Studie zeigt PFAS-Belastung im Grundwasser.

Studie zeigt PFAS-Belastung im Grundwasser.

Bild: © Chrionny/Pixelio

Das Grundwasser im Einzugsgebiet des Oberrheins ist einer Studie zufolge erheblich mit Pestiziden, Arzneimittelrückständen und sogenannten Ewigkeitschemikalien (PFAS) belastet. Untersucht wurde das Grundwasser an 1497 Messstellen in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg sowie im Elsass bis zur Schweizer Grenze. Das geht aus dem Oberrhein-Projekt "ERMES-ii Rhein" hervor.

Praktisch überall seien im Grundwasser belastende Stoffe festgestellt worden, teilten die Projektverantwortlichen bei der Vorstellung der Studie in Straßburg mit. An 59 Prozent der Messstellen sei mindestens ein Trinkwassergrenzwert überschritten worden. Die Schadstoffe stammten demnach aus Industrie und Landwirtschaft sowie aus Privathaushalten und dem Gesundheitswesen.

Zugleich betonten die Autoren: Die Ergebnisse beziehen sich auf Grundwasser, nicht auf Trinkwasser. Trinkwasser werde vor der Abgabe an Verbraucherinnen und Verbraucher aufbereitet und nach strengen Normen kontrolliert.

Wichtiger Speicher für fünf Millionen Menschen

Der Oberrheingraben gilt als einer der bedeutendsten Grundwasserspeicher Westeuropas. Er erstreckt sich von Basel bis Mainz über etwa 300 Kilometer und versorgt rund fünf Millionen Menschen mit Trinkwasser. Gleichzeitig zählt die Region wegen Industrie, Landwirtschaft und Ballungsräumen zu den am intensivsten genutzten Gebieten Westeuropas.

Ziel der vor drei Jahren gestarteten Untersuchung sei es, die Gründe für die Verschlechterung der Grundwasserqualität zu analysieren und nachzuvollziehen, wie belastende Stoffe in den Wasserkreislauf gelangen. Das soll helfen, die Wasserqualität für kommende Generationen zu sichern. Eine regelmäßige grenzüberschreitende Bestandsaufnahme der Grundwasserqualität am Oberrhein gibt es den Angaben zufolge bereits seit 1991.

Pflanzenschutzmittel belasteten das Grundwasser am Oberrhein weiterhin nachhaltig und in hoher Konzentration, heißt es in der Studie. Seit 2016 sei aber eine leichte Verbesserung zu beobachten. Regional sei die Belastung unterschiedlich – unter anderem, weil bestimmte Pflanzenschutzmittel in deutschen Bundesländern früher verboten worden seien als im Elsass und in den Basler Kantonen. In diesen Regionen träten weiterhin häufig Grenzwertüberschreitungen auf, während bestimmte Pestizide in Deutschland bereits fast nicht mehr nachweisbar seien.

PFAS an 69 Prozent der Messstellen nachgewiesen

PFAS wurden laut Studie an 69 Prozent der Messstellen nachgewiesen. Schwellenwerte seien an neun Prozent der Messstellen überschritten worden – vor allem in den Räumen Basel/Saint-Louis, Thann/Cernay, Rastatt/Baden-Baden sowie Mainz und Frankfurt. Dabei handele es sich um bekannte Belastungszentren, etwa Industriegebiete oder Standorte, an denen Feuerlöschschäume eingesetzt oder Klärschlämme ausgebracht wurden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung: Über Kläranlagen gelangen Schadstoffe in Gewässer, die später auch im Grundwasser wiederzufinden sind. Dazu zählten vor allem Stoffe aus dem häuslichen Gebrauch wie Arzneimittel, Lebensmittelzusatzstoffe, Reinigungsmittel, Weichmacher, bestimmte Pflanzenschutzmittel und PFAS.

Besonders Medikamentenrückstände ließen sich in den meisten Kläranlagen nicht vollständig herausfiltern und gelangten damit "praktisch ungehindert" in den Wasserkreislauf.

Empfehlung: Einträge an der Quelle senken – und Kläranlagen nachrüsten

Die Studie empfiehlt, Einträge problematischer Stoffe bereits an der Quelle zu reduzieren. Das erfordere eine Verringerung der landwirtschaftlichen, industriellen und häuslichen Verwendung problematischer Stoffe. Zudem müsse die Überwachung von Ersatzstoffen verbessert werden – diese verursachten "allzu oft unter anderen Namen dieselben Probleme".

Darüber hinaus müssten Kläranlagen für die Beseitigung bestimmter Schadstoffe ausgerüstet werden, die bislang nicht ausreichend herausgefiltert werden. Eine in der Schweiz seit 2016 eingesetzte "vierte Reinigungsstufe" könne dabei weitgehend helfen. Für Deutschland und Frankreich schreibe eine europäische Richtlinie diese Neuerung bis 2045 schrittweise vor. Auch die Überwachung von Fließgewässern und Grundwasser solle verbessert werden, raten die Experten.

Behörden: Grenzüberschreitender Grundwasserschutz zentral

"Die Ergebnisse zeigen, dass der Grundwasserschutz weiterhin vor großen Herausforderungen steht. Die Daten des Projekts bilden eine solide Basis, diesen Herausforderungen zu begegnen und konkrete Maßnahmen abzuleiten", sagte Dirk Grünhoff, Präsident des Landesamtes für Umwelt Rheinland-Pfalz (LfU). Eine konsequente Fortsetzung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sei dafür Grundlage.

Ähnlich äußerte sich Ulrich Maurer, Präsident der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW): Gerade weil Belastungen durch klassische und neue Schadstoffe zunähmen und nicht an Landesgrenzen haltmachten, sei der Schutz des Grundwassers eine gemeinsame Aufgabe über einzelne Länder hinaus.

BDEW: Trinkwasser "sicher" – PFAS-Aufnahme vor allem über Nahrung

Vor dem Hintergrund der aktuellen PFAS-Debatte betonte auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dass das Trinkwasser in Deutschland sicher sei. Dies werde durch die gesetzlichen Festlegungen der Trinkwasserverordnung gewährleistet, erklärte Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser. Wasserversorger würden generell die geltenden Grenzwerte einhalten; diese seien so festgelegt, dass Trinkwasser lebenslang ohne Gesundheitsgefahr getrunken werden könne.

Bild: © BDEW

Weyand verwies zugleich darauf, dass der "Hauptaufnahmepfad" von PFAS für den Menschen die Nahrung sei. Das bestätigten ein wissenschaftliches Gutachten des Hygieneinstituts des Uniklinikums Bonn sowie eine neue Studie der EU-Kommission, so der Verband. Vor diesem Hintergrund sei es notwendig, die PFAS-Belastung an der Quelle zu reduzieren und ein europaweites PFAS-Verbot anzustreben. Zudem brauche es eine konsequente Herstellerverantwortung, um umweltverträglichere Produktionsweisen und eine drastische Reduktion der PFAS-Einträge sicherzustellen.

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