Alexander Thamm ist Speaker, Autor zahlreicher Publikationen und Mitbegründer des DATA-Festivals, auf dem KI-Experten und Visionäre die datengetriebene Welt von morgen gestalten. Seine Mission ihm zufolge ist es, einen echten Mehrwert aus Daten zu generieren und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas wiederherzustellen. Er ist Gründungsmitglied und Regionalmanager des KI-Bundesverbandes, 2012 gründete er die Alexander Thamm GmbH [at], die nach eigenen Angaben zu den führenden Anbietern von Data Science & Künstlicher Intelligenz im deutschsprachigen Raum gehört.

Alexander Thamm ist Speaker, Autor zahlreicher Publikationen und Mitbegründer des DATA-Festivals, auf dem KI-Experten und Visionäre die datengetriebene Welt von morgen gestalten. Seine Mission ihm zufolge ist es, einen echten Mehrwert aus Daten zu generieren und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas wiederherzustellen. Er ist Gründungsmitglied und Regionalmanager des KI-Bundesverbandes, 2012 gründete er die Alexander Thamm GmbH [at], die nach eigenen Angaben zu den führenden Anbietern von Data Science & Künstlicher Intelligenz im deutschsprachigen Raum gehört.

Bild: © Alexander Thamm GmbH

Herr Thamm, viele Energieversorger gehen laut einer Dena-Studie davon aus, dass sich KI positiv auf die Energiewende auswirken wird. Allerdings haben nur 13 Prozent bisher in KI investiert oder ein Budget dafür bereitgestellt. Das klingt eher widersprüchlich?
Alexander Thamm, Geschäftsführer des auf KI spezialisierten Unternehmens Alexander Thamm GmbH: Ja, das ist in der Tat erstaunlich, jedoch muss man beachten, dass die Studie bereits ein paar Jahre zurückliegt und sich die Akzeptanz und Anwendungsdichte mit ChatGPI und Generativer KI nochmal deutlich gesteigert hat. Große Energiekonzerne wie EON, RWE & Co. beschäftigen bereits große Teams mit über 100 Personen und nutzen KI über die gesamte Wertschöpfungskette.

Gerade die Komplexität in der Wartung großer Anlagen – Stichwort: Predictive Maintenance –, das Trading mit Strom und die Vorhersage und Steuerung von Supply und Demand, sind hochkomplexe Fragestellungen, wo bereits seit Jahrzehnten Physiker und Mathematiker Algorithmen einsetzten, um optimalen Lösungen zu finden. Da wundert es nicht, dass auch Energieversorger den Nutzen von KI verstehen, um ihre komplexen Herausforderungen zu meistern.

Auf der anderen Seite ist unserer Erfahrung nach gerade in der Energiebranche grundsätzlich die Datenqualität unzureichend. Beispielsweise ist jede Windturbine ein Unikat aus Hardware und Software und die Daten sind trotz Realtime-SCADA-Anbindung oft nicht vergleichbar. Auch die Dokumentation von Prozessen und die Wartung erfolgt oft noch manuell und in verschiedenen Systemen, bedingt unter anderem durch die Regulatorik und die Absicherung lokaler IT in jedem Kraftwerk. Sprich, damit im Fall eines Cyber-Anfgriffs nur Teilsysteme eines Energieversorgers betroffen sind, ist die Vernetzung und durchgängige Belieferung von Daten oft ganz bewusst nicht gegeben.

Daher wundert es nicht, dass die Energieversorger, gerade auch in der aktuellen Zeit mit Energiekrisen, hohe Investition zur Bereitstellung von Datenplattformen, die dann wiederum den Einsatz von KI ermöglichen, anfangs scheuen. Des Weiteren wurden in der Studie auch viele kleinere Unternehmen befragt, wobei sich grundsätzlich der schwierigere Stand der digitalen Reise des Mittelstands in Deutschland im Vergleich zu den großen Unternehmen widerspiegelt.
 
 

Wie sehen sie die Versorgungs-/Kommunalwirtschaft für KI-Anwendungen aufgestellt? Besteht auch die Gefahr, dass durch KI komplett neue Player dazukommen könnten, die Stadtwerke aufgrund ihrer KI-Kompetenzen abhängen könnten?
Ja, auf jeden Fall! Die Energieversorgung der Zukunft wird deutlich dezentraler erfolgen als das heute der Fall ist. Digitale Geschäftsmodelle und personalisierte Angebote für Konsumenten werden auch in dieser doch eher traditionellen Branche ähnlich relevant, wie wir es in der Revolution des Handels und auch in der Automobilbranche sehen. Das bedeutet konkret, Energieversorger müssen ihre Kunden besser verstehen. Zum einen müssen sie durch die Nutzung von Daten die Angebote und Tarife deutlich individualisieren und zum anderen die Kosten durch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz drastisch senken.
 
In welchen Geschäftsfeldern sehen Sie besonders große Chancen für KI?
Wie gerade beschrieben geht es vor allem um die Personalisierung des Kundenerlebnisses, ermöglicht durch das Verständnis der Bedürfnisse der Kunden aus deren Daten. Strom ist eine so austauschbare Commodity wie kaum eine andere und das bedeutet, dass über den Strom als solches keine Differenzierung stattfinden kann. Es geht vielmehr um günstige Services, günstige Preise und die Vernetzung der genannten Angebote. Wir nutzen zum Beispiel in unserem Schulungszentrum im Zillertal bereits die App der Gemeinde, wo die Abfallwirtschaft, Smart-Meter, Eventkalender und Fahrpläne in einer App zu finden sind und personalisiert auf unsere Bedürfnisse als KI-Firma hinterlegt sind. Es geht so weit, dass uns der Bürgermeister persönlich über unsere Bedürfnisse für die Bereitstellung von Glasfaser-Internet interviewt hat, um uns auf 1000 Meter Höhe ein perfektes Angebot als KI- und IT-Dienstleister zu gewährleisten. Allein dieses Beispiel zeigt, welches Potenzial wir in Deutschland noch haben. Bald haben wir auf der Skihütte in Österreich schnelleres Internet als in deutschen Großstädten.



Was sollten Stadtwerke jetzt unbedingt tun, um den Zug nicht zu verpassen? Was wären die ersten wichtigen Schritte bei der KI?
Spätestens mit ChatgGPT ist allen bewusst geworden, dass KI eine Basistechnologie ist, die bleiben wird. Es ist selbstverständlich geworden, KI zu benutzen, so wie wir das seit vielen Jahren mit dem Internet tun. Firmen, die das nicht verstehen, wird es gehen wie dem Unternehmen Quelle; Firmen, die das aufgreifen, werden erfolgreich sein wie die Firma OTTO. Ein erster Schritt, den wir mit unseren Kunden oft am Anfang beschreiten, ist die Sammlung von potenziellen Use-Cases. Aufgrund der Erfahrung aus über 2000 Projekten haben wir einen guten Überblick, welchen Nutzen KI konkret stiften kann. Der Schlüssel ist, eine Technologie nicht der Technologie wegen zu nutzen, sondern immer ausgehend vom konkreten Mehrwert für das Geschäft, den Kunden und den Mitarbeiter zu starten – „Working Backwards“, wie Amazon es berühmt gemacht hat.
 
Sie sagen, KI ist kein Hype wie Blockchain, sondern hat das Zeug, die Welt ähnlich der industriellen Revolution zu verändern.
Blockchain ist eine ähnlich spannende Technologie wie KI, der große Unterschied liegt in der Vielfalt der Anwendungen. Wie wir gesehen haben, kann KI in allen Lebensbereichen ähnlich wie das Internet oder Elektrizität verwendet werden, wohingegen die Anwendungen von Blockchain ihre Nutzung bisher erst in wenigen Bereichen, wie Kryptowährung und Smart Contract, unter Beweis stellen konnten.
 
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen bei der KI?
Die größte Herausforderung beim Thema KI liegt weniger bei der KI selbst, sondern eher bei der Qualität der Daten, um die KI spezifisch zu trainieren. Eine große Herausforderung liegt auch beim Menschen selbst, sowohl in der Verwendung als auch in der Akzeptanz.
 
Und zu guter Letzt noch ein Blick in die Zukunft: Was wird in den nächsten fünf Jahren alles passieren und wird bis dahin die Welt eine andere sein?

Was wir jetzt mit ChatGPT erlebt haben, dass in wenigen Tagen über 100 Millionen Menschen ihre Berufe anders ausüben, vom Schüler, der seine Facharbeit mit ChatGPT schreibt, über den Buchhalter, der sich Rechnungen automatisch kategorisieren lässt, zeigt, dass wir als weltweite Gesellschaft endgültig die transformative Kraft von KI verstanden haben. Um einen großen Kopf unserer Zeit zu zitieren: Sam Altman schreibt: „Ich selbst weiß nicht, wo wir in einem Jahr stehen, wir planen aktuell nur mit einem Sechs-Monats-Horizont.“ Wird die Welt eine andere sein? Definitiv! Was wird in fünf Jahren genau sein? Ich weiß es nicht, aber es bleibt spannend.








Die Fragen stellte Stephanie Gust

Mehr zum Thema KI finden Sie in unserer Printausgabe. Zum E-Paper geht es hier. Sie sind noch kein ZfK-Abonnent? Schließen Sie hier ein Abo ab.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper