Von Elwine Happ-Frank
Der Wetterbericht für das Brückentags-Wochenende vom 1. bis 4. Mai ist gut, vielerorts startet die Freibadsaison. Sie steht im Zeichen steigender Preise und wachsender wirtschaftlicher Herausforderungen. In zahlreichen Städten wie München, Ludwigshafen, Koblenz und Vallendar haben die Betreiber die Preise erhöht.
Laut der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfDB) hat sich der durchschnittliche Eintrittspreis für Erwachsene von 3,23 Euro im Jahr 2022 auf mittlerweile etwa 4 Euro erhöht. Während München den Eintritt moderat um 30 Cent auf 6 Euro anhebt, verzeichnet Vallendar mit einer Erhöhung von 5 auf 7 Euro einen deutlicheren Anstieg. In Ludwigshafen und Koblenz werden in diesem Jahr erstmals 5 Euro statt 4 Euro fälllig. Andere Kommunen wie Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Hof, Trier und Speyer halten ihre Preise hingegen stabil.
Als Haupttreiber für die Preiserhöhungen kristallisieren sich gestiegene Energiekosten, höhere Personalausgaben sowie wachsende Aufwendungen für Reinigung, Wartung und Sanierung heraus. Ein zentrales Problem besteht darin, dass die Einnahmen durch Eintrittsgelder bei öffentlichen Bädern grundsätzlich nicht ausreichen, um die Betriebskosten zu decken.
Wandel zur Klimaneutralität
Laut einer Umfrage des VKU vom vergangenen Jahr zählen Fachkräftemangel (78 Prozent), Sanierungsstau/-bedarf (60 Prozent) und der notwendige Wandel zum klimaneutralen Bad (40 Prozent) zu den größten Herausforderungen. Denn auch die Freibäder kommen langsam in die Jahre. Nach Angaben der Betreiber muss mehr als jedes dritte Freibad (rund 35 Prozent) in den kommenden fünf Jahren umfangreich saniert werden.
Allerdings wurden die Fördermittel dafür in der Saison 2023/2024 erheblich gekürzt. Die Hoffnungen ruhen deshalb auf der neuen Bundesregierung, die laut Koalitionsvertrag "mindestens eine Milliarde Euro in die Modernisierung und Sanierung von Sportstätten" stecken will.
Die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien ist ein weiterer Treiber der Kosten. Immer mehr Freibäder setzen auf Photovoltaikanlagen, um die Energiekosten zu reduzieren. Das Bärenkellerbad in Augsburg und das Freibad Georgenschwaige in München werden in dieser Saison mit Solaranlagen ausgestattet.
Verkürzung der Saison
In Nürnberg sorgt Solarenergie bereits seit der vergangenen Saison für eine konstante Wassertemperatur von etwa 22 Grad in Stadion- und Westbad. Das Hofer Freibad deckt mit Sonnenkraft bis zu 30 Prozent seines Strombedarfs und nutzt diese Energie auch zur Beckenheizung.
Eine weitere Sparstrategie ist die zeitliche Anpassung der Saison. Während einige Freibäder wie das Schyrenbad in München, das Nürnberger Westbad oder das Nordbad in Trier bereits Ende April oder Anfang Mai öffnen, verschieben andere den Saisonstart auf Mitte Mai oder sogar Anfang Juni. In Ingolstadt beispielsweise beginnt die Freibadsaison mittlerweile erst Mitte statt Anfang Mai, wodurch erhebliche Mengen an Wärmeenergie für die Beckenheizung eingespart werden.
Das Waldbad Ilfeld hat nach nur 150 Besuchern im Mai 2024 seinen Saisonstart auf Anfang Juni verlegt. Die Gemeinde Harztor plant für die Zukunft, im jährlichen Wechsel nur eines ihrer drei kommunalen Freibäder zum früheren Zeitpunkt zu öffnen, während die anderen zwei Wochen später folgen.
Weitere Preiserhöhungen wohl unausweichlich
Unbeheizte Schwimmbecken stellen eine weitere, wenn auch umstrittene Sparmaßnahme dar. In Nürnberg, Augsburg, im Freizeitbad Cambomare in Kempten und in Schnaittach gibt es bereits solche Becken, die deutlich günstiger zu betreiben sind. Diese werden jedoch nicht von allen Badegästen gleichermaßen angenommen.
Das kostenlose Freibad Lechhausen in Augsburg mit Wassertemperaturen von 18 bis 23 Grad wird eher mäßig besucht. Im Cambomare ist das unbeheizte Edelstahlbecken an heißen Tagen gut frequentiert, bleibt aber an kühleren Tagen leer. Experten bezweifeln, dass unbeheizte Freibäder trotz Klimaerwärmung zum Trend werden könnten, da sie besonders für Familien mit Kindern weniger attraktiv sind.
Vor diesem Hintergrund gehen viele Badbetreiber davon aus, dass in Zukunft weitere Preiserhöhungen wahrscheinlich sein werden, da die Kostenentwicklung derzeit kaum absehbar ist. Besonders die von der neuen Bundesregierung in Aussicht gestellte Senkung der Stromkosten würde aber eine deutliche Entlastung bedeuten.
Schwimmenlernen im Container
Neben finanziellen Herausforderungen kämpfen die Bäder zunehmend mit Personalproblemen. Die Suche nach Fachkräften für Bäderbetriebe und qualifizierten Rettungsschwimmern gestaltet sich immer schwieriger. Auch bei der Gewinnung von Imbissbetreibern gibt es wachsende Probleme, was zu Engpässen in der Versorgung führen kann.
Bei aller wirtschaftlicher Betrachtung darf die Bedeutung der Freibäder nicht unterschätzt werden. Sie sind wichtige Orte der sozialen Teilhabe, bieten Gelegenheit zum Schwimmenlernen und auf Sport und Familien ausgerichtete Veranstaltungen.
Viele Freibäder können zudem auf eine lange Tradition zurückblicken, wie das Freibad in Schmalkalden, das in diesem Jahr bereits sein 100-jähriges Bestehen feiert, oder das Waldbad Ilfeld, das 1927 erbaut wurde.
Und manchmal helfen auch kreative Ideen weiter. Im oberfränkischen Kasendorf ist der Weg zum nächsten Hallenbad weit. Deshalb will die Kommune nun einen Schwimmcontainer vor der örtlichen Grundschule aufstellen, damit die Kinder dort Schwimmunterricht bekommen können. (mit dpa)



