Von Elwine Happ-Frank
Längere Trockenphase und weniger Regen, dafür mehr Unwetter mit Starkregen führen dazu, dass selbst in der wasserreichen Region zwischen Spessart und Vogelsberg die Grundwasserspiegel strapaziert werden. Mit Hilfe der Aufbereitung von Oberflächenwasser könnte laut dem Wasserverband Kinzig (WKV) zumindest in der kälteren Jahreszeit die Grundwasserförderung gedrosselt werden, sodass sich die Reservoirs besser erholen können.
Der Verband will deshalb an der Kinzigtalsperre ein neues Wasserwerk bauen. Die Planungen dafür sind abgeschlossen, in Kürze wird der Genehmigungsantrag eingereicht. Das Vorhaben sei zentral für die Versorgungssicherheit des Landkreises, der Stadt Hanau und der Stadt Frankfurt am Main, wie der WVK mitteilt. Ab 2028 sollen dort jährlich neun Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Stausee entnommen und vor Ort zu Trinkwasser aufbereitet werden.
Mischung mit Tiefbrunnenwasser
Bislang versorgt der WVK seine Mitglieder überwiegend aus Brunnen, die bis zu 4,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser fördern. Mit der Oberflächenwasseraufbereitung kommt künftig eine weitere Säule für die Trinkwsserversorgung hinzu.
In das neue Wasserwerk werden rund 70 Millionen Euro investiert. "Das Wasser aus dem Stausee hat eine sehr hohe Ausgangsqualität – das haben unsere Tests in der Vergangenheit bewiesen", sagte WVK-Geschäftsführer Holger Scheffler.
Das Wasser aus der Talsperre wird mit Filter- und Membrantechnik aufbereitet. Gemischt mit dem aufbereiteten Wasser aus den Brunnen wird es den Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Mitglieder des Wasserverbands sind die Stadt Frankfurt am Main (77,9 Prozent Anteil), die Stadt Hanau (11,8 Prozent) und der Main-Kinzig-Kreis (10,3 Prozent).
Neun Jahre nach Beginn der Pilotphase stellt die Einreichung der Planunterlagen für den Verband und seine Mitglieder einen wichtigen Meilenstein dar. Hessenweit gibt es bislang keine Oberflächenwasserförderung und -aufbereitung dieser Größenordnung aus einer Talsperre – weder hinsichtlich der Mengen noch der technischen Verfahrensreife.



