Von den 25 untersuchten IT-Anbietern sehen sich zehn als reine Plattformanbieter, sechs als klassische Lösungsanbieter und neun als sogenannte "duale Anbieter".

Von den 25 untersuchten IT-Anbietern sehen sich zehn als reine Plattformanbieter, sechs als klassische Lösungsanbieter und neun als sogenannte "duale Anbieter".

Bild: © Advance Creation/Adobe Stock

Von Stephanie Gust

Der BEMD hat 25 IT- und Plattformlösungen entlang der energiewirtschaftlichen Prozesskette unter die Lupe genommen – strukturiert anhand eines überarbeiteten Fragenkatalogs, differenziert nach Technologiemodellen und ergänzt um neue Bewertungskategorien wie zum BEispiel künstliche Intelligenz (KI).

Die Untersuchung versteht sich nicht als klassisches Ranking, sondern als strukturierter Marktüberblick – und als Hilfestellung für Stadtwerke, Netzbetreiber und Marktakteure, die ihre IT-Landschaft zukunftsfest aufstellen müssen. Denn angesichts regulatorischer Vorgaben, wachsender Komplexität und verschärfter Effizienzanforderungen geraten insbesondere die Prozesse zwischen Zählpunkt und Rechnung – also das sogenannte "Meter to Cash"-Segment – zunehmend unter Druck.

Was ist neu an der vierten Auflage?

Die vierte Auflage baut auf den Vorversionen aus den Jahren 2017, 2019 und 2022 auf, bringt aber einige zentrale Neuerungen mit sich. Dazu zählt ein vollständig überarbeiteter Kriterienkatalog mit 155 Fragen, der nun noch stärker auf Prozessabdeckung, Automatisierung, Plattformfähigkeit und Zukunftstechnologien ausgerichtet ist. Das zugrundeliegende BEMD-Referenzmodell bildet dabei die energiewirtschaftliche Prozesskette in standardisierter Form ab und dient als Bezugsrahmen für alle Anbieter.

Erstmals wird differenziert, ob es sich bei einer Lösung um eine klassische Software, eine Plattform oder eine Mischform handelt. Ebenso neu ist die Integration der Marktrolle Energieserviceanbieter – eine Kategorie, die durch neue Dienstleistungen rund um Flexibilitäten, Energieeinsparung und Verbrauchssteuerung an Relevanz gewinnt. Auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz wurde erstmals systematisch abgefragt.

"Wir sehen, dass der Wandel in der Branche tiefgreifender ist als in den Jahren zuvor", sagt Dirk Briese, Geschäftsführer des BEMD. "Der Digitalisierungs- und Automatisierungsdruck steigt, viele Versorger stehen vor der S/4HANA-Migration, weiteren regulatorischen Vorgaben oder auch einer wachsenden Anzahl an Marktrollen und externen Partnern. Umso wichtiger ist Transparenz über die Leistungsfähigkeit und Struktur der verfügbaren IT-Lösungen.“

Plattformisierung schreitet voran

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung: Die Anbieterlandschaft wird heterogener und gleichzeitig modularer. Von den 25 untersuchten IT-Anbietern sehen sich zehn als reine Plattformanbieter, sechs als klassische Lösungsanbieter und neun als sogenannte "duale Anbieter“, die sowohl Softwarelösungen als auch Plattformfunktionalitäten abdecken. Besonders Plattformanbieter streben laut BEMD häufig eine möglichst umfassende Abdeckung der energiewirtschaftlichen Standardprozesse an; zum Beispiel im Netzbereich, im Vertrieb oder bei Abrechnung und Kundenkommunikation.

Neun Anbieter haben bereits an allen vier Auflagen der Transparenzinitiative teilgenommen, was eine langfristige Beobachtung ihrer strategischen Entwicklung erlaubt. Manche von ihnen haben sich im Laufe der Jahre neu positioniert – weg vom proprietären System, hin zur offenen Plattform oder zum serviceorientierten Ansatz. Diese Verschiebung zeigt nicht nur eine technische Evolution, sondern auch eine Veränderung im Selbstverständnis vieler Anbieter.

KI, Cloudservices und neue Schnittstellen

Neben der technischen Architektur beleuchtet die Studie auch erstmals den Einsatz von künstlicher Intelligenz – etwa in der Prognose, Anomalieerkennung oder Automatisierung von Kundenvorgängen. Zwar sind viele KI-Anwendungen noch in der Pilotphase oder auf einzelne Use Cases beschränkt, dennoch erkennt der BEMD hier klare Entwicklungstrends. Gerade in Verbindung mit Cloudtechnologie und Microservices eröffnen sich neue Spielräume für datengetriebene Anwendungen.

Auch die einzelnen Marktrollen werden in der vierten Auflage ausführlich adressiert. Diese umfasst nicht nur klassische Energiedienstleistungen, sondern zunehmend auch digitale Services rund um Verbrauchstransparenz, Einsparpotenziale und Schnittstellen zur dezentralen Erzeugung. Ob Plattformen diese Rolle künftig integrieren, unterstützen oder vernetzen ist eine Frage, die sich IT-Verantwortliche künftig verstärkt stellen müssen.

Transparenz statt Marketing

"Die Initiative soll nicht bewerten, sondern Orientierung geben", betont Jörn Haußen von der GISA GmbH, Leiter der BEMD-Arbeitsgruppe IT M2C. "Gerade vor größeren IT-Entscheidungen ist es für Stadtwerke entscheidend, strukturiert zu vergleichen – nicht nur anhand von Funktionslisten, sondern auch strategisch: Passt das Anbieterprofil zu meinem Geschäftsmodell? Ist die Lösung mit Blick auf den Regulierungsrahmen resilient genug?"

Die vollständige Auswertung wird am 11. September 2025 auf dem Forum "Transparenzinitiative 4.0 – IT-Lösungen und Plattformen Meter to Cash" in Halle (Saale) präsentiert. Neben den Ergebnissen der Auswertung erwarten die Teilnehmenden Fachvorträge, Anbieter-Insights und Gelegenheit zum Austausch. 

ZfK-Serie startet in Kürze

Die ZfK begleitet die Veröffentlichung der Transparenzinitiative mit einer redaktionellen Serie. In mehreren Beiträgen wird ein genauerer Blick auf einzelne Aspekte der Untersuchung geworfen: zum Beispiel auf die Anbieterstruktur, den Plattformbegriff, den Einsatz von KI oder die spezifischen Herausforderungen in den Marktrollen. Ziel ist es, IT-Entscheider:innen in Stadtwerken, bei Netzbetreibern und bei Dienstleistern eine fundierte Einordnung der Ergebnisse zu liefern – jenseits von Produktbroschüren und Marketingversprechen.

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