Von Stephanie Gust
Die digitale Transformation stellt Energieversorgungsunternehmen (EVU) in der DACH-Region vor große Herausforderungen. Das zeigt die Studie "IT-Transformation Utilities 2025", die Adesso und Natuvion unter rund 225 Führungskräften aus der Energiebranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt haben. Ziel der Erhebung war es, Einblicke in Erfahrungen mit Transformationsprojekten zu gewinnen, typische Fehlerquellen zu identifizieren und Erfolgsfaktoren zu benennen.
Ein zentrales Ergebnis: Zeit ist ein kritischer Faktor. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (53,3 Prozent) planten über ein Jahr für ihre Transformation ein. Besonders größere Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz setzen vermehrt auf langfristige Planung – hier liegt der Anteil sogar bei über 80 Prozent. Im Vergleich dazu kalkulieren Unternehmen im mittleren Umsatzsegment mit deutlich kürzeren Zeiträumen.
Komplexität bleibt größte Hürde
Als größte Herausforderung wurde die Komplexität des Gesamtprojekts genannt (28,2 Prozent), gefolgt von Budgetmanagement (24,2 Prozent) und der Analyse der bestehenden IT-Landschaft (22,9 Prozent). Dabei unterscheiden sich die Schwerpunkte regional: In Deutschland dominieren finanzielle Aspekte, während in der Schweiz Ressourcenengpässe bei Personal und Beratern im Vordergrund stehen. Österreichische Unternehmen sehen die Komplexität deutlich häufiger als zentrales Problem.
Künstliche Intelligenz spielt Nebenrolle
Erstaunlich zurückhaltend zeigt sich der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) in den Transformationsvorhaben. Nur 37,9 Prozent der Befragten betrachten KI als zentralen Treiber. Mehrheitlich wird sie als ergänzende Technologie genutzt (54,2 Prozent). Nur knapp acht Prozent gaben an, dass KI in ihrem Projekt keine Rolle gespielt habe. Damit wird das Potenzial von KI in der Branche bislang nur begrenzt ausgeschöpft.
Cut-over in zwei Tagen – mit regionalen Unterschieden
Beim Übergang vom Projekt- in den Echtbetrieb (Cut-over) zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Während in Deutschland und der Schweiz rund 90 Prozent der Unternehmen die Umstellung in maximal zwei Tagen realisieren konnten, benötigten in Österreich fast zwei Drittel drei Tage oder mehr. Insgesamt erfolgte der Systemwechsel bei 59,5 Prozent der Unternehmen innerhalb von zwei Tagen.
Ziele überwiegend erreicht – aber Bewertung variiert nach Hierarchieebene
Ein positives Signal: 87,7 Prozent der Unternehmen bestätigten, ihre Transformationsziele erreicht zu haben. Interessant ist dabei die Perspektive der Befragten: Während Vorstände und Geschäftsführer etwas zurückhaltender urteilen (79,6 Prozent), schätzen Gruppen- und Abteilungsleiter die Zielerreichung deutlich höher ein – mit über 90 Prozent Zustimmung.
Datenqualität als Schlüssel zum Erfolg
Fragt man nach den wichtigsten Erfolgsfaktoren, steht ein Thema ganz oben: die Datenqualität. 64,2 Prozent der Befragten sehen sie als entscheidend für den Erfolg ihrer IT-Transformation. Holger Strotmann, Geschäftsführer von Natuvion: "Datenqualität ist kein Detail, sie ist die Basis jeder modernen IT. Ohne verlässliche Daten bleiben Cloud, KI und Innovation Stückwerk."
Lernen aus Erfahrung
Die Studienautoren leiten aus den Ergebnissen klare Empfehlungen ab: Frühzeitige Planung, strategisches Datenmanagement und realistische Zeitpuffer sind entscheidend. "IT-Transformationen in der Energiebranche sind kein Selbstläufer", sagt Michael Bloß, Chief Sales Officer bei Adesso Business Consulting. "Sie erfordern strategische Klarheit, Mut zur Veränderung und eine realistische Planung."
Die Studie "IT-Transformation Utilities" 2025 kann hier heruntergeladen werden.



