Die Power Plus Communications AG (PPC) hat als erster Hersteller ein LTE-450-SMGW entwickelt.

Die Power Plus Communications AG (PPC) hat als erster Hersteller ein LTE-450-SMGW entwickelt.

Bild: © TMZ/PPC

Von Stephanie Gust

Fangen wir mit den guten Nachrichten an: Der Smart-Meter-Rollout in Deutschland kommt voran. Das zeigen die neuen Zahlen der Bundesnetzagentur (BNetzA). Demnach lag die Einbauquote bei den quotenrelevanten Pflichteinbaufällen zum 30. Juni 2025 bei 16,4 Prozent. Im ersten Quartal waren es 15,12 Prozent, Ende 2024 noch 13,91 Prozent. Damit steigt die Quote erneut – aber langsamer als zuvor. Bis Jahresende müssen die grundzuständigen Messstellenbetreiber (gMSB) nach diesen Zahlen noch rund 3,6 Prozentpunkte aufholen, um das gesetzlich vorgegebene Ziel von 20 Prozent zu erreichen.

Die Ergebnisse im Detail

Nach Angaben der Bundesnetzagentur sind auch weiterhin vor allem große Messstellenbetreiber die Treiber des Rollouts. Bei den 18 Unternehmen mit mehr als 500.000 Messlokationen liegt demnach die Einbauquote im Durchschnitt bereits bei 22,1 Prozent. Sie haben das Jahresziel somit schon erreicht. Bereits im ersten Quartal waren es dort 20,4 Prozent gewesen. 

In der mittleren Gruppe (100.000 bis 500.000 Messstellen) stieg die Quote von 10,1 auf 11,6 Prozent. Auch die Betreiber mit 30.000 bis 100.000 Messstellen konnten leicht zulegen – von 7,5 auf 7,8 Prozent. Bei den kleinen Messstellenbetreibern mit weniger als 30.000 Messstellen blieb der Zuwachs dagegen minimal: von 4,6 auf 5,2 Prozent.

Die Bundesnetzagentur betont, dass es sich um Durchschnittswerte handelt. Einzelne kleine Messstellenbetreiber können also durchaus überdurchschnittlich weit sein – die Spanne innerhalb der Gruppe sei groß.

Pflichtrollout bleibt zentrale Messgröße

Die Bundesnetzagentur wertete für die aktuelle Erhebung die Daten von 810 grundzuständigen Messstellenbetreibern aus. Maßgeblich ist § 45 Abs. 1 Nr. 4 MsbG: Die 20-Prozent-Quote bezieht sich ausschließlich auf Letztverbraucher mit einem Jahresverbrauch zwischen 6000 und 100.000 Kilowattstunden sowie auf steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG.

Insgesamt umfasst der Pflichtrollout laut Erhebung 4,63 Millionen Pflichteinbaufälle. Zum Stichtag waren 759.802 davon mit intelligenten Messsystemen ausgestattet – rund 60.000 mehr als drei Monate zuvor (Q1: 700.292). Der Fortschritt fällt damit geringer aus als im vorherigen Quartal, als der Zuwachs noch rund 60.000 Geräte betrug.

Damit zeichnet sich ab, dass das Tempo im zweiten Halbjahr nochmals deutlich steigen muss. Bleibt das aktuelle Tempo bestehen, könnte die 20-Prozent-Marke rechnerisch knapp erreicht werden. In der Praxis dürften jedoch Lieferengpässe, Montagekapazitäten und Abnahmeprozesse bestimmen, wie eng es zum Jahresende wird.

Gesamtquote über alle Messlokationen stagniert

Bezieht man alle rund 54 Millionen Messlokationen in Deutschland ein, ergibt sich ein verhalteneres Bild. Die Gesamtquote intelligenter Messsysteme liegt bei 3,0 Prozent, nach 2,8 Prozent im ersten Quartal. Das entspricht aktuell rund 1,6 Millionen installierten intelligenten Messsystemen. Moderne Messeinrichtungen sind inzwischen bei 50,9 Prozent installiert – ein leichter Anstieg gegenüber 49,2 Prozent im März.

Scharfe Kritik an der Erhebung

Allerdings gibt es inzwischen einige Akteure in der Branche, die die Zahlen kritisieren. Zuletzt hatte Netze BW die Debatte in der ZfK angestoßen. Steffen Ringwald, Geschäftsführer bei Netze BW, erklärte: "Aus den veröffentlichten Quoten lässt sich kein verlässlicher Rückschluss auf die Geschwindigkeit des Rollouts ziehen." Denn viele intelligente Messsysteme werden erst gar nicht vom offiziellen Monitoring der Bundesnetzagentur erfasst. Die genauen Hintergründe dazu lesen Sie hier.

Dies hat nun auch Thorsten Maus von EWE Netz auf Linkedin bestätigt: "Die Auswertung der Bundesnetzagentur zeigt erneut: Der Smart-Meter-Rollout kommt in Deutschland voran – wird aber oft falsch bewertet. Denn wer ausschließlich auf die offizielle Roll-out-Quote schaut, sieht nur einen Teil der Realität. Die Quote zeigt, wie viele intelligente Stromzähler (Smart Meter) installiert wurden – bezogen auf eine gesetzliche Zielgröße. Doch viele Einbaufälle, die täglich stattfinden, zählt die Statistik nicht mit."

Dazu gehören:

  • Photovoltaikanlagen (PV), die mit intelligenten Messsystemen ausgestattet werden – ein zentraler Teil der Energiewende, aber seit der letzten Gesetzesänderung nicht mehr enthalten.
  • Steuerbare Verbraucher wie Wärmepumpen oder Wallboxen, bei denen intelligente Zähler schon heute eingebaut werden, auch wenn die Steuertechnik später folgt.
  • Haushalte mit geringerem Verbrauch oder Kunden, die freiwillig Smart Meter einbauen lassen, um ihre Energie besser zu steuern.
  • Auch Pilotprojekte oder technisch notwendige Einbauten (etwa in Mehrfamilienhäusern) tauchen dort nicht auf.

Maus' Fazit: "All diese Fälle erfordern Planung, Technik und Personal – finden in der Quote aber keine Erwähnung. Deshalb entsteht schnell der falsche Eindruck, der Rollout komme nur langsam voran." Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender vom Gateway-Hersteller PPC, kann dies sogar mit Zahlen unterlegen: "Betrachtet man die bis Mitte 2025 kumulierten Auslieferungen der Hersteller, so ergibt sich – selbst bei Annahme einer hohen Lagerquote – ein Wert, der schätzungsweise 40 bis 50 Prozent über den von der Bundesnetzagentur angegebenen 1,6 Millionen installierten intelligenten Messsystemen liegt. Und dieser Gap ist nur teilweise auf nicht erfasste wettbewerbliche Messstellenbetreiber zurückzuführen."

Mehr Transparenz und Belastbarkeit gefordert

Prominenter Zuspruch kommt von der Beratungsgesellschaft BET Consulting. Partner Sören Patzack erkärte gegenüber der ZfK: "Die neuen Quartalszahlen bestätigen, was wir im Energiewendemonitoring bereits thematisiert haben: Wir brauchen mehr Transparenz und Belastbarkeit in den Zahlen. Aus unserer Sicht spiegeln die veröffentlichten Daten nicht den aktuellen Rollout-Fortschritt wider, der aktuell skaliert. Alleine die von den großen Messstellenbetreibern verkündeten Zahlen übersteigen den von der Bundesnetzagentur erhobenen Gesamtfortschritt deutlich. In den Pflichtquoten werden außerdem viele Einbauten gar nicht berücksichtigt."

Und was wäre die Lösung? Ein Branchenkenner äußerte gegenüber der ZfK, dass das Monitoring der Zahlen deutlich verbessert werden müsste. "Die Bundesnetzagentur sollte hier mit der Branche eine Überarbeitung der Methode angehen", so sein Appell.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper