Boris Käser: "Unsere Kunden entscheiden sich bewusst für die strukturierte Beschaffung, da sie neben Preisvorteilen am Spotmarkt auch eine gewisse Sicherheit durch den Terminmarktanteil bietet."

Boris Käser: "Unsere Kunden entscheiden sich bewusst für die strukturierte Beschaffung, da sie neben Preisvorteilen am Spotmarkt auch eine gewisse Sicherheit durch den Terminmarktanteil bietet."

Bild: © e.optimum

Der Offenburger Energiedienstleister E-Optimum bezeichnet sich selbst als eine Energiebeschaffungsgemeinschaft und zählt nach eigenen Angaben 45.000 Kunden. Das Unternehmen setzt beim Einkauf auf ein Pooling-Konzept und trifft die Kaufentscheidungen für Terminmarktprodukte auf Portfoliomanagement-Ebene selbst. Über das Konzept sprach die ZfK mit dem Vorstandsvorsitzenden Boris Käser, der die Position seit 2024 innehat.

Herr Käser, worin unterscheidet sich Ihr Beschaffungsmodell von den gängigen Tranchenmodellen? 

Das Besondere an unserem strukturierten Beschaffungsmodell ist die Tatsache, dass wir mit unserem "Pool-Portfolio-Ansatz" allen Verbrauchern – also egal ob SLP oder RLM, ob Privat oder Gewerbe und egal, ob Mittelstand oder Industrie – eine Plattform bieten, die Vorteile einer strukturierten Beschaffung im Kontext der bekannten Tranchenmodelle verfügbar macht.

Die Kaufentscheidung der Terminmarktprodukte erfolgt nicht kundenseitig, sondern auf Portfoliomanagement-Ebene durch uns als Versorger. Wir agieren somit als eine Art Energie-Treuhänder für unsere Kunden. Ergänzend: Ein weiteres Merkmal unseres strukturierten Beschaffungsmodells ist die Kombination aus mittel- und langfristigen Terminmarktanteilen und Beschaffungen am kurzfristigen Spotmarkt. So sichern wir unsere Kunden gegen Preisspitzen ab, aber bieten ihnen dennoch die Preisvorteile des Spotmarktes. Unser Portfoliomanagement-Team geht dabei strategisch vor, um die optimalen Kaufzeitpunkte zu identifizieren.

Wie viele Kunden hat Ihr Unternehmen unter Vertrag? 

E-Optimum zählt aktuell 45.000 Kunden mit insgesamt 110.000 Lieferstellen mit einem Gesamtvolumen von über fünf Terawattstunden (TWh) Strom und Erdgas. Wir kaufen jeden Tag stündlich an der Spotbörse ein und tätigen zwischen 200 und 500 strategische Einkäufe pro Jahr am Terminmarkt. 

Wie würde sich bei steigender Kundenzahl der Durchschnittspreis ändern? 

Unser Beschaffungsmodell ist skalierbar und zunächst einmal losgelöst von der Anzahl an Kunden und Kilowattstunden. Wir können mit unserem Beschaffungsansatz somit flexibel – auch auf größere Portfolio-Veränderungen – reagieren. Aufgrund des Volumens gilt zusätzlich: Ein großes Gesamthandelsvolumen macht uns attraktiver für Vorlieferanten, was sich dann in den Einkaufskonditionen widerspiegelt. 

Wie reagieren die Kunden, wenn Sie in ihrem Auftrag günstiger einkaufen als der abschließende Durchschnittspreis? Für sie geht ja ein Kostenvorteil verloren

Unsere Kunden entscheiden sich bewusst für die strukturierte Beschaffung, da sie neben Preisvorteilen am Spotmarkt auch eine gewisse Sicherheit durch den Terminmarktanteil bietet. Wir haben im Kontext der Energiekrise 2022 intensive Gespräche mit unseren Kunden geführt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Verbraucher eben diese zusätzliche Sicherheit in den heutigen eher volatilen Zeiten sehr wichtig finden.

Gegenüber anderen Modellen mit beispielsweise klassischen Festpreisen, bei denen sich der Kunde an einen fixen Preis zum Zeitpunkt des Abschlusses für einen längeren Zeitraum, in der Regel für drei Jahre, bindet, profitieren E-Optimum-Kunden von den Preisvorteilen der kurzfristigen Beschaffung am Spotmarkt, beispielsweise wenn viel günstige erneuerbare Energie durch starken Wind oder Sonnenschein zur Verfügung steht.

Das macht unser Modell für unsere Zielgruppe so attraktiv. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit einer Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands, die besagt, dass für 72 Prozent der Befragten eine zusätzliche Absicherung gegen starke Preissteigerungen dynamische Stromtarife deutlich oder zumindest etwas attraktiver machen. 

Könnten Sie die Details Ihres dynamischen Tarifs erläutern? Ab welchem Terminmarkt-Anteil wäre ein Tarif nicht mehr dynamisch?

Das Gesetz "Neustart der Digitalisierung der Energiewende" verpflichtet seit dem 1. Januar 2025 gemäß §41a Absatz 2 EnWG alle Energielieferanten dazu, einen dynamischen Tarif anzubieten, dessen Preis sich zu 100 Prozent nach den Spotpreisen an der Börse richtet. Ein dynamischer Tarif berechnet sich alle 15 bis 60 Minuten basierend auf dem aktuellen Preis an der Börse neu. 

Voraussetzung für die Nutzung von dynamischen Tarifen ist ein intelligentes Messsystem oder ein RLM-Zähler. Unsere Alternative zum gesetzlichen dynamischen Tarif verbindet die Vorteile eines dynamischen Tarifs über einen individuellen Spotmarktanteil und die Preissicherheit über einen Terminmarktanteil. Die Dynamik in diesem Modell zeichnet sich durch den individuellen Spotmarktanteil aus, der sich von Kunde zu Kunde unterscheidet. So gehen wir optimal auf die Bedürfnisse unserer einzelnen Kunden ein, ohne dass sie das volle Risiko einer hundertprozentigen Spotmarktbeschaffung tragen. 

Das Interview führte Artjom Maksimenko

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper