Grundlage dieser Zertifizierung sind qualitativ hohe Serviceleistungen der EVU, die das Energieverbraucherportal in einem detaillierten Prüfverfahren erhebt.

Grundlage dieser Zertifizierung sind qualitativ hohe Serviceleistungen der EVU, die das Energieverbraucherportal in einem detaillierten Prüfverfahren erhebt.

Bild: © Energieverbraucherportal

Herr Pöhls, seit den 1990er Jahren ist Wasser für Sie ein großes Thema. Sie haben Studien wie zum Beispiel die „TWIS“ zur Qualität und zum Image von Trinkwasser in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Verband kommunaler Unternehmen durchgeführt oder auch für die Initiative „Partner für Wasser“ die Befragung politischer Mandatsträger*innen auf EU-Bundes- und -Landesebene zum Thema Sicherheit, Qualität und Hygiene von Trinkwasser in Deutschland vorgenommen. Zu Ihrem Repertoire zählt der „Watersurvey EU“ in dreißig europäischen Ländern. Außerdem organisieren und begleiten Sie regelmäßig Wasserverkostungen bei Wasserwerken und stellen den Einsatz und die Bedeutung der Versorger für ihr lokales Umfeld auf den Prüfstand. Sie sind also, wenn man das so sagen darf, ein „Wasser-Papst“. Wie stehen Sie vor diesem Hintergrund zum alljährlich stattfindenden Weltwassertag?
Uwe Pöhls: Also „Papst“ ist im Moment sicher kein einfacher Job. Deshalb sage ich hier klar nein. Das bin ich nicht. Aber das Thema Wasser ist von hoher Relevanz und der Weltwassertag eine wichtige Institution, die ich unterstütze und auf die ich mich jedes Jahr freue. Wasser ist essentiell. Das weiß jeder. Ohne Wasser kein Leben. Wasser ist aber auch ein sehr wichtiger Wirtschafts- und geopolitischer Faktor. Das ist hierzulande, in dem wir den Luxus genießen, jederzeit über hygienisch einwandfreies Wasser aus der Leitung in nahezu unbegrenzter Menge verfügen zu können, nicht jedem immer bewusst. Doch macht der Klimawandel auch vor Deutschland und Mitteleuropa nicht halt und Dürreperioden fordern dazu auf, deutlich sorgsamer mit Wasser umzugehen. Das macht auch der regelmäßig stattfindende Weltwassertag deutlich. Er demonstriert, wofür wir verantwortlich sind und wie gut es uns im Vergleich zu anderen Regionen geht. Dafür müssen wir dankbar sein.

Dankbarkeit ist gut, aber sicherlich zu wenig. Was können wir konkret tun, um das Lebenselixier Wasser zu erhalten?
Wir haben viele Möglichkeiten, im Kleinen wie im Großen. Dabei ist unser Handeln umso verantwortungsvoller und effektiver, je mehr wir über das Thema Wasser in Bezug auf unseren Lebensraum – zuhause und weltweit – wissen. Das diesjährige Motto des Weltwassertages „Wasser für den Frieden nutzen“ macht das einmal mehr deutlich. So brauchen Menschen gutes Wasser überall auf der Welt: zum Trinken, Kochen, für die Produktion von Lebensmitteln, für den Energiegewinn oder für die vielen Güter, die weltweit hergestellt werden. Doch Wasser ist ein knappes Gut und steht in vielen Regionen nicht ausreichend zur Verfügung.

In kleinbäuerlichen Strukturen, wie wir sie zum Beispiel in Afrika, Asien und Lateinamerika vorfinden, sind langanhaltende Trockenperioden längst zur Überlebensfrage geworden. Auch ist Wasser ungerecht verteilt. Stellen Sie sich Flussgebiete vor, in denen die Menschen im oberen Teil das Wasser unkontrolliert und nicht fachgerecht abschöpfen sowie Abwässer ungeklärt einleiten und es damit verunreinigen, so dass im unteren Teil zu wenig und nicht mehr in Trinkwasserqualität ankommt. Solche Situationen führen zu Elend und bergen gesellschaftlichen Sprengstoff in sich, der sich früher oder später entzündet. Die Folge sind Unruhen, Aufstände bis hin zu Kriegen und letztlich Flucht in Gebiete oder Länder, in denen die Bedingungen für die Betroffenen besser zu sein scheinen. Ein grenzüberschreitendes, faires und lokal gut organisiertes Wassermanagement, das wir aus Deutschland zum Beispiel mit Know-how, Technik, Arbeitskraft und Geldmitteln unterstützen können, wirkt dem entgegen. Verfügen alle Menschen über ausreichend Wasser, können sie auch friedlicher nebeneinander leben.

Die Entwicklungszusammenarbeit ist unbenommen ein wichtiges Kriterium im Weltgeschehen. Was aber empfehlen Sie jedem Deutschen „vor der Haustür“?
Da erfinde ich das Rad nicht neu, wenn ich wie alle anderen Fachleute auch dafür plädiere, mit der Ressource Wasser sparsam umzugehen. Wir sollten den Konsum allgemein einschränken. Das fängt bei jedem persönlich bei einer bewussten Körper- und Textilhygiene an und hört beim Autowaschen oder Rasensprengen auf. Dazwischen ist alles möglich. Ein Schritt in die richtige Richtung ist auch der Einkauf regionaler Lebensmittel, die mit vergleichsweise wenig Energie und Wasser produziert werden. Die Verunreinigung von Wasser ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Sie beginnt zu Hause im Abfluss der Küche und Toilette. Bei Weitem nicht alles gehört in die Kanalisation, was die Klärwerke später unter großem Aufwand abfiltern und neutralisieren müssen. Insgesamt sollten wir immer darauf bedacht sein, unsere Umwelt sauber zu halten, denn viele Verschmutzungen wie zum Beispiel das achtlose Wegwerfen von Müll, ich denke da auch an die Myriaden von Zigarettenkippen, schlimmstenfalls sogar das Einleiten belastender bis hin zu toxischen Flüssigkeiten, vergiften den Boden und schlagen sich in Grund- und Fließgewässern nieder.

Und ein Punkt ist mir in diesem Zusammenhang auch noch sehr wichtig: Beim Thema Sparsamkeit dürfen wir nicht vergessen – ich betone das in der Öffentlichkeit –, dass es neben der direkten auch die indirekte, sogenannte „virtuelle“, Wassernutzung gibt. Diese entsteht bei der Herstellung von Nahrungsmitteln, Verbrauchs- und Gebrauchsgütern für den Endkunden unsichtbar und in oft erheblicher Menge. So verbraucht jeder Mensch in Deutschland im Schnitt 125 Liter Wasser am Tag in direkter Form, durch Anzapfen der Wasserleitung, rund 4.000 Liter aber täglich in indirekter Form. Ein Kilo Rindfleisch zum Beispiel beinhaltet rund 15.400 Liter virtuelles Wasser, ein Smartphone 910 Liter und ein Kilo Tomaten im Schnitt 214 Liter. Für die Produktion einer Jeans fallen 8.000 Liter Trinkwasser an. Virtuelles Wasser ist besonders dann problematisch, wenn die Produkte aus wasserarmen Regionen importiert werden.

Das ist also das, worauf die Konsumenten achten sollten. Welche Aufgabe kommt denn den Betreibern der Wasserwerke zu? Profitieren sie vom Weltwassertag beziehungsweise können sie das globale Event für sich im Speziellen sinnvoll nutzen?
Deutschlands Wasserversorger leisten Tag für Tag eine extrem wertvolle Arbeit für die Gesellschaft. Sie tun dies zumeist im Hintergrund und ohne großartige PR. Ein Großevent wie der Weltwassertag bietet Ihnen einen hervorragenden Anlass, hervorzutreten, ihr Image zu pflegen sowie Aufklärungsarbeit zu leisten, die ihnen dabei hilft, die eigene Position zu stärken und das regionale Wassermanagement zu verbessern. Dazu lassen sich die Versorger so einiges einfallen: vom Tag der offenen Tür bis zur Leitungswasser-Kampagne in Sportvereinen, in denen statt mit Wasser aus Flaschen der Durst aus dem Kran gestillt wird. Auch kostenlose Trinkbrunnen im öffentlichen Bereich unterstreichen die Reputation. Im Schwimmbad gibt es freien Eintritt oder die Bürgerinnen und Bürger werden zu Informations-, Diskussions- oder auch Kulturveranstaltungen eingeladen. Broschüren und Landing Pages im Internet sowie Posts auf Social Media machen Interessenten über das in Deutschland am besten kontrollierte „Lebensmittel Nummer 1“ kundig und beschreiben den aktuellen Stand der Forschung bei der Ressourcenschonung und Wasseraufbereitung. Es geht den Wasserversorgern darum, die eigene Kompetenz zu unterstreichen und Verantwortungsbewusstsein für ihre Region zu zeigen: ein Engagement, das wir im Energieverbraucherportal übrigens auch mit unserem Gütesiegel „Top-Lokalversorger Wasser“ auszeichnen. Der Weltwassertag erzeugt eine große Welle der Aufmerksamkeit, auf der die einzelnen Versorger mitsurfen können – am besten aktiv, manchmal auch passiv, in jedem Falle aber positiv. (sg)

Über Uwe Pöhls: Uwe Pöhls leitet seit 1996 das Institut für Empirische Sozial- und Kommunikationsforschung (I. E. S. K.) und ist Mitgründer sowie Repräsentant der seit 1998 bestehenden „De-Media GmbH Information Kommunikation Medien“ mit den Arbeitsschwerpunkten Energie und Wasser, beide in Düsseldorf. Er war und ist verantwortlich für die Durchführung namhafter Studien rund um das Thema Trinkwasserhygiene sowie seit 2009 für Kundenbefragungen im Rahmen des Benchmarkings Wasserversorgung in Nordrhein-Westfalen. Von 2012 bis 2016 führte Pöhls den „Watersurvey EU“ in 30 europäischen Ländern durch sowie seit 2017 die Studie „DiWaWi“ zur Digitalisierung der Wasserwirtschaft in Deutschland. Im Jahr 2015 initiierte der promovierte Sozialwissenschaftler im Namen des Düsseldorfer Energieverbraucherportals das TOP-Lokalversorger-Siegel „Wasser“.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper