Mit dem Voranschreiten der Vernetzung energiewirtschaftlicher Prozesse müssen auch die Internet-of-Things (IoT)-Welt und Enterprise Ressource-Planning (ERP)-Systeme systemtechnisch verbunden werden, damit eine automatisierte Datenübertragung möglich wird. Digimondo und Items haben daher eine „IoT-ERP-Bridge“ entwickelt. Die Vorteile der Lösung sind laut der beiden Unternehmen: Höhere Sicherheit, kürzere Bearbeitungszeiten, mehr Flexibilität und Kosteneffizienz.
Mit dieser Software – auch Middleware genannt – ist es möglich, über das Internet der Dinge fernausgelesene Sensordaten und Zählerstände beispielsweise für Wasser- und Fernwärmezähler, Lastgangimporte für Mieterstrom, Ablesungen für Ladestrom oder Kenngrößen zur Überwachung von Umspannungseinheiten an ein ERP-Systeme zu übertragen und dort weiterzuverwenden. Die Lösung ist bei der Enercity AG in Hannover seit rund einem Jahr im Einsatz.
Schnittstelle für beliebige Systeme
Mit der Idee, eine IoT-ERP-Bridge zu entwickeln, hatte man sich bei Items schon länger beschäftigt. Die Chance, die Umsetzung stringent voranzutreiben, ergab sich in der ersten Welle der Corona-Pandemie 2020. „Unser Ansatz war, dass wir eine schlanke Lösung entwickeln, die einfach zu handhaben ist, mit geringen Betriebskosten aufwarten kann und maximale Flexibilität bei der Anbindung von ERP-Systemen bietet“, erläutert Alexander Sommer, bei Items verantwortlich für den Themenbereich Innovation & Digitale Netze. „Deswegen haben wir uns für eine API entschieden, die von beliebigen Systemen angesprochen werden kann.“ Die bei Items entwickelte IoT-ERP-Bridge basiert auf Microsoft Azure und ist eine Cloud-Lösung.
Bei der Entwicklung und weiteren Ausgestaltung arbeiten iIems und Digimondo eng zusammen und vermarkten das Produkt auch gemeinsam. Die Middleware soll perspektivisch fest in der IoT-Plattform Niota von Digimondo verankert werden und von dort aus direkt aktiviert werden können.
Pilotprojekt Enercity
Digimondo-Anteilseigner Enercity war gleich Anfang 2021 der erste Anwender, um ausgewählte Prozesse zu digitalisieren. Bei den Mieterstrom-Projekten des in Hannover beheimateten und bundesweit aktiven Energiedienstleisters gelang es nach eigenen Angaben auf Anhieb, den Messdatentransfer via IoT-ERP-Bridge entscheidend zu digitalisieren und zu automatisieren. In kurzer Zeit wurden so die Prozess- und Datenqualität verbessert und der Personalaufwand optimiert.
„Bei zwei anderen Versorgern führen wir das System aktuell ein“, berichtet Alexander Sommer. „Die Projekte werden in der Regel innerhalb von drei bis vier Wochen abgeschlossen. Weitere Stadtwerke und Energieversorger bekunden Interesse an der Lösung.“
Einfache Integration in die Abrechnung
„Die Fernauslesbarkeit von Zählern ist für einige Energieprodukte notwendige Vorbedingung und wird vom Gesetzgeber etwa im Messstellenbetriebsgesetz und in der Verordnung über die Verbrauchserfassung und Abrechnung bei der Versorgung mit Fernwärme oder Fernkälte zunehmend gefordert“, erläutert Marcel Linnemann, Product Owner Digitale Netze bei Items. „Die IoT-ERP-Bridge bietet die passende und einfach umgesetzte Komponente für die Integration in klassische Abrechnungsprozesse.“
Auch bei Digimondo sieht man großes Potenzial: „Medienbruchfreie und automatisierte Datenflüsse sind Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende“, sagt Geschäftsführer Christopher Rath. Mit der IoT-ERP-Bridge stelle man Versorgern ein Werkzeug zur Verfügung, das ihnen den Einstieg in neue, datenbasierte Geschäftsfelder erleichtern und die Prozesseffizienz voranbringen soll. (sg)



