Ergie, Gasag, Rheinenergie und Stadtwerken Bochum
Bei der Nürnberger N-Ergie und auch bei der Kölner Rheinenergie stellt man weder eine erhöhte Nachfrage nach Erdgas-Produkten, noch ein erhöhtes Besucher-Aufkommen auf der Homepage fest. Die Relevanz von 24-Monatsverträgen im Gassegment habe bei den Kundinnen und Kunden aber bereits in den letzten Monaten zugenommen, sagt ein Rheinenergie-Sprecher. Auch die Stadtwerke Bochum sehen "noch kein verändertes Verhalten der Kund*innen". Lediglich in Einzelfällen sei es zuletzt zu Nachfragen in Sachen Preisstabilität gekommen, sagt ein Sprecher. Ein Gasliefervertrag mit zwei Jahren Preisgarantie ("Tarif Gas Fix²") mit zwei Jahren Preisgarantie liegt dort derzeit bei einem Arbeitspreis von 9,98 Cent pro Kilowattstunde (kWh) und einem Grundpreis von 18,99 Euro pro Monat.
Ähnlich klingt es bei der Gasag in Berlin. Im Privatkundensegment erhalte man aktuell keine vermehrten Nachfragen. Im Großkundensegment sei dies hingegen etwas stärker wahrnehmbar.
Leichtes Anziehen in München und Frankfurt am Main
"Einen leichten Anstieg der Anfragen", verzeichnen die Stadtwerke München. Den Kunden sei der Preis und die Preisstabilität wichtig, so die Pressestelle der SWM. Das Preisniveau im Endkundenbereich sei aktuell noch unverändert. Die Stadtwerke München gehen aber davon aus, dass das höhere Preisniveau an den Großhandelsmärkten bereits in den nächsten Wochen auch in den Neukundenangeboten erkennbar sein wird.
In Frankfurt bei der Mainova sind die Abschlüsse über die Homepage leicht gestiegen, über Tarifportale zeige sich hingegen eine erhöhte Anfrage. Aktuell bietet der Versorger mit dem Tarif "Mainova Erdgas Direkt 24" (24 Monate Preisgarantie) ein Produkt mit einer zweijährigen Preisgarantie und einem Arbeitspreis von circa neun bis elf Cent/kWh, je nach Vertriebsgebiet brutto, an.
Vermehrte Anfragen in Ahrensburg – aber aus anderem Grund
Von vermehrten Nachfragen nach günstigeren Gastarifen berichten hingegen die Stadtwerke Ahrensburg in der Nähe von Hamburg. "Aus unserer Sicht ist dies jedoch nicht primär auf die Lage im Iran zurückzuführen", schreibt Wolfgang Mohr, Bereichsleiter Vertrieb und Marketing. Ein wesentlicher Treiber sei der turnusmäßige Abrechnungszyklus zum 31. Dezember und der Erhalt der Jahresrechnungen. Dadurch würden erfahrungsgemäß saisonal immer mehr Kunden Kontakt zu ihrem Energieversorger aufnehmen.
"Wir können weiter Vorkriegspreise anbieten"
Die Stadtwerke Ahrensburg bieten ihren Kunden sowohl 12‑ als auch 24‑Monatsprodukte an. Aufgrund der langfristig ausgelegten Beschaffungsstrategie sehe man aktuell keine preistreibenden Effekte durch den Iran‑Konflikt. "Wir können weiterhin – auch für Neukunden – Vorkriegspreise anbieten", so Mohr.
Die Stadtwerke Ahrensburg haben ihre Gasbeschaffungen derzeit ausgesetzt und beobachten den Markt weiterhin sehr genau. "Nach aktuellem Stand können wir die Preisstabilität für das Jahr 2026 aufrechterhalten. Für 2027 und die Folgejahre lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch keine belastbaren Aussagen treffen", heißt es.
Laut Verivox sind die Neukundenpreise zwar derzeit stabil und mit aktuell 8,4 Cent/kWh sogar günstiger als noch vor einem Jahr. "Sollten die Börsenpreise aber weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben, ist in den kommenden Wochen auch mit steigenden Neukundenpreisen zu rechnen", erklärte Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.



