Die Einnahmen aus Wasserpreisen sind nicht ausreichend, um notwendige Investitionen zu finanzieren – das sagen 76 Prozent der Wasserversorger, die an einer Umfrage des Stadtwerke-Netzwerks Thüga teilgenommen haben. "Versorgungssicherheit ist nicht zum Nulltarif zu haben", erklärt ein Teilnehmer der Umfrage.
39 von 47 der Wasserunternehmen, die Partner der Thüga sind, haben den Fragenkatalog beantwortet. 86 Prozent von ihnen bewerten ihren Investitionsbedarf als hoch oder sehr hoch. Klimawandel und Sanierungsbedarf benennen die Teilnehmer als die größten Herausforderungen für ihre Unternehmen.
Die häufigsten Auswirkungen des Klimawandels sind für die Wasserversorger häufigere Trockenperioden, sinkende Grundwasserstände und höhere Spitzenlasten im Sommer.
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Rund die Hälfte der Teilnehmer hält die langfristige Versorgungssicherheit mit Trinkwasser für gut gesichert – dagegen sehen knapp 46 Prozent diese Sicherheit als eher oder sogar stark gefährdet an. Bei einer notwendigen Priorisierung im Fall von regionalen Wasserknappheiten sind sich die Teilnehmer einig: Die Trinkwasserversorgung sollte in solchen Fällen den gesetzlichen Vorrang haben vor anderen Wassernutzungsinteressen.
Die Wasserversorger der Thüga fordern eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Wert von Trinkwasser. Es gehe nicht darum, die Preise möglichst stark zu erhöhen, sondern um einen Ausgleich zwischen Versorgungssicherheit, notwendigen Investitionen und Bezahlbarkeit. "Wir brauchen eine sichere und nachhaltige Wasserversorgung zu angemessenen und transparenten Preisen", sagt ein weiterer Umfrageteilnehmer.
Forderung nach höheren Wasserpreisen aus der Politik
Die Debatte über den Zustand und die Finanzierung der Wasserversorgung fällt in eine Zeit regional angespannter Wasserlagen. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte dem "Spiegel": "Künftig werden wir ernsthafte Konflikte um Wasser haben – auch in Deutschland." Deutschland sei bisher ein wasserreiches Land, aber das ändere sich gerade, erklärte Schneider.
Auch in den Bundesländern steigt die Aufmerksamkeit für die Ressource Wasser, etwa in Brandenburg: Umweltministerin Hanka Mittelstädt hat kürzlich gefordert, dass sich der Umgang mit Wasser angesichts des Klimawandels und sinkender Grundwasserspiegel ändern müsse. Die SPD-Politikerin rief zu mehr Sensibilität beim Wasserverbrauch auf.
"Da Wasser ein gesamtgesellschaftliches Anliegen ist, muss die gesamte Gesellschaft auch dafür einstehen", sagte Mittelstädt der dpa. Trinkwasser sei in der jetzigen Situation noch zu günstig und der Wasserpreis müsse künftig steigen, sagte Mittelstädt.
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Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) plädiert dafür, Unternehmen beim Wasser stärker zu belasten und die Preisunterschiede zu Privathaushalten zu verringern. Wegen des Klimawandels müsse ein neuer Umgang mit Wasser gefunden werden, erklärte Goldschmidt in einem Interview mit Sat.1: "Eine Ressource wie Grundwasser muss gut bewirtschaftet werden und jeder sollte das Gleiche dafür zahlen", sagte der Umweltminister.
Wasser als Gesellschaftsaufgabe
Auch die Wasserversorger in der Thüga-Gruppe fordern ein Umdenken: "Trinkwasser ist ein Lebensmittel. Es sollte primär auch nur für diesen Zweck verwendet werden", betont ein Teilnehmer der Umfrage.
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Eine stärkere Zusammenarbeit der Versorger könne helfen, effizienter zu arbeiten, Wissen zu bündeln und Investitionen gemeinsam zu stemmen, erklärt die Thüga-Gruppe. "Die deutsche Wasserversorgung ist eine der zuverlässigsten der Welt. Das bleibt sie nur, wenn wir jetzt investieren", sagt Constantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Thüga. Mit Blick auf den Klimawandel gehe es nicht darum, ob investiert werde, sondern ob dies rechtzeitig geschehe.