Von Elwine Happ-Frank
In zwei Talsperren des Ruhrverbands breitet sich die Quaggamuschel aus, nämlich in der Möhnetalsperre und in der Sorpetalsperre. Der Wasserversorger macht sich deshalb große Sorgen.
Anfang August hat der Verband, der 4,6 Millionen Menschen mit Wasser versorgt, eine Tauchuntersuchung in der Sorpetalsperre, die fünftgrößte Talsperre in Nordrhein-Westfalen, in Auftrag gegeben. Damit sollten Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie stark die Besiedlung des Sees mit der invasiven Muschelart fortgeschritten ist.
Das Ergebnis: Die Quaggamuschel hat sich in der Sorpetalsperre massiv ausgebreitet. An technischen Bauteilen und Anlagen sind großflächige Ablagerungen erkennbar. Ähnliche Resultate hatten bereits vorhergehende Untersuchungen in der Möhnetalsperre, der achtgrößten Talsperre Deutschlands, ergeben.
Die größte Sorge des Ruhrverbands ist nun, dass auch seine anderen vier Talsperren befallen werden. Hauptübertragungsweg sind dabei Sport- und Angelboote, die zwischen verschiedenen Gewässern – etwa den niederländischen Großgewässern und den Talsperren des Sauerlands – pendeln.
Deshalb stellt der Versorger neue Regeln für das Befahren der Talsperren auf. Alle Boote müssen vor dem Einsetzen auf einer Ruhrverbands-Talsperre einer Grundreinigung unterzogen werden. Sie muss mit einem Hochdruckreiniger mit 60 Grad Celsius heißem Wasser vorgenommen werden. Danach müssen die Boote drei Wochen trocknen.
Lake Michigan als warnendes Beispiel
Sind die Gewässer erst einmal "infiziert", dann sind die ökologischen und wirtschaftlichen Folgen gravierend. Die Muscheln besiedeln in großer Zahl technische Bauteile an den wasserwirtschaftlichen Betriebsanlagen, was zu höherem Reparaturaufwand, einer geringeren Energieproduktion in den Wasserkraftwerken, schnellerem Anlagenverschleiß und Funktionseinschränkungen bis hin zu Verstopfungen führen kann. Das verusacht enorme wirtschaftliche Schäden, so der Ruhrverband.
In Deutschland kämpft die Bodensee-Wasserversorgung seit Jahren mit der invasiven Art. Als "Vorreiter" bei diesem Thema gilt der US-amerikanische Lake Michigan. Hier wurde die Quaggamuschel erstmals Anfang der 1990er Jahre nachgewiesen und macht mittlerweile schätzungsweise über 90 Prozent der Biomasse im See aus.
Die Muscheln stellen auch eine Gefahr für das ökologische Gleichgewicht dar. Sie filtern so viel Phytoplankton, dass sie Fischen und anderen aquatischen Lebewesen die Nahrungsgrundlage entziehen und die Biodiversität ernsthaft gefährden. Auch gibt es keinen natürlichen Feind gegen die Muschel. Erste Untersuchungen an Fischen wie Rotauge, Brasse oder Große Maräne in Möhne und Sorpesee zeigten, dass diese zwar gelegentlich Quaggamuscheln fressen, eine Regulierung der Population durch Fischfraß aber kaum realistisch erscheint, so der Ruhrverband.



