Auf der ganzen Welt zählen invasive Arten zu den wichtigsten Gründen für den Rückgang der Artenvielfalt in Ökosystemen. Eine dieser invasiven Arten, die sich derzeit in Gewässern breitmacht, ist die Quagga-Muschel. Sie stammt ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum und ist mittlerweile in großen Teilen Europas und Nordamerikas verbreitet. Zusammen mit der Zebra-Muschel gilt sie als eine der aggressivsten invasiven Arten.
Im Bodensee hat die Quaggamuschel mittlerweile die Zebra-Muschel weitestgehend ersetzt. Die Fähigkeit der Quagga-Muschel, sich fast ganzjährig fortzupflanzen, weiches Substrat in der Tiefenzone zu besiedeln und ihre effizientere Nahrungsaufnahme sind die wesentlichen Gründe.
Verbreitung in der Schweiz
Seit ihrem ersten Nachweis in der Schweiz 2014 im Rhein bei Basel breitet sich die Quagga-Muschel rasant in der Schweiz aus, wie ein Team um Linda Haltiner vom Wasserforschungsinstitut Eawag und Hui Zhang von der Universität Konstanz nachweisen konnte. Gefunden wurde sie bereits in den folgenden Seen: Genfersee, Bodensee, Neuenburgersee, Bielersee, Lac Hongrin und Murtensee.
Die Tiere verbreiten sich entweder natürlicherweise, indem sie im Larvenstadium in der Strömung schweben und so stromabwärts getrieben werden. Im Ballast-, Bilgen- oder Motorenkühlwasser von Schiffen und Freizeitbooten, die in verschiedenen Gewässern verwendet werden, werden die Larven aber auch unbeabsichtigt durch den Menschen verschleppt. Die erwachsenen Muscheln kleben sich zudem an Booten und anderen Gegenständen fest: Werden diese nicht gereinigt oder gut getrocknet, bevor sie in anderen Gewässern zu Wasser gelassen werden, verbreiten sich die Muscheln auch auf diese Weise.
Befall im Bodensee
Hat die Quagga-Muschel ein Gewässer befallen, dominiert sie dieses mit einschneidenden Folgen. Dies zeigt auch ihre rasche Ausbreitung im Bodensee, wo sie erstmals 2016 nachgewiesen wurde. Bereits 2017 war sie in allen Seeteilen zu finden und ihre Verbreitung in der Flachwasserzone nimmt seither kontinuierlich zu. Sie besiedelt den See auch bereits bis in große Tiefen und eine weitere Zunahme der Bestandsdichte in den tiefsten Bereichen ist anzunehmen.
Das Forschungsprojekt „SeeWandel“, an dem Forschungseinrichtungen aus den drei Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz unter der Leitung von Eawag beteiligt sind, fasst zusammen, warum sich die Quaggamuschel so schnell und weit im Bodensee verbreitet und was mögliche Folgen für das See-Ökosystem sein könnten. „Anhand von Beobachtungen, die wir aus Nordamerika haben, befürchten wir, dass die Präsenz der Quagga-Muschel einschneidende Folgen für unsere See-Ökosysteme haben wird und diese möglicherweise aus dem Gleichgewicht bringt“, sagt Piet Spaak, Eawag-Forscher und Leiter des SeeWandel-Projekts.
Mögliche Folgen könnten sein:
- Rückgang des Planktons, da die Muscheln große Mengen Phytoplankton filtrieren
- Zunahme der Sichttiefe durch den Rückgang des Planktons
- Nährstoffzunahme am Seegrund und -abnahme im Freiwasser, da die Muscheln in Bodennähe leben
- Veränderung der Artengemeinschaften und des Nahrungsnetzes
- Rückgang von Fischbeständen aufgrund des veränderten Nahrungsnetzes
- Muschelschalen im Uferbereich
- Erhöhter Wartungsaufwand und Kosten, zum Beispiel für Rohre für Wasserentnahmen, Boote, Fischernetze usw.
Mögliche Vorsorgemaßnahmen
Die Forschenden empfehlen, Gewässer, die noch nicht betroffen sind, bestmöglich vor einer Einschleppung zu schützen. Nach heutigem Wissen ist das die wichtigste Massnahme für die Verhinderung der Weiterverbreitung.
Dies könne zum Beispiel mit Sensibilisierungskampagnen oder mit einer Reinigungspflicht für Boote erreicht werden, welche vorher auf einem anderen Gewässer verwendet wurden. Sowohl für die Früherkennung als auch für ein besseres Verständnis der Verbreitungsmuster und der Populationsdynamik der Quagga-Muschel wäre zudem ein regelmäßiges und einheitliches Monitoring nötig, sagt Gewässerökologe Spaak. (hp)



