Wie können Wasserversorger von neuen digitalen Technologien profitieren? Dieser Frage geht die Global Water Research Coalition (GWRC) in einer aktuellen Studie nach. Darin werden die vielen Chancen, die das digitale Zeitalter den Wasserversorgern bietet, aufgezeigt, aber auch die Risiken und Herausforderungen und wie diese bewältigt werden können. Deutsches Mitglied der GWRC ist das TZW:DVGW-Technologiezentrum Wasser, das an der Erstellung des Berichts beteiligt war.
Das digitale Zeitalter ist da und entwickelt sich rasant, heißt es im Vorwort. Die Wasserversorger beginnen, Fernüberwachung und Systemautomatisierungen zu implementieren. Erste Schritte sind die Einführung von Smart Metering und die Verwendung von Sensoren und Monitoren an Leitungen, um Wasserverluste und -druck zu steuern.
Die digitalen Möglichkeiten
Viele Unternehmen verbessern ihre Kundenschnittstellen und Kommunikationskanäle, um die Effizienz im Unternehmen zu verbessern. Drohnen werden zunehmend für risikoreiche oder gefährliche Aufgaben eingesetzt. Weitere Möglichkeiten bieten intelligente Steuerungen, selbstlernende Algorithmen und Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, die SCADA-fähig sind, Daten überwachen und eine Vorgehensweise mit möglichst wenigen menschlichen Eingriffen entwickeln und implementieren können.
Auf dieser Basis können aus unterschiedlichen Datensätze durch computergestützte Analyse in Echtzeit Erkenntnisse über das Geschehen im Unternehmen generiert werden. Korrelationen, Chancen und Probleme können identifiziert und angegangen werden. Die Möglichkeiten reichen von einer Verbesserung der Geschäftseffizienz bis zur Bewertung der Umweltauswirkungen.
Vier digitale Stepps
Die GWRC-Studie schlägt einen vierteiligen Ansatz für die Entwicklung der digitalen Reife vor. Zunächst wird die Effizienz innerhalb einzelner Geschäftsbereiche erhöht, indem jeweils Best-Practice-Lösungen eingeführt werden. Dann wird die Integration innerhalb des Unternehmens verbessert, wobei eine effektive Geschäftsbereich-übergreifende Kommunikation und Zusammenarbeit umgesetzt wird. Der nächste Schritt ist die Einrichtung von Schnittstellen zu Kunden und Lieferanten, gefolgt vom Ausbau von Kontakten zu weiteren externen Dienstleistern.
Die Digitalisierung bringt viele Vorteile mit sich, es gibt aber auch Herausforderungen. Dazu gehören Cybersicherheit und Datenschutz. Die Risiken treten in allen Entwicklungsphasen der Digitalisierung auf und nehmen zu, wenn es zu einer engeren Zusammenarbeit mit externen Unternehmen kommt. Der Schutz von Daten, die über das Internet der Dinge übertragen werden, ist besonders wichtig, da es derzeit nur wenige Standards, Protokolle und Vorschriften in diesem Bereich gibt.
Der Bedeutung der Mitarbeiter
Das rasante Tempo des Wandels in der digitalen Technologie kann es Versorgungsunternehmen schwer machen, mit neuen Entwicklungen Schritt zu halten. Dabei kann insbesondere die Abhängigkeit von Zulieferern durch die Bindung an proprietäre Software und Tools zum Problem werden.
Das größte Risiko für das digitale Versorgungsunternehmen sind jedoch die Menschen, sowohl im Hinblick auf das Change Management als auch die Bereitstellung von Kompetenzen. Die Digitalisierung führt in gewisser Weise zur Disruption im Unternehmen. Deshalb ist es wichtig, dass die Veränderungen in der Belegschaft adäquat gemanagt werden. Dies beinhaltet eine gute Kommunikation, die Berücksichtigung kultureller Aspekte und die Sicherstellung des Know-hows, das für die Entwicklung des Geschäfts in Zukunft nötig ist.
Risiken des Fachkräftemangels
Der Fachkräftemangel birgt weitere Herausforderungen, da das digitale Zeitalter bei vielen Unternehmen – nicht nur bei den Wasserversorgern – gleichzeitig anbricht und beispielsweise Datenanalysten stark nachgefragt werden. Dazu kommt, dass Know-how in den Bereichen IT, Technologie und Datenanalyse bislang keine Kerngeschäftsfunktionen bei Wasserversorgern sind, aber für digital fortgeschrittene Versorgungsunternehmen sehr wichtig sind. (hp)


