Der Fokus der 2017 gegründeten be.storaged GmbH liegt neben der Projektierung, dem Bau und Betrieb von Batteriesystemen inzwischen zunehmend stärker auf dem gewinnbringenden Umgang mit der vorhandenen Speicherkapazität.

Der Fokus der 2017 gegründeten be.storaged GmbH liegt neben der Projektierung, dem Bau und Betrieb von Batteriesystemen inzwischen zunehmend stärker auf dem gewinnbringenden Umgang mit der vorhandenen Speicherkapazität.

Bild: © LIezDesign/AdobeStock

„Unter dem Dach der EWE AG hat sich die be.storaged GmbH aus Oldenburg in den letzten Jahren bei Energiespeicherlösungen in Gewerbe und Industrie erfolgreich positioniert. Das Unternehmen unterstützt mittlerweile immer mehr Kunden bei der Realisierung und weiteren Vermarktung von Stromspeicherkonzepten.

Das vielseitige Potenzial, das von Lösungen und Angeboten rund um die optimale Bewirtschaftung der Speicher ausgeht, ist für Felix Heimke, Product Manager bei der be.storaged GmbH, unverkennbar: „Die Vermarktung und sinnvolle Nutzung der durch Batteriespeicher gewonnenen Flexibilität wird wichtiger – sowohl vor dem Hintergrund von Kostenoptimierungen beim Energieverbrauch als auch im Hinblick auf die Stabilisierung des Stromnetzes, vom Einfluss auf die Beschleunigung der Energiewende ganz zu Schweigen. Die Treiber kommen also aus unterschiedlichster Richtung und die Spielwiese der Wertschöpfung ist enorm groß.“    

Multi-Use-Case-Betrieb als Weichensteller

„Ein leistungsfähiges Energiemanagementsystem (EMS) ist hierbei essenziell. Insofern war der Entschluss schnell gefasst, eine eigene Lösung zu entwickeln“, so Heimke. Allesentscheidendes Kriterium sei in dem Zusammenhang die Fähigkeit gewesen, unterschiedlichste Use-Cases gleichzeitig abbilden zu können.

Heimke erklärt: „Wir wollen uns nicht nur auf einzelne Verwendungszwecke konzentrieren. Ein proprietärer Ansatz war für uns von Anfang an ausgeschlossen. Es kam nur eine technologie- und herstelleroffene Lösung infrage, da wir auch bei unseren Potenzialanalysen alle Optionen im Sinne des Kunden in Betracht ziehen und sich unsere Empfehlung zum am besten geeigneten Speicherkonzept allein am konkreten individuellen Bedarf ausrichtet.“

Parallele Ausführung mehrerer Anwendungsfälle

Diese spezifischen Anforderungen an ein EMS wurden bei der Entwicklung von „okean.OS“ umgesetzt. An dieses sind nicht nur die Batteriespeicher direkt angebunden – der Mehrwert liege vor allem in der Abbildung und Orchestrierung des gesamten Zusammenspiels aller möglichen Erzeugungs- und steuerbaren Lasteinheiten auf Kundenseite. Unterstützt werden unterschiedlichste Nutzungsszenarios des Batteriespeichers.

Eine parallele Ausführung von mehreren Anwendungsfällen sei nicht nur problemlos möglich, sondern sogar der von be.storaged präferierte und gängige Betriebsmodus – egal ob Lastspitzenkappung, Eigenverbrauchsoptimierung oder Beschaffungsoptimierung. Jeder Bereich birgt dabei spezifische Einsparungschancen und unterstützt dabei, die Wirtschaftlichkeit des Batteriespeichers weiter zu steigern.

 

Handel bringt zusätzliche Gewinne

Diese Optionen ergänzt be.storaged seit 2023 durch die Option der Flexibilitätsvermarktung. Unternehmen mit Batteriespeicher können damit nicht nur Einsparpotenziale über Lastspitzenkappung, Eigenverbrauchsoptimierung und Beschaffungsoptimierung heben, sondern zusätzliche Einnahmen generieren. Hierbei wird freie Kapazität des Energiespeichers für den Handel am Strommarkt genutzt.

Das Geschäftsmodell im Detail:

Entscheidet sich ein Unternehmen für die Flexibilitätsvermarktung, lotet das EMS entlang der Lastprognose auf Kundenseite exakt aus, ob und wieviel Speicherkapazität – abzüglich des Bedarfs für die lokalen Anwendungsfälle –  hierzu zur Verfügung steht. Diese Berechnung erfolgt innerhalb jeder Viertelstunde unter Berücksichtigung jeglicher Einflussgrößen für die nächsten 36 Stunden und wird in Echtzeit an die Cloud-Vermarktungsplattform von be.storaged kommuniziert. Im Rahmen eines virtuellen Kraftwerks können die zurückgemeldeten Kapazitäten nun von be.storaged kundenübergreifend gebündelt an der Strombörse – günstige Handelsbedingungen vorausgesetzt – monetarisiert werden.

„Im September 2023 wurde unser erster Kunde aus dem ‚Gewerbe und Industrie‘-Umfeld an die Flexibilitätsvermarktung angeschlossen, inzwischen sind weitere hinzugekommen, etliche stehen in den Startlöchern“, berichtet Heimke und ergänzt: „Die zusätzlichen Erlösströme, die sich durch das Ausspielen der Speicherkapazität am Strommarkt ergeben, bedeuten noch mehr Wasser auf unseren Mühlen, wenn es darum geht, Speicherlösungen als festen Bestandteil von Energieversorgungskonzepten zu etablieren – egal ob im Gewerbe- oder Privatkundenumfeld.“

Aktif übernimmt Marktkommunikationsaufgaben

Dem Auftakt des neuen Geschäftsmodells gingen essenzielle Vorarbeiten voraus: Mit dem Marktzugang übernimmt be.storaged automatisch Verantwortung für einen eigenen Bilanzkreis, in dem Stromkäufe und -verkäufe bilanziell verrechnet werden müssen. Dem zugrunde liegen klar definierte Marktkommunikationsaufgaben – sowohl gegenüber dem zuständigen Übertragungsnetzbetreiber als auch gegenüber dem Lieferanten auf Kundenseite.

„Hierbei durften wir uns von Anfang an keine Schwächen erlauben, denn Übertragungsnetzbetreiber in der Funktion des Bilanzkreiskoordinators verstehen wenig Spaß, wenn Bilanzkreise nicht ausgeglichen sind. Wer hier nicht sauber arbeitet, läuft schnell Gefahr, den Bilanzkreis zu verlieren“, wie Heimke präzisiert. So suchte man 2022  nach einem geeigneten Partner. Die Wahl fiel auf die Aktif-Unternehmensgruppe. „Uns war es wichtig, dass wir uns auf die Prozesse verlassen können, ohne damit selbst viel Berührung im Tagesgeschäft zu haben“, betont der Produktmanager und ergänzt: „Dieser Plan geht im Hinblick auf unsere bisherigen Erfahrungen voll auf.“

So funktioniert die Zusammenarbeit

Die Dienstleistung von Aktif kommt zum Tragen, sobald die Informationen zu den – auf die einzelnen beteiligten Kunden umgeschlagenen – Mengen der Handelsgeschäfte seitens be.storaged via CSV-Export übergeben werden. Dies geschieht jeden Morgen automatisiert zur gleichen Zeit. Von der eigentlichen elektronischen Kommunikation im Rahmen des verpflichtenden bilanziellen Austauschs zu den Intraday-Handelsgeschäften des Vortages bleibt die Mannschaft von be.storaged unbehelligt.

Auch das Clearing – sollten einmal Nachfragen seitens eines Übertragungsnetzbetreibers auftauchen – läuft über Aktif. „Tatsächlich hatten wir schon einmal die Situation eines ‚Urgent Calls‘ von Tennet. Aktif hat sofort reagiert, was uns nochmal klar bestätigt hat, dass wir mit dieser Konstellation der Zusammenarbeit auf der sicheren Seite sind“, äußert sich Felix Heimke zufrieden.

AS4-Kommunikation

So sieht be.storaged auch die Umstellung auf AS4-Kommunikation entspannt. Im Zuge des „Process-as-a-Service“-Angebots kann jederzeit darauf vertraut werden, dass der Datenaustausch in Richtung ÜNB sowie des jeweiligen lieferantenseitigen Counterparts verlässlich und vorgabenkonform nach MPES und GPKE erfolgt. Den Lieferanten wird neben der obligatorischen Day-After-Meldung sogar noch zusätzlicher Service geboten, indem AKTIF beispielsweise auch die im EMS erfassten PV-Erzeugungszeitreihen eines Kunden bei Bedarf elektronisch zur Verfügung stellt, damit der Vertrieb vor dem Hintergrund einer Speicherintegration ebenfalls besser planen kann. (sg)

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