Von links: Pierre Wallgren, CEO Vinnergi AB, und Heinz Honemann, Geschäftsführer Vivax Net GmbH

Von links: Pierre Wallgren, CEO Vinnergi AB, und Heinz Honemann, Geschäftsführer Vivax Net GmbH

Bild: © Vinnergi/Vivax Net

Mit der Mehrheitsbeteiligung am deutschen Glasfaserunternehmen Vivax Net startet die schwedische Vinnergi ihre Expansion in Europa mit einer direkten Präsenz in Deutschland. Mit zahlreichen Dienstleistungen und digitalen Lösungen für Energieversorger, Glasfasernetze sowie Mobilfunk und 5G, die sich seit Jahren auf dem schwedischen Markt bewährt haben, sollen künftig auch deutsche Versorgungsunternehmen von den schwedischen Leistungen profitieren. Wie, das erläutern Pierre Wallgren, CEO Vinnergi AB, und Heinz Honemann, Geschäftsführer Vivax Net GmbH, die ab Juni als Vinnergi GmbH firmieren wird.

Herr Honemann, Herr Wallgren, Sie wollen in der neuen Konstellation "mehr Schweden nach Deutschland bringen". Was kann Deutschland von Schweden lernen?

Pierre Wallgren: Tatsächlich ist Schweden Deutschland bei der Digitalisierung in vielen Bereichen weit voraus. Ein Beispiel ist der Glasfasermarkt: In Schweden konnte schon vor Jahren eine Open-Access-Struktur etabliert werden, die dafür sorgt, dass die Glasfasernetze sehr gut ausgelastet sind. Vor allem, weil das Angebot sehr attraktiv ist. Selbst in entlegenen Gebieten haben die Kunden die Wahl zwischen zahlreichen Produkten verschiedener Anbieter. Für die Betreiber ist das ein sehr gutes Geschäft, insbesondere auch für die Stadtwerke, die mehr als 200 dieser Netze betreiben. Die Mehrheit von ihnen unterstützen wir mit entsprechenden Dienstleistungen und Plattformlösungen wie beispielsweise der OSS/BSS-Software Flow, die in Schweden in zahlreichen Open-Access-Netzen im Einsatz ist und die wir nun auch in Deutschland anbieten wollen.

Heinz Honemann: In Schweden werden diese Plattformen heute übrigens nicht nur für Internet-, TV- oder Telefonieprodukte genutzt. Auch Energieanwendungen oder erweiterte beziehungsweise gebündelte Dienstleistungsangebote für die Kunden der Stadtwerke werden darüber angeboten und betrieben. Ähnlich wie in Schweden, wo sich Vinnergi neben der Entwicklung von Fest- und Mobilfunknetzen auch mit Energieberatung und Systemen für erneuerbare Energien sowie mit Gebäudeautomation und physischer Sicherheit beschäftigt, wollen wir das nun auch in Deutschland aufbauen. Durch diesen übergreifenden Ansatz können deutsche Versorgungsunternehmen direkt von den schwedischen Erfahrungen profitieren und müssen das Pferd nicht jedes Mal neu erfinden.

Open Access im Glasfasermarkt ist nur ein schwedisches Erfolgsmodell. Gibt es weitere Ansätze, die sich auf Deutschland übertragen lassen?

Pierre Wallgren: Ein wichtiger Trend in Schweden ist das ganzheitliche Management der Glasfasernetz- und der Smart-Grid-Infrastrukturen. Immer mehr Stadtwerke vereinen diese beiden bisher getrennten Bereiche und sorgen damit für mehr Effizienz und Synergien. Parallel dazu wurden auch modulare Software-Plattformen geschaffen, über die sowohl die Glasfasernetz- und Kundenservices als auch die Smart-Grid-Logik über ein einheitliches Interface bedient werden können. Eine weitere Vorbildfunktion könnte aber auch die verbreitete überregionale Zusammenarbeit von Stadtwerken und Kommunen sein, die gemeinsam Breitbandunternehmen und andere Kooperationsunternehmen betreiben und so die Kosten für alle Beteiligten senken.

Vivax Net war bisher vor allem als Generalunternehmer im Glasfaserausbau aktiv. Wird dieser Fokus beibehalten?

Heinz Honemann: Der Netzbau wird auch in Zukunft ein zentrales Standbein bleiben, aber nicht mehr nur im Bereich der Glasfasernetze. Vinnergi verfügt über ein breites Know-how im Auf- und Ausbau von schlüsselfertigen 5G-Infrastrukturen inklusive der Installation entsprechender Antennen und Masten, was das Glasfasergeschäft ideal ergänzt. Aber auch die Energiewende und hier insbesondere die Kombination von Solarparks mit großen Batteriespeichern oder die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität, sind attraktive Geschäftsfelder, in denen Vinnergi in Schweden sehr erfolgreich unterwegs ist. Hier sehen wir uns als ganzheitlicher Partner für Stadtwerke in allen Bereichen des Ausbaus digitaler Netze – bis hin zur Anbindung von Smart Buildings und von Lösungen für Home Automation und Energiemanagement. Deswegen haben wir uns auch dazu entschieden, künftig unter der Marke Vinnergi zu firmieren. Denn diese steht für ein deutlich breiteres Portfolio als Vivax Net.

Pierre Wallgren: Unser Ziel ist es aber auch, Vinnergi auch in Deutschland künftig als ganzheitlichen Umsetzungspartner zu positionieren. Denn es reicht nicht aus, die digitalen Infrastrukturen der Zukunft planen und bauen zu können. Auch der Betrieb muss entsprechend effizient und wirtschaftlich gestaltet werden. Deshalb werden wir kurzfristig ein Beratungsangebot etablieren, das von der Unterstützung bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen über IT- und Prozessberatung bis hin zu Merge & Consolidation Services und High Level Network Design Services reicht.
 
Der Einstieg von Vinnergi bei Vivax Net kam nicht aus heiterem Himmel. Sie kennen sich schon länger ...

Heinz Honemann: Wir arbeiten schon seit drei Jahren zusammen. Gemeinsam haben wir, auch mit anderen Partnern, an Modellen gearbeitet, wie man die funktionierenden Strukturen des schwedischen Glasfasermarktes auf Deutschland übertragen kann. In dieser Zeit haben wir festgestellt, dass wir sowohl inhaltlich als auch kulturell sehr gut zusammenpassen. Insofern war die Mehrheitsbeteiligung von Vinnergi der nächste logische Schritt.

Pierre Wallgren: Auch wir sehen eine hohe strategische und kulturelle Übereinstimmung zwischen den Unternehmen. Damit haben wir die Voraussetzungen, langfristig Werte und Potenziale zu schaffen – für unsere Kunden, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unseren weiteren Wachstumskurs. Gemeinsam gehen wir den nächsten Schritt in unserer Vision, ein führender Zukunftsintegrator für kritische Infrastrukturen in Europa zu werden.

Das Interview führte Stephanie Gust

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper