Die beim Niedersächsischen Wirtschaftsministerium angesiedelte Landeskartellbehörde hat am Mittwoch erste Ergebnisse aus dem Trinkwasser-Preisvergleich zum Stichtag 31.12.2019 vorgelegt. Die Untersuchung gibt einen Überblick über die Strukturen der niedersächsischen Wasserbranche und der Wasserentgelte beziehungsweise über deren Entwicklung seit der letzten Abfrage 2009. Sie bezieht alle Wasserversorgungsunternehmen (WVU) ein, die privatrechtliche Preise erheben. Die Gebühren erhebenden Wasserversorgungsunternehmen unterliegen der Kommunalaufsicht und werden kartellrechtlich nicht überwacht.
Insgesamt 114 Preise erhebende WVU mit 134 Tarifgebieten und 64 Gebühren erhebende WVU mit 68 Tarifgebieten haben Daten geliefert. Dabei hat das niedersächsische Kartellamt nach eigenen Angaben große Preisunterschiede festgestellt. Während in Friedland ein Zwei-Personen-Haushalt durchschnittlich 282,40 Euro im Jahr bezahlt, sind es im emsländischen Werlte 69,60 Euro. Dabei ist der durchschnittliche Jahresverbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts mit ca. 80 Kubikmetern zugrunde gelegt.
Zum Teil vierfach so teuer
Der Unterschied bei einem Ein-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von etwa 50 Kubikmetern beträgt 136 Euro: Für einen Ein-Personen-Haushalt im emsländischen Werlte kostet das Trinkwasser im Jahr durchschnittlich 54,50 Euro, während ein Ein-Personen-Haushalt in Vienenburg 190,50 Euro für dieselbe Menge bezahlt.
Bezogen auf einen durchschnittlichen Jahresverbrauch eines Einfamilienhauses von etwa 150 Kubikmetern liegen die Differenzen bei bis zu 394,50 Euro. Während der Haushalt eines Einfamilienhauses im emsländischen Werlte für 150 m³ Trinkwasser 103,50 Euro bezahlt, fallen im südniedersächsischen Friedland für dieselbe Menge Trinkwasser 498 Euro an.
Regionale Gründe werden berücksichtigt
Das niedersächsische Kartellamt hat daher angekündigt zu überprüfen, ob einzelne Wasserpreise missbräuchlich überhöht sein könnten. „Dabei wird den WVU Gelegenheit geben, Rechtfertigungsgründe zu nennen“, teilt das Kartellamt mit. So könnten die Preise in dünn besiedelten Gebieten oder in Gegenden, in denen es auf Grund der Topographie aufwendiger ist, das Leitungsnetz zu betreiben, durchaus zu Recht teurer sein als in anderen Gegenden.
Anders als bei Strom oder Gas können Kunden bei Wasser nicht zwischen verschiedenen Anbietern wählen, sondern sind auf den örtlichen Versorger angewiesen. Um einen Gesamtüberblick über die niedersächsischen Wasserpreise zu bekommen, wurde auch die Höhe der Gebühren abgefragt. Einzelheiten hat die Behörde im Internet veröffentlicht. (hp)


