Berlin ist eine Wasserstadt: Sieben Prozent der Stadtfläche sind mit Wasser bedeckt, das entspricht knapp 60 Quadratkilometern. Rund 80 Seen, 39 Badestellen und 960 Brücken prägen das Stadtbild. Doch das wachsende Interesse am Wassertourismus hinterlässt Spuren: an Ufern, in Schutzgebieten, an Badestellen. Genau hier soll das Programm Berlinpay ansetzen.
Die offizielle Marketingorganisation der Hauptstadt, Visit Berlin, startet das Programm gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Das Motto lautet: "Tu Gutes für Gutes." Wer sich aktiv für Berlins Gewässer einsetzt – Müll sammelt, Bäume gießt, klimafreundlich anreist oder soziale Projekte unterstützt –, erhält dafür unmittelbar eine Belohnung: Freigetränke, kostenlose Bootstouren, Museumseintritte oder Rabatte auf Freizeitangebote. Das Programm läuft vom 14. Mai bis zum 14. Juni 2026 und umfasst rund 5000 Einzelaktivitäten mit 40 Berliner Partnerunternehmen aus Tourismus, Kultur und Freizeit.

"Berlin ist die Hauptstadt am Wasser", sagte Franziska Giffey, Berlins Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. "Mit dem digitalen Gewässeratlas, dem Aktionsmonat Wasser und Berlinpay zeigen wir, wie wir diesem wachsenden Interesse innovativ und nachhaltig gerecht werden können. Das Prinzip ist einfach: Wer Gutes für Berlin tut – klimafreundlich anreist, nachhaltig handelt oder unsere Stadt sauber hält –, bekommt Berlin von seiner besten Seite zurück."
Engagement direkt am Wasser belohnen
Das Programm setzt gezielt auf Aktivitäten an und auf dem Wasser. Die Logik dahinter ist einfach: Wer sich am Gewässer engagiert, erlebt es unmittelbar und entwickelt ein stärkeres Bewusstsein für dessen Schutz. Das ist auch für die kommunale Wasserwirtschaft bedeutsam: Bürger, die aktiv an der Pflege städtischer Gewässer beteiligt werden, sind potenziell auch offener für Maßnahmen zum Gewässerschutz, für Informationskampagnen zur Wasserqualität oder für Appelle zur Ressourcenschonung zu begeistern.
Die Teilnahme ist niedrigschwellig gestaltet. Wer mitmachen will, findet auf der Website von Visit Berlin alle Angebote, Termine und Teilnahmebedingungen. Dort steht, welche Aktion erforderlich ist, wie das Engagement nachgewiesen wird und welche Belohnung folgt. Die Abwicklung läuft direkt über den jeweiligen Anbieter.
Mit einer kostenlosen Bootstour zum Müllsammeln
Die Bandbreite der Angebote reicht von Umweltaktionen bis zu kulturellen Erlebnissen. Das Programm "GoBoat" kombiniert eine kostenfreie Bootsausleihe mit Müllsammeln auf der Spree – wer mitmacht, darf anschließend mit einem Freigetränk auf dem Solarschiff "Hermine" Platz nehmen. "GreenKayak" verfolgt einen ähnlichen Ansatz und stellt seine Kajaks kostenlos zur Verfügung, wenn Teilnehmende parallel Müll aus dem Wasser sammeln.
Auch Bildung und Naturschutz sind Teil des Programms: Das Futurium verschenkt beim Besuch der Ausstellung "Ocean Futures" ein limitiertes Plakat. Das Humboldt Forum bietet beim Besuch der Ausstellung "On Water" exklusive Führungen und Merchandise kostenfrei an.
Besonders bemerkenswert ist der Ansatz des Vereins "a Tip:Tap": Er setzt sich für den Genuss von Leitungswasser ein und verschenkt bei Teilnahme an einer Führung durch Charlottenburg Trinkflaschen aus recyceltem Edelstahl.
Kopenhagen als Vorbild
Berlinpay ist kein neues Konzept. Es knüpft ausdrücklich an Copenpay an. Dieses Programm startete Wonderful Copenhagen, die offizielle Tourismusorganisation der dänischen Hauptstadt, 2024 als Pilotprojekt.
Das Prinzip ist identisch: Wer nachhaltig handelt – mit dem Fahrrad anreist, öffentliche Verkehrsmittel nutzt, an Stadtreinigungs-Aktionen teilnimmt oder länger bleibt statt kürzer zu fliegen –, wird von Kopenhagener Sehenswürdigkeiten und Partnern belohnt.
"Als wir Copenpay im Jahr 2024 als wegweisendes Pilotprojekt starteten, wurde uns schnell klar, dass wir damit etwas Großartiges auf den Weg gebracht hatten", sagt Rikke Holm Petersen, Leiterin für Marketing und Kommunikation bei Wonderful Copenhagen auf der Pressekonferenz am Mittwoch. "Besucher sind nicht nur bereit, sondern auch hoch motiviert, den Orten, die sie besuchen, etwas zurückzugeben. Wir freuen uns sehr, dass Berlin diesen nächsten Schritt geht."
In Kopenhagen lief Copenpay 2025 über neun Wochen, von Mitte Juni bis Mitte August. Zu den Belohnungen zählten kostenlose Fahrradverleihungen, Führungen durch das historische Carlsberg-Brauerei-Gelände, freier Eintritt ins unterirdische Museum Cisternerne oder Mahlzeiten aus Lebensmittelüberschüssen für Zugreisende am Kopenhagener Hauptbahnhof. Das Programm operierte dabei bewusst auf Vertrauensbasis – passend zur dänischen Gesellschaftskultur, wie es von den Initiatoren selbst heißt.
Berlin adaptiert das Modell und schärft es thematisch: Statt eines breiten Nachhaltigkeitsansatzes steht in der Hauptstadt das Wasser im Mittelpunkt.
Digitaler Gewässeratlas als Ergänzung
Parallel zu Berlinpay veröffentlicht Visit Berlin erstmals einen digitalen Gewässeratlas für Berlin. Zum Start verzeichnet dieser mehr als 215 Badestellen sowie Gastronomie- und Übernachtungsangebote am Wasser. Schrittweise kommen Informationen zu Häfen, Bootsverleihern, Liegeplätzen, Schleusen, Fahrgastschifffahrt sowie ökologisch sensiblen Bereichen wie Schutzzonen hinzu. Perspektivisch sollen rund 800 wassertouristische Orte digital erfasst und in einer interaktiven Karte gebündelt werden.
"Wir freuen uns, dass wir mehr als 40 Partner für das Pilotprojekt gewinnen konnten", sagt Sabine Wendt, Geschäftsführerin von Visit Berlin. "Berlinpay zeigt, dass Unternehmen und Initiativen bereit sind, Verantwortung für unsere Stadt zu übernehmen. Wir laden Berlinerinnen, Berliner und ihre Gäste dazu ein, Berlin bewusster zu erleben – besonders am und auf dem Wasser."


