Im portugiesischen Wasserkraftwerk Valeira wird die neue Technik erprobt. Es ist mit einer installierten Leistung von 216 Megawatt eine der mittelgroßen Anlagen in Portugal.

Im portugiesischen Wasserkraftwerk Valeira wird die neue Technik erprobt. Es ist mit einer installierten Leistung von 216 Megawatt eine der mittelgroßen Anlagen in Portugal.

Bild: © Helmut Seger/Wikipedia

Von Elwine Happ-Frank

In Europa werden jährlich rund elf Prozent des Stroms aus Wasserkraft erzeugt. 35 Prozent der möglichen Leistung werden jedoch wegen Schäden an den Turbinen nicht ausgeschöpft.

Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts ReHydro werden an der Hochschule München neue Methoden zur frühzeitigen Erkennung von Kavitation entwickelt, einer Hauptursache für Turbinenschäden.

Kavitation ist ein hydrodynamischer Effekt, bei dem durch Druckabfall entstandene Dampfblasen in Flüssigkeiten kollabieren. Passiert das in der Nähe von festen Oberflächen, wie Turbinenschaufeln, entstehen extreme lokale Drücke, die wie bei einem Vulkan Material herauskatapultieren und so zu Materialschäden führen.

Limitierung der elektrischen Leistung

Bisher kann Kavitation nur durch kostenintensive Inspektionen erkannt werden, bei denen die Turbine vollständig entleert werden muss. Wird Kavitation festgestellt, bleibt lediglich die Möglichkeit zur Schadensbegrenzung, in dem man die Drücke erhöht oder die Durchflussgeschwindigkeit reduziert.

Um dies zu vermeiden, fahren Betreiber die Turbinen mit hohem Sicherheitsabstand zu kritischen Betriebsbereichen, in denen der Druck absinken könnte. Das limitiert jedoch den Betrieb der Turbine und generiert weniger elektrische Leistung als möglich wäre.

Im Rahmen des Projekts ReHydro, von der EU gefördert, entwickelt Axel Busboom, Professor an der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule München, gemeinsam mit Voith Hydro und Energias de Portugal innovative messtechnische Lösungen und KI-Überwachungssysteme, um Kavitation im laufenden Betrieb zuverlässig zu erkennen und teure Inspektionen zu reduzieren. Dazu setzen die Experten beispielsweise Ultraschallsensoren ein, die hohe Frequenzen erfassen, welche beim Kavitationsprozess erzeugt werden.

Im Wasserkraftwerk Valeira in Portugal wird die Technologie implementiert und soll zeigen, wie moderne Sensorik und Datenanalyse die Effizienz von Wasserkraftwerken optimieren können. Dies erhöht nicht nur die Flexibilität der Anlagen, sondern unterstützt auch die Stabilität der Stromnetze, indem es die Verfügbarkeit und Lebensdauer der Wasserkraftwerke verlängert. ReHydro bietet somit einen entscheidenden Beitrag zur ökologischen und ökonomischen Optimierung der europäischen Wasserkraftindustrie.

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