Der Dürresommer hat bei Wasserversorgern in Deutschland deutliche Spuren hinterlassen. Das zeigt sich auch in der zweiten Auflage des Klimaresilienz-Indexes, den der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) kürzlich vorstellte.
Demzufolge nannten Wasserversorger am häufigsten den Rückgang des Wasserdargebots als eine der größten Herausforderungen mit Blick auf den Klimawandel (20 Prozent). Als Wasserdargebot wird die Menge an Süßwasser bezeichnet, die für eine bestimmte Zeit aus dem natürlichen Wasserkreislauf zur Verfügung steht und nutzbar ist.
Spitzenbedarfe auf Platz drei
Auf Platz drei lagen Spitzenbedarfe, die in diesem Sommer vielen Wasserversorgern zu schaffen machten und in mehreren Teilen Deutschlands zu Einschränkungen bei der Wasserentnahme führten. 17 Prozent der befragten Versorger gaben dies als eine ihrer größten Herausforderungen an. Am zweithäufigsten wurde der Infrastrukturausbau genannt, am vierthäufigsten Bürokratie und Verwaltungsaufwand.
Der Rückgang des Wasserdargebots und Spitzenbedarfe wurden in der Umfrage des Vorjahres deutlich seltener als eine der größten Herausforderungen genannt. Stattdessen wurden pauschal Starkwetterereignisse und klimatische Veränderungen, Bürokratie und Verwaltungsaufwand sowie Finanzbedarf und fehlende Fördermittel am häufigsten angegeben.
DVGW-Wasservorstand Wolf Merkel sagte, die Umfrage sei durchgeführt worden, als in Deutschland bereits hohe Temperaturen geherrscht hätten. "Das muss man immer im Hinterkopf haben." Insgesamt nahmen diesmal 227 Führungskräfte von Trinkwasserversorgern teil.
Robustheit mit höchstem Wert
Im Vergleich zum Vorjahr schätzten Wasserversorger ihre Klimaresilienz mit 48 von 100 Punkten etwas schlechter ein als im Vorjahr. Damals waren es 49 Punkte. "Die Wasserversorgungsunternehmen bewältigen aktuelle Belastungen weiterhin zuverlässig, sehen aber fortgesetzt hohen Anpassungsdruck", kommentierte der DVGW.
Die höchsten Werte wiesen Wasserversorger beim Teilindex Robustheit aus (59 Punkte). Im Vergleich zum Vorjahr ging der Wert allerdings zurück.
Abgefragt wurde unter anderem, wie robust sich Wasserversorger gegenüber negativen Folgen des Klimawandels wie der Zunahme der Spitzenlast beim Wasserbedarf oder der Abnahme des Wasserdargebots sehen.
Rechtlicher Rahmen etwas besser bewertet
Am schlechtesten wurde der rechtliche Rahmen bewertet (40 Punkte). Im Vorjahresvergleich stieg der Wert allerdings. Positiver gegenüber dem Vorjahr empfanden Versorger beispielsweise die Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren wie Landwirtschaft und Kommunen. Auch bei regionalen oder landesweiten Wasserversorgungskonzepten hellte sich die Stimmung auf.
Wie schon im Vorjahr schätzten größere Wasserversorger ihre Klimaresilienz tendenziell geringer ein als kleinere Versorger. Bei Versorgern mit hohen Abgabemengen verschlechterte sich vor allem der Teilindex Anpassungsgrad deutlich. Bei kleinen Versorgern verbesserte er sich spürbar.
Kaum Veränderungen gab es bei den wichtigsten Stellschrauben, an denen gedreht werden müsste, um die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen an den Klimawandel zu verbessern. Am häufigsten wurden Infrastrukturinvestitionen, finanzielle Förderung und Bürokratieabbau genannt.