Die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) wird so stark nachgefragt, dass das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) mit der Bearbeitung der Anträge nur noch schwer hinterherkommt.
Bis Jahresende 2025 wurden insgesamt 4580 Anträge eingereicht. Davon wurden 3072 bewilligt, teilte das Bafa mit. Damit stieg die Zahl eingereichter, aber noch nicht bewilligter Anträge auf knapp über 1500. Zum Vergleich: Ein halbes Jahr zuvor lag der Rückstau noch bei knapp unter 1000. Wie viele der eingereichten Anträge storniert wurden, blieb unklar.
Bafa: Feuerwehr-Trupps bei unerwarteten Antragsspitzen
Das für das Bafa zuständige Bundeswirtschaftsministerium ist sich des Problems wohl bewusst. "Wir sind mit Hochdruck dran, dass sich die Bearbeitungszeiten verkürzen", sicherte Stephanie von Ahlefeldt, Wärme-Abteilungsleiterin im Wirtschaftsministerium, bei einer Veranstaltung des Fernwärmeverbands AGFW Ende Januar zu.
Auf Anfrage sagte eine Sprecherin des Stadtwerkeverbands VKU: "Kurzfristig würde helfen, dass die Förderanträge schnellstmöglich beschieden werden, damit die Fördermittel zügig bei den Unternehmen ankommen. 2025 hat gezeigt, dass hier noch viel Luft nach oben ist." Der Verband hatte eigenen Angaben zufolge bereits Vorschläge zur Verfahrensbeschleunigung unterbreitet – die zumindest in Teilen auch übernommen worden sein sollen.
Generell nimmt das Bafa für sich in Anspruch, flexibel auf steigende Antragszahlen zu reagieren. "Wir haben ein sehr differenziertes Controlling und erheben Kennzahlen", erläuterte Bafa-Chefin Mandy Pastohr vergangenen Herbst in einem ZFK-Interview. "Bei unerwarteten Spitzen setzen wir unsere sogenannten Feuerwehr-Trupps ein. Das heißt, wir nehmen Mitarbeiter aus anderen Bereichen dazu, die beim Abbau von Rückstaus helfen."
Um Wärmenetz-Anträge kümmerten sich mehr als 25 Mitarbeiter, führte die Behördenchefin damals aus. In der Gebäudeförderung seien es etwas mehr als 200 Mitarbeiter. Eine detaillierte Übersicht über die Bearbeitungsdauer in den einzelnen Modulen wurde auf Anfrage weder vom Wirtschaftsministerium noch von der Bafa übermittelt.

BEW soll Gesetz werden
Insgesamt wurden laut Bafa im vergangenen Jahr 1,65 Milliarden Euro an BEW-Fördermitteln bewilligt. Der Großteil davon wurde für Projekte reserviert, die in den nächsten Jahren in Betrieb gehen. Über die BEW werden neben Wärmenetzen beispielsweise Geothermie-Anlagen, Solarthermie oder Großwärmepumpen bezuschusst.
Wirtschaftsministerium und Fernwärmebranche gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren noch etliche Milliarden Euro mehr an Fördergeldern fließen werden. Allein für dieses Jahr wurden die Mittel deutlich aufgestockt. Bis zu 1,4 Milliarden Euro können dieses Jahr ausgezahlt werden. Für die Folgejahre sind weitere 5,9 Milliarden Euro reserviert.
Hoffnung auf 3,5 Milliarden Euro pro Jahr
Mut machte der Fernwärmewirtschaft zuletzt die Ankündigung der schwarz-roten Koalition, die Mittel für die BEW aufzustocken und das Programm gesetzlich zu regeln. Dies entspricht einer langjährigen Forderung der Branche. So würde die BEW nicht dem jährlichen Feilschen des Bundestags um knappe Haushaltsressourcen ausgesetzt sein.
Offen ist, wie viele Mittel genau zur Verfügung stehen sollen. Die Fernwärmeverbände VKU und AGFW fordern mindestens 3,5 Milliarden Euro pro Jahr – und stoßen damit offenbar zumindest beim Bundesumweltministerium auf offene Ohren. In einem durchgesickerten Entwurf zum neuen Klimaschutzprogramm hieß es: "Ab dem Jahr 2030 werden die angesetzten Fördermittel dauerhaft auf 3,5 Milliarden Euro jährlich angehoben." Ob diese Meinung auch das fachlich zuständige Wirtschaftsministerium und die Herrin der Bundesfinanzen, das Bundesfinanzministerium, so sehen, ist unklar.
Förderende für Transformationspläne
Überrumpelt und verärgert zeigten sich Marktteilnehmer dagegen über die Bafa-Ankündigung vor wenigen Wochen, die Förderung von Transformationsplänen im Rahmen der BEW einzustellen. Auch die Aufstockung bereits laufender Anträge um Planungsleistungen sei ab diesem Datum nicht mehr möglich, teilte die Behörde mit. Eine Ausnahme gelte für industrielle Prozesswärmenetze.
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Die Zahl der Modul-1-Anträge war im Dezember 2025 sprunghaft nach oben gegangen. Das Bafa meldete mehr als 400 Eingänge. Das waren mehr als dreimal so viele Anträge wie im November. Neuere Zahlen lagen bei Redaktionsschluss nicht vor.





