Frau Nickel, das Konzept der Schwammstadt wird schon seit Jahren diskutiert. Nun hat es angesichts der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen neue Aktualität erhalten. Doch warum passiert im Bestand noch wenig, was sind wichtige Gründe hierfür?
Anders als für den Neu- oder Umbau fehlen hier verbindliche Vorgaben und damit auch Anreize, die Schwammstadt umzusetzen. Es gibt in Berlin ein „1000 Grüne Dächer“-Programm, das explizit auf Bestandsgebäude in den Innenstadtbereichen abzielt. Das kommt gut an: in den vergangenen zwei Jahren wurde bereits eine Förderung für 10.000 m² Dachbegrünung auf bestehenden Dächern bewilligt. In gewissem Umfang kann auch beim Niederschlagswasserentgelt eingespart werden. Doch darüber hinaus fehlt der Impetus, im Bestand im größeren Stile Schwammstadt-Maßnahmen umzusetzen.
Das heißt, man bräuchte noch zusätzliche regulatorische Vorgaben für die Bestandsgebäude und -flächen?
Genau. Nötig wäre ein Instrumentenmix aus Finanzierung, stadtplanerischen Instrumenten und Vereinbarungen, die dann deutlich machen, wer für was zuständig ist. Ein Problem ist in Berlin, dass die etwaigen Zuständigkeiten zwischen dem Land und den Bezirken stark zersplittert sind und dass sich die Akteure teils für das Thema nicht zuständig fühlen. Häufig sind auch die Personalressourcen nicht vorhanden. Wir brauchen mehr von der Idee überzeugte Leute in der Verwaltung, die dann in der Lage sind, dieses Thema besser mitzudenken. Dieses Werben ist eine unserer wichtigsten Eigenschaften. Und wir freuen uns natürlich, dass wir damit mehr und mehr Erfolg haben.
Was können Sie denn als Regenwasseragentur hierbei leisten?
Wir sind ja nicht für die Umsetzung von Maßnahmen zuständig, sondern wir sind beratend unterwegs, informierend, vernetzend, Dialog stiftend. Wir unterstützen die Verwaltung bei ihren Bauvorhaben. Sie kommen zu uns und wollen Hilfestellungen bei Leistungsbeschreibungen, bei der Bewertung von Konzepten, überhaupt bei der Aufstellung des Planungsziels. Und wir versuchen, die verschiedenen Akteure zusammenzubringen und den Austausch zu fördern, sei es anhand von konkreten Pilotvorhaben oder in puncto standardisierte Bauprozesse in der Stadt. Manchmal ist es ja auch erforderlich, ein bisschen außerhalb der Standards zu denken und neue Wege zu gehen. Natürlich bringen sich andere Akteure da auch ganz stark ein, wie zum Beispiel die Berliner Wasserbetriebe oder die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Wir versuchen, diesen Austausch zu fördern, indem wir die Knackpunkte identifizieren, sie gezielt angehen und versuchen, die Bedingungen so aufzustellen, dass es funktioniert.
Das Interview führte Hans-Christoph Neidlein
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