CEO Grimm (vorne, 2.v.re.) und das Team von Pluvion.

CEO Grimm (vorne, 2.v.re.) und das Team von Pluvion.

Bild: © Pluvion GmbH

Von Daniel Zugehör

Auf den ersten Blick scheinen Abwasserkanäle und künstliche Intelligenz (KI) wenig miteinander zu verbinden. Doch Phillip Grimm, Mitgründer und CEO des Freiburger Start-ups Pluvion, sieht darin den Schlüssel zu einer effizienteren und nachhaltigeren Infrastruktur. "Unsere Vision ist es, der App-Store der Wasserwirtschaft zu werden", sagt Grimm. "Also für jedes Problem eine Lösung, eine App, eine Anwendung zu haben."

Gegründet hat der studierte Hydrologe Pluvion 2019 gemeinsam mit dem Physiker und CTO Stefan Grefen. Heute beschäftigt das Unternehmen neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bis 2026 sollen weitere dazukommen.

KI für sauberes Abwasser

Pluvions erstes Produkt, "WATER+", nutzt KI-Algorithmen, um sogenanntes Fremdwasser zu erkennen. Also etwa Grundwasser, das durch Risse eindringt, Regenwasser, das fälschlicherweise in die Kanalisation gelangt, oder Flusswasser bei Hochwasserereignissen. "Wir brauchen eine Lösung, die uns tagesaktuelle Werte liefert und ein permanentes Monitoring erlaubt", erklärt Grimm.

Denn die Betreiber müssten tagtäglich entscheiden, wo sie investieren, spülen, befahren oder sanieren. Und dabei könne der eine Euro nur einmal ausgegeben werden, so der CEO. Dazu komme, dass die Herausforderungen aufgrund des Klimawandels größer werden, etwa durch zunehmende Starkregenereignisse. "Genau da kommen wir mit unseren KI-basierten Datenanalysemodulen ins Spiel."

Von 100 auf 1000

Potenzielle Kunden seien Entwässerungsbetriebe, Städte und Kommunen sowie Industrieparks. Alle, "die den Mehrwert einer Langzeitüberwachung des Kanalnetzes mit Echtzeitdaten sehen und den Betrieb datenbasiert optimieren wollen". Aktuell hat das Start-up sechs unterzeichnete Partnerschaften und betreibt über diese rund 100 Messstellen im Feld. In einem Jahr will Pluvion die Marke von 1000 Messstellen erreichen.

Derzeit setzt das Start-up auf ein B2B-Partnerschaftsmodell. Sensorhersteller, Anlagenbauer, Systemanbieter und Ingenieurbüros integrieren die KI-Module in ihre eigenen Plattformen und stellen auf Wunsch die Installation sicher.

Weitere Anwendungen geplant

Parallel wird "WATER+" weiterentwickelt. "Wo wir hinwollen, da haben wir noch eine Riesenreise vor uns", sagt Grimm. Langfristig möchte Pluvion nicht nur Fremdwasser erkennen, sondern die gesamte Wasserwirtschaft intelligenter machen. Geplant ist ein modularer Baukasten KI-basierter Anwendungen für Bereiche wie Trinkwasser, Landwirtschaft und Hydrologie.

2024 schloss das Start-up eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über knapp eine Million Euro ab. Investoren sind die "D11Z. Ventures" aus Heilbronn, die Mainzer "kopa Ventures" sowie die "MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg" mit Sitz in Stuttgart. Profitabel ist Pluvion zwar noch nicht, aber das erklärte Ziel lautet, 2028 schwarze Zahlen zu schreiben.

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