Jan Brübach ist seit April 2024 einer von zwei Geschäftsführern von MVV Trading. Er verantwortet den Geschäftsbereich Markt. Zuvor war er in führenden Positionen bei Evonik Industries und der Vorgängergesellschaft der heutigen Entega, der Heag Südhessische Energie, tätig.

Jan Brübach ist seit April 2024 einer von zwei Geschäftsführern von MVV Trading. Er verantwortet den Geschäftsbereich Markt. Zuvor war er in führenden Positionen bei Evonik Industries und der Vorgängergesellschaft der heutigen Entega, der Heag Südhessische Energie, tätig.

Bild: © MVV Energie

Die Vermarktung von Erneuerbaren-Anlagen und von Flexibilitäten muss zunehmend gemeinsam gedacht werden. "Die strukturelle Trennung von Direktvermarktung und Flexibilitätsvermarktung ist ein Auslaufmodell", sagt Jan Brübach, Geschäftsführer von MVV Trading. "Direktvermarkter für Erneuerbare können perspektivisch kaum noch reine Direktvermarkter bleiben – ebenso wenig wie Flexibilitätsvermarkter das Thema Direktvermarktung ignorieren können." Entsprechend hoch sei derzeit auch die Dynamik in diesem "super spannenden Marktumfeld".

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"Aktuell wachsen Akteure von beiden Seiten in kombinierte Geschäftsmodelle hinein und etablieren erste Standards", erklärt Brübach. Sowohl der Zubau von Batteriespeichern an bestehenden PV- oder Windparks als auch die Planung komplett neuer Co-Locations (das bedeutet, der Batteriespeicher steht am selben Standort wie eine Erneuerbaren-Anlage und beide nutzen den gleichen Netzanschluss) ist aus seiner Sicht die konsequente nächste Ausbaustufe der Energiewende. "Co-Locations reduzieren nicht nur den Ausbaubedarf für Netzinfrastruktur, sondern können auch aus Portfoliosicht Kannibalisierungseffekte zwischen den Einzel-Assetklassen zur Erzeugung und zur Speicherung ausgleichen", ist er überzeugt.

Lösung adressiert Grau- und Grünstromspeicher


 
Das Handelshaus der MVV hat auf diese Entwicklung mit neuen Produkten reagiert: sogenannten Hybrid-PPAs. "Darunter verstehen wir die integrierte Vermarktung ungeförderter Co-Locations zu Festpreisen in Euro pro Megawattstunde oder zu Mischformen aus Festpreis und variabler Erlösbeteiligung, sogenannten Profit Shares", führt Brübach weiter aus. Diese Modelle würde MVV Trading sowohl für Anlagenkonstellationen anbieten, die Strom aus dem Netz beziehen dürfen (Graustromspeicher) als auch für Anlagen, die lediglich die Einspeisung ins Netz vom Zeitpunkt der Stromerzeugung entkoppeln und damit preislich aufwerten können (Grünstromspeicher).

Die Resonanz vom Markt ist ausgesprochen positiv.

Auch bei EEG-geförderten Anlagenkombinationen bietet MVV Trading entsprechende Modelle an, die den Mehrwert der Speicher über einen substanziellen Preisaufschlag auf die gewohnten spezifischen Vermarktungserlöse des PV- oder Windparks abbilden. "Die Resonanz vom Markt ist ausgesprochen positiv. Wir erhalten derzeit ausgesprochen viele konkrete Anfragen, weil diese Modelle sehr gut den Bedarf vieler Investoren und Anlagenbetreiber treffen", sagt Brübach. Auch auf der Branchenmesse E-World Mitte Februar habe man deutlich spüren können, wie sich der Fokus im Markt verschiebe: "Während im vergangenen Jahr noch die vier Buchstaben B E S S (Battery-Energy-Storage-System) das dominierende Thema waren, standen in diesem Jahr vor allem Co-Location-Konzepte im Mittelpunkt der Gespräche."

Weiteres Produkt ersetzt Marktprämie bei Negativstunden

Eine weitere neue Lösung ist ein Absicherungsprodukt, das den Wegfall der Marktprämie bei negativen Preisen kompensiert. Dieser ist eine Folge des Solarspitzengesetzes. "Bisher konnten Anlagenbetreiber durch einfache Multiplikation des anzulegenden Werts mit der mittleren Jahresproduktionsmenge eine sehr gut planbare Mindesterlösabschätzung treffen", erklärt Jan Brübach. Aufgrund des partiellen Wegfalls der Marktprämie müsse diese Abschätzung bei den betroffenen Anlagen nun um die a priori unbekannte Anzahl der relevanten negativen Stunden reduziert werden. "Um unseren Kunden die Möglichkeit eines planbaren Cashflows zu erhalten, können wir bei MVV Trading dieses Risiko optional übernehmen und in eine planbare Erlösstruktur überführen. Im Ergebnis kompensieren wir dann die weggefallene Marktprämie bei negativen Stunden über die gesamte Vertragslaufzeit."

Die beiden neuen Lösungen sollen vor allem die Kundenbindung stärken und Cross-Selling-Potenziale erschließen. "Der Trend zum Zusammenwachsen der Assetklassen, Produkte und Bewirtschaftungsformen in den Bereichen Direkt- und Flexibilitätsvermarktung" komme dem Handelsunternehmen dabei durchaus entgegen. "Wir sind erfahrene Direktvermarkter, Flexibilitätsvermarkter und PPA-Strukturierer. Bei Hybrid-PPAs können wir unsere Stärken und Erfahrungen in diesen drei Geschäftsmodellen bündeln."

Mit kontinuierlicher Produktinnovation nah am Kunden könne man sich so in einem "durchaus kompetitiven Wettbewerbsumfeld" von der Breite der bestehenden Angebote im Markt differenzieren. Das Rollenverständnis von MVV Trading gehe dabei zunehmend über die Rolle des klassischen Vermarkters hinaus, sagt Brübach. "Wir begleiten unsere Kunden als integraler Partner – von der Projektidee über die Dimensionierung bis hin zur langfristigen Risikobesicherung und Erlösoptimierung."
 

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