Mit der Zeiterfassung der App können zudem die angefallenen Arbeitsstunden schon am Einsatzort eingegeben und den Aufträgen zugeordnet werden.

Mit der Zeiterfassung der App können zudem die angefallenen Arbeitsstunden schon am Einsatzort eingegeben und den Aufträgen zugeordnet werden.

Bild: © VectorMine/AdobeStock

Bild: © FACTUR Billing Solutions GmbH

Ein Kommentar von
Wolfgang Maaßen,
Abteilungsleiter Vertrieb bei der FACTUR Billing Solutions GmbH – einem Prozess- und IT-Dienstleister aus Aachen

Der Weg zur Energiewende und den hiermit einhergehenden Änderungen des EnWG ist ambitioniert und unumkehrbar. Doch die hiermit verbundenen Erwartungen treffen auf eine operative Realität, die weitaus komplexer ist. Der Zeitplan ist eng gesteckt, die Anforderungen an alle Marktteilnehmer hoch. Was regulatorisch folgerichtig erscheint, wird in der Umsetzung zur Belastungsprobe – für Systeme, Prozessketten und die Zusammenarbeit innerhalb des gesamten Marktes.
 

Hohe Taktung, wachsender Umsetzungsdruck

Die regulatorische Dynamik der letzten Jahre zeigt einen klaren Trend: Vorgaben ändern sich häufiger, Umsetzungsfristen werden kürzer, Inhalte komplexer. Prozesse müssen innerhalb kürzester Zeit angepasst und implementiert werden. Neue Datenobjekte wie MaLo (Marktlokation), MeLo (Messlokation) und NeLo (Netzlokation) sowie erweiterte Gerätedaten schaffen die Grundlagen für die Einführung und Verwaltung von steuerbaren Messeinrichtungen – erhöhen aber zugleich den Aufwand in der IT, dem Datenmanagement und der Prozessgestaltung.

Gleichzeitig verändert sich das Energiesystem selbst grundlegend: Aus klassischen Verbrauchern werden zunehmend Prosumer/Energieerzeuger und traditionelle Energiequellen werden durch Windkraft, Photovoltaik und andere dezentrale Anlagen abgelöst. Diese Entwicklung führt zu einer erhöhten Komplexität in der Netzregulierung und beim elektronischen Marktdatenaustausch, die nun deutlich differenziertere Datenflüsse, Steuerungsmechanismen und Echtzeitreaktionen erfordern.

Datenflut, Zeitdruck, operative Risiken

Als Prozess- und IT-Dienstleister erleben wir diese Herausforderungen unmittelbar. Die Frequenz regulatorischer Neuerungen nimmt stetig zu – genauso wie deren Detailtiefe. Wo früher eine einzelne Zählpunktbezeichnung als ein eindeutiges Identifikationskriterium ausreichte, müssen heute eine Vielzahl von Daten mit komplexen Querverbindungen verarbeitet werden. Der Aufwand für Synchronisation, Prüfung etc. wächst und der 24-Stunden-Lieferantenwechsel bringt diese Herausforderungen auf den Punkt: Alle Prozessschritte müssen innerhalb eines Tages abgeschlossen sein. 

Technisch ist das möglich, aber nur bei hoher Systemstabilität, klar definierten Schnittstellen und reibungslosem Zusammenspiel aller Beteiligten. Schon kleinere Abweichungen lösen im schlimmsten Fall Klärfälle, Prozessschleifen und Eskalationen aus – mit direkten Folgen für die Marktkonformität und den Endkunden.
 

"Die Schritte zur Energiewende sind im Gesamtbild nachvollziehbar – aber in der Umsetzung ein echter Stresstest für den Markt. Es reicht nicht, die regulatorischen Vorgaben technisch umzusetzen. Entscheidend ist, dass alle Marktpartner synchron und stabil agieren. Sonst werden der elektronische Marktdatenaustausch und die nachfolgenden Prozesse zur Dauerbaustelle."

Klärfälle auf Rekordniveau

Die Folge: ein deutlicher Anstieg an Klärfällen. Erste Einschätzungen deuten darauf hin, dass sich die Anzahl der auszutauschenden Marktnachrichten beispielsweise durch den 24-Stunden-Lieferantenwechsel mindestens verdreifachen wird. Bis entsprechende Erfahrungen gesammelt und in Automation umgesetzt werden können, bedeutet dies einen Anstieg auch bei den manuellen Eingriffen im Zuge der Klärfallbearbeitung. Jeder einzelne Klärfall bedeutet Aufwand, bindet Ressourcen und verzögert Abläufe.

Besonders kritisch: Die Systemlogik funktioniert nur, wenn alle Akteure synchron und verlässlich arbeiten. Gelingt dies nicht, gerät die gesamte Prozesskette ins Stocken. In der Praxis zeigt sich, dass nicht nur der regulatorische Anspruch an sich eine Herausforderung darstellt, sondern seine lückenlose Umsetzung unter realen Bedingungen.

Kosten steigen, Kapazitäten schwinden

Die technischen Herausforderungen sind dabei nur ein Teil der Wahrheit. Auch wirtschaftlich und personell wächst der Druck erheblich: Die "Cost to Serve" steigt spürbar, was in einem ohnehin von Regulierung und Kostendruck geprägten Marktumfeld zu erheblichen Spannungen führt. Hinzu kommt, dass sich die IT-Landschaften der Unternehmen – unabhängig vom jeweils eingesetzten ERP-System – derzeit in einer umfassenden Transformation befinden. In dieser Phase sind die internen Kapazitäten bereits stark gebunden, ebenso wie die Ressourcen externer (IT-)Dienstleister. 

Die Verfügbarkeit qualifizierter Experten ist zunehmend limitiert und trifft auf eine wachsende Zahl komplexer regulatorischer Anforderungen, die kurzfristig umgesetzt werden müssen. Parallel steigt der Bedarf an leistungsfähigen Systemen und verlässlichen Marktpartnern – Ressourcen, die knapp und wertvoll sind.

Diese komplexe Gesamtsituation erfordert mehr als nur eine korrekte und pünktliche Umsetzung der Regulatorik. Entscheidend ist eine vorausschauende und möglichst flexible Prozessgestaltung.

Erfolg hat am Ende, wer den Markt aktiv gestaltet und nicht von ihm beherrscht wird. Nur so können nachhaltige, praxistaugliche Lösungen entstehen, die den Weg zur Energiewende dauerhaft unterstützen

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper