Endmontage einer Steuerbox für eine PV-Anlage bei Netze BW.

Endmontage einer Steuerbox für eine PV-Anlage bei Netze BW.

Bild: © Netze BW/Born

Von:
Thorben Sparkuhle, Senior Consultant bei Q_Perior und
Johannes Roth, Senior Consultant bei Q_Perior

Nachdem im vorherigen Artikel „Der Universalbestellprozess“ der CLS-Kanal des intelligenten Messsystems (iMsys) zum Schalten und Steuern von Anlagen grundsätzlich vorgestellt wurde, möchten wir nun näher darauf eingehen, wieso CLS-Management bereits als Standard dafür gesetzt ist.

Wieso CLS-Management?

Nach dem Regierungswechsel Ende 2021 ist im vergangenen Jahr Bewegung in das Thema Steuern und Schalten gekommen. Mit der Novellierung des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) im Rahmen des Gesetzes zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GNDEW) verfolgt die Bundesregierung das Ziel, den Rollout intelligenter Messsysteme zu beschleunigen. Dazu wurden im GNDEW verbindliche Ausbauquoten sowie ein Zieldatum festgelegt. Demnach sind bis Ende 2032 bundesweit über 15 Millionen iMsys zu installieren, von denen laut Prognose des BSI über 9,1 Millionen iMSys für Schaltanwendungen vorgesehen sind.

Die gleiche Bedeutung wie das GNDEW für iMsys, hat der § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) für Schaltanwendungen in den Verteilnetzen – er legt die gesetzlichen Rahmenbedingungen fest. So werden unter anderem die zu berücksichtigenden Anlagentypen und die Reduzierung der Netzentgelte zur netzdienlichen Steuerung genannt. Auch hier ist das iMsys mit Steuerfunktion ab dem 1. Januar 2024 gefordert.

Zuletzt hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) im Positionspapier zur Konkretisierung der Reichweite energiewirtschaftlich relevanter Mess- und Steuerungsvorgänge nach § 19 Absatz 2 MsbG die sichere Kommunikation energiewirtschaftlich relevanter Daten (ERD) über das Smart-Meter-Gateway konkretisiert. Demnach sind alle Steuerungsbefehle mit potenziell relevanter Einflussnahme auf den Netzzustand sowie Steuerungsbefehle aggregierter Anlagen, die zu netzkritischen Situationen führen können, als ERD eingestuft und benötigen ebenfalls die Kombination aus Smart-Meter-Gateway und CLS.

Wie wird CLS-Management umgesetzt?

Beim grundsätzlichen Aufbau einer CLS-Infrastruktur gilt, dass:

  • die Steuerbox via CLS-Schnittstelle an das iMSys angeschlossen wird und dessen sichere Infrastruktur nutzt,
  • nur aktive Externe Marktteilnehmer (aEMT) berechtigt sind, die mit der Steuerbox verbundenen Erzeugungs- bzw. Verbrauchsanlagen über den CLS-Kanal zu schalten; hierzu muss die Steuererlaubnis über den Universalbestellprozess auf dem SMGW aufgespielt sein,
  • netz- und marktdienliche Schaltbefehle einer definierten Priorität unterliegen. Der Prozess des Absetzens, Prüfens und der Freigabe eines Schaltbefehls soll zukünftig über die Koordinierungsfunktion (KOF) abgewickelt werden,
  • die Steuerbox eine bidirektionale Kommunikation zwischen Sender und Empfänger bietet.

Das CLS-Management, also die Administration, Konfiguration und Verwaltung von Steuerboxen sowie die Entgegennahme und Umsetzung von Schaltbefehlen, wird mit einem speziellen CLS-Management-System (CLS-MS) durchgeführt. Für die Kommunikation baut das CLS-MS einen Kanal mit dem Gateway-Administrator auf, über den der aEMT Schaltbefehle an die Steuerboxen übermitteln kann.

Wann ist der Startschuss?

Ab dem 1. Januar 2024 müssen Neuanlagen nach § 14a Absatz 4 über ein iMsys steuerbar sein. Für Anlagen, welche nach § 14a Absatz 4 eingestuft sind, aber vor dem 1. Januar 2024 installiert wurden, gilt ein Bestandschutz bis zum 31. Dezember 2028. Also z.B.: für Funk- oder Tonrundsteuertechnik.

Was bedeutet das für Netzbetreiber?

Für Netzbetreiber besteht bis zum 1. Januar 2024 ein hoher Handlungsdruck. Sie müssen

  1. die strategische Aufstellung des CLS-Managements klären,
  2. die Rolle des aEMT definieren,
  3. ein CLS-MS inkl. CLS-Prozesse einführen.

Es ist zu beachten, dass im Übergangszeitraum bis zum 31.12.2028 somit zwei Technologien im Einsatz sind.

Was muss ich jetzt tun?

Steuern und Schalten in der Niederspannung wird durch den Ausbau der Elektromobilität und das Hinzukommen von EEG-Anlagen zukünftig essenziell. Gleichzeitig werden die gesetzlichen Anforderungen zum Steuern und Schalten über ein SMGW immer konkreter. Allerdings ist der 01.01.2024 als Startdatum sehr ambitioniert, da die finale Ausgestaltung und Umsetzung der KOF noch aussteht. Da der zeitliche Aufwand in der Planungsphase zur Einführung eines CLS-Management-System nicht zu unterschätzen ist, sollten sich Netzbetreiber bereits frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen.

In den folgenden Artikeln werden wir uns mit Submetering über die CLS-Schnittstelle beschäftigen und wie es bereits heute umgesetzt wird. Darüber hinaus werfen wir einen Blick auf ein Marktdesign und den Technologiewechsel mit Erfahrungswerten aus unseren CLS-Projekten. (sg)

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