Betreiberpartnerschaft zwischen Gelsenwasser, EGLV und Lukanga Water Supply and Sanitation Company in Sambia

Betreiberpartnerschaft zwischen Gelsenwasser, EGLV und Lukanga Water Supply and Sanitation Company in Sambia

Bild: © Gelsenwasser

Bild: © VKU

Gastbeitrag von,
Lena Pahlenberg
Beraterin kommunale Entwicklungszusammenarbeit
VKU e. V.

Der Zugang zu sicherer Wasserversorgung und einer funktionierenden Abwasserentsorgung ist ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Entwicklung – und stellt zugleich eine der größten Herausforderungen für viele Kommunen weltweit dar. Unzureichende Infrastruktur, begrenzte institutionelle und finanzielle Kapazitäten sowie der zunehmende Druck durch Urbanisierung und Klimawandel führen nicht nur zu Umweltbelastungen, sondern auch zu erheblichen Gesundheitsrisiken und eingeschränkter Lebensqualität.

Hier setzen Betreiberpartnerschaften an: Kommunale Wasser- und Abwasserbetriebe aus Deutschland arbeiten mit Städten und Versorgungsunternehmen weltweit zusammen, um gemeinsam praxisnahe Lösungen zu entwickeln und Betriebskompetenz zu stärken. Diese Form der Kooperation erweist sich in der Praxis als ein Gewinn für beide Seiten: Die Partner im Ausland verbessern ihre Wasserversorgung, während deutsche Versorger Wissen weitergeben, Fachkräfte motivieren und internationale Erfahrung sammeln.

Betreiberpartnerschaften sind langfristige Kooperationen zwischen Wasser-, Abwasser- oder Entsorgungsunternehmen in Deutschland und ihren Partnern im Ausland. Im Mittelpunkt stehen der Austausch von Fachwissen, Technologie und praktischem Know-how. Der Clou: Die Zusammenarbeit geschieht unter Fachleuten – Ingenieur:innen, Netztechniker:innen oder Laborfachkräften, die sich gegenseitig unterstützen.

Gefördert werden die Betreiberpartnerschaften durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Umgesetzt wird das Projekt "Betreiberplattform zur Stärkung von Partnerschaften kommunaler Unternehmen weltweit" durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Zusammenarbeit mit dem VKU und German Water Partnership. Derzeit gibt es 25 Betreiberpartnerschaften in sieben Ländern.

Beispiel Sambia

Seit 2019 arbeitet Gelsenwasser gemeinsam mit Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) in einer Betreiberpartnerschaft mit der sambischen Lukanga Water Supply and Sanitation Company (LgWSC) zusammen. Das Unternehmen versorgt rund 440.000 Menschen in der Region Kabwe mit Trinkwasser und entsorgt Abwässer.

Doch wie in vielen Ländern des globalen Südens ist die Infrastruktur veraltet, viele Rohrleitungen sind undicht und die Wasserverluste betragen teils über 50 Prozent. Gelsenwasser unterstützt die Kolleg:innen in Sambia mit Know-how – etwa beim Aufbau eines digitalen Leitungskatasters (Open-Source Web GIS), bei Betrieb und Instandhaltung der Assets und beim Aufbau eines zukunftsfähigen technischen Betriebs der Anlagen und des Netzes.

Fachkräfte aus Deutschland reisen nach Sambia und umgekehrt, um gemeinsam nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Die intensive Zusammenarbeit und der rege fachliche Austausch schaffen langfristige vertrauensvolle Beziehungen, von denen beide Seiten profitieren.

Und was haben die deutschen Unternehmen davon? "Unsere Mitarbeitenden erleben ihre Arbeit aus einem neuen Blickwinkel. Sie müssen improvisieren, gemeinsam mit den Partnern kreative Lösungen finden und erweitern damit ihre fachlichen und interkulturellen Kompetenzen – das ist eine große Motivation", erklärt der Koordinator für Internationales bei Gelsenwasser, Lukas Günther. Für die Unternehmen ist es außerdem eine Investition in die Fachkräftebindung und das internationale Profil.

OOWV und der ukrainische Wasserversorger aus Sumy arbeiten beim Thema Labortechnik und Wasseraufbereitung zusammen.Bild: © OOWV

Ukraine: Hilfe unter schwierigsten Bedingungen

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 ist vielerorts auch die Wasserversorgung stark betroffen – durch direkte Zerstörung oder Stromausfälle. Um schnell und unbürokratisch zu helfen, wurden im Rahmen der Betreiberplattform sogenannte Solidaritätsbetreiberpartnerschaften ins Leben gerufen.

Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) mit Wasserversorgern in den ukrainischen Städten Sumy und Chernihiv. Hier ging es zunächst um ganz praktische Hilfe: Notstromaggregate, Pumpen, Kamerafahrzeuge und Laborgeräte wurden beschafft und über einen eigens eingerichteten Logistikhub in die Ukraine gebracht.

Doch die Zusammenarbeit geht weiter: Der OOWV unterstützt die ukrainischen Partner beim Wiederaufbau und bei der Modernisierung ihrer Netze, zum Beispiel in den Bereichen Trinkwasseraufbereitung oder Abwasserleitungsinspektion.

Dabei ist der Austausch keine Einbahnstraße. Auch die deutschen Fachkräfte profitieren von dem Engagement, wie Lena Sophie Sept, Projektingenieurin beim OOWV, berichtet: "Wenn man sieht, wie in der Ukraine teils unter widrigsten Umständen gearbeitet wird, relativiert das manche Herausforderung bei uns zuhause. Das schärft den Fokus für das Wesentliche."

Warum sich Betreiberpartnerschaften lohnen

Die Beispiele aus Sambia und der Ukraine zeigen: Kommunale Unternehmen leisten im Rahmen von Betreiberpartnerschaften nicht nur einen greifbaren Beitrag zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele, sondern können auch anderweitig von diesem Engagement profitieren: Die Mitarbeiter:innen erweitern ihre interkulturellen und fachlichen Kompetenzen, das Unternehmen stärkt sein Profil als attraktiver Arbeitgeber und baut Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit und Innovation aus. 

Hat das Thema Ihr Interesse geweckt? Wollen Sie sich zu den Rahmenbedingungen eines solchen Engagements und den entsprechenden Förderangeboten informieren? Dann laden wir Sie herzlich zu unserer kostenfreien VKU-Info- und Netzwerkveranstaltung "Kommunalwirtschaft weltweit engagiert – Wege, Chancen und Rahmenbedingungen für ein entwicklungspolitisches Engagement kommunaler Unternehmen" am18. September in Berlin ein. Programm und Anmeldelink finden Sie hier.

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