Das Strommarktbietersystem wird aufbauend auf einer offenen Blockchain-Technologie realisiert, wodurch sich viele Vorteile gegenüber einem zentralen, proprietären System ergeben sollen.

Das Strommarktbietersystem wird aufbauend auf einer offenen Blockchain-Technologie realisiert, wodurch sich viele Vorteile gegenüber einem zentralen, proprietären System ergeben sollen.

Bild: © IRStone/AdobeStock

Bild: PwC Deutschland

Von:
Daniele Spinella,
Senior Manager Commodity Trading & Risk Management
bei PwC Deutschland

Der Übergang zu nachhaltigen Energien hat die Energielandschaft stark verändert. Insbesondere die Grundlastkapazitäten sind durch den Wandel gesunken, was die Netzstabilisierung und das Management von Schwankungen erschwert. Die Folge: Eine erhöhte Marktvolatilität im Energiehandel. Neue Akteure wie Energiehandelsfirmen und Hedgefonds haben vor diesem Hintergrund fortschrittliche Handelsstrategien entwickelt, um von den Entwicklungen zu profitieren.

Algorithmische Handelssysteme und ein robustes Risikomanagement sind unter den neuen Vorzeichen entscheidend, um Strategien für die Strombeschaffung zu optimieren. Das bietet auch Chancen für kommunale Energieunternehmen – vorausgesetzt, sie passen sich an diese Veränderungen an, indem sie ihre Handelsstrategien modernisieren und in neue Technologien investieren. Damit geht die Möglichkeit einher, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und eine nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten.

Grundlagen für Datenverarbeitung und Echtzeitanalysen schaffen

Eine moderne IT-Architektur ist die Voraussetzung dafür, um von der Effizienz und Flexibilität algorithmischer Trading-Lösungen zu profitieren. Kommunale Energieunternehmen, die Defizite in diesem Bereich haben, sollten sich daher zunächst auf den Aufbau einer skalierbaren und flexiblen Cloud-Infrastruktur konzentrieren. Diese ist entscheidend, um die hohen Anforderungen an Datenverarbeitung und Echtzeitanalysen zu erfüllen.

Moderne Cloud-Plattformen ermöglichen es, Datensätze wie Wettervorhersagen, Energienachfrage und Orderbuch-Dynamiken zu integrieren und die notwendige Rechenleistung für automatisierte Handelsstrategien bereitzustellen. Um die schnelle Entwicklung und Implementierung neuer Algorithmen zu gewährleisten, empfiehlt es sich zudem, gewisse Prozesse mittels DevOps-Methoden zu automatisieren.

Für das Risikomanagement ist ein dynamischer Ansatz erforderlich, der Echtzeitrisikoüberwachung und präventive Kontrollen umfasst, zum Beispiel Preisschranken und Limit-Order. Diese Maßnahmen minimieren das Risiko von Marktmanipulationen und operativen Fehlern. Schließlich sollten Unternehmen robuste Compliance- und Überwachungssysteme aufbauen, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen und die Integrität des Handels zu gewährleisten.

Aufsichts-, Sorgfalts- und Meldepflichten berücksichtigen

Kommunale Energieunternehmen müssen starke Kompetenzen in den Bereichen Compliance und Risikomanagement entwickeln, um den gesetzlichen Anforderungen des algorithmischen Handels gerecht zu werden. Regularien wie REMIT II, MiFID II, der AI Act oder NIS-2 setzen es voraus, eine ganze Reihe komplexer Vorgaben zu erfüllen. REMIT II erweitert beispielsweise die Aufsichtspflichten und verlangt von Marktteilnehmern, Systeme zur Identifizierung und Meldung verdächtiger Aktivitäten zu installieren. Diese Systeme müssen in der Lage sein, potenzielle Verstöße gegen Marktintegritätsvorschriften zu analysieren und zu erkennen.

Der AI Act klassifiziert KI-Lösungen für die Energiewirtschaft als Hochrisikosysteme und fordert strenge Transparenz-, Erklärbarkeits- und Verantwortlichkeitsmaßnahmen. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre KI-Modelle auditierbar sind und Personen benennen, die die Einhaltung und Governance überwachen. Strenge Testläufe unter verschiedenen Marktbedingungen sind erforderlich, um die Robustheit der KI-Systeme zu bestätigen. Zudem müssen Unternehmen starke Datenmanagementsysteme implementieren, um die Integrität der Daten zu gewährleisten und Störungen zu verhindern.

Handelsstrategien effektiv steuern und Risiken minimieren

In Anbetracht der strengen Vorgaben müssen auch kommunale Marktakteure in der Lage sein, umfassende Überwachungs- und Kontrollsysteme einzusetzen und die Ordnungsmäßigkeit der Handelsaktivitäten sicherstellen zu können. Dazu gehört auch die Fähigkeit, komplexe Datenanalysen durchzuführen und Compliance-Berichte zu erstellen. Risikoverantwortliche sollten zudem mit den technischen Aspekten der IT-Infrastruktur vertraut sein, um die Integrität der Handelsprozesse sicherzustellen und operative Risiken zu minimieren.

Nicht zuletzt sollten Entscheidungsträger prüfen, ob es sinnvoll ist, die gesamte Wertschöpfungskette des Energiehandels intern zu managen, oder ob das Outsourcing bestimmter Bereiche wie Compliance, Marktzugang und IT-Wartung mehr Wert für das Unternehmen schaffen kann. Die Fähigkeit, fortschrittliche algorithmische Modelle zu verstehen und zu bewerten, ist entscheidend, um die Handelsstrategien effektiv zu steuern und regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Nur so können Unternehmen ihre Handelsstrategien optimieren, Risiken effektiver managen und die Einhaltung neuer Vorschriften sicherstellen. Daraus ergibt sich die Chance, mittels technologischer und strategischer Innovationen eine führende Rolle in der sich wandelnden Energiewirtschaft einzunehmen und langfristig eine nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten. (sg)

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