IT-Dienstleister Materna übernimmt eine Teilprojektleitung in zwei Projekten der Initiative "GAIA-X 4 Future Mobility" und entwickelt Konzepte für die Steuerung autonomer Fahrzeugflotten für den Personen- und Güterverkehr.
Gestartet wurde diese Initiative durch den deutschen Gaia-X Hub, der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird. Das Konsortium des bundesweiten Forschungsprojektes entwickelt in den kommenden drei Jahren konkrete Anwendungsfälle, um die hohe Verkehrsbelastung zu verringern und damit die Klimabilanz zu verbessern.
Fernsteuerung autonomer Fahrzeugflotten
In dem Projekt GAIA-X 4 ROMS (Remote Operation Management Services) werden Lösungen für die (Fern-)Steuerung autonomer Fahrzeugflotten im Personen- und Güterverkehr entwickelt. Durch die Nutzbarmachung von Mobilitätsdaten aus verschiedensten Quellen für KI-Lösungen lassen sich autonom fahrende Busse und Bahnen im ÖPNV, mobile Packstationen und weitere innovative Mobilitätslösungen in der Zukunft realisieren. Flottenbetreiber wie beispielsweise Verkehrsgesellschaften sowie Anbieter datengetriebener Services und Fahrzeugkomponenten können von dem Projekt profitieren.
Projektleiter Marco Kremer beschreibt den Beitrag von Materna: "Mittels moderner Cloud- und Blockchain-Technologien generieren wir einen föderierten Datenraum und schließen Anbieter und Anwender über Schnittstellen so zusammen, dass sie Daten selbstbestimmt miteinander austauschen können - das ist eine wesentliche Grundlage der vernetzten Mobilität. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unseren Projektpartnern in diesem wegweisenden Projekt".
Bundesweit beteiligen sich 18 Partner aus der öffentlichen Verwaltung, Wirtschaft und Forschung an dem Projekt GAIA-X 4 ROMS, darunter IT-Unternehmen, Verkehrsbetriebe, Universitäten, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Fraunhofer Gesellschaft.
Gaia-X
Das Ziel ist ehrgeizig: Bei dem im Oktober 2019 vorgestellten Projekt Gaia-X geht es darum, Europas Digitalisierung unabhängiger von den mächtigen IT-Konzernen aus den USA und China zu machen. Die Flut der Daten wird immer größer. Deshalb wird nun auf Initiative von Frankreich und Deutschland an einem gemeinsamen Konzept zum Daten-Management gearbeitet.
Künftig sollen Daten offen miteinander vernetzt werden. Besonderes Interesse kommt aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung, die die neue Infrastruktur in den Bereichen Mobilität, Gesundheit, Energie und in der digitalisierten Industrie 4.0 einsetzen wollen.
Offenheit, Transparenz und Vertrauen
Die Architektur von Gaia-X basiert auf dem Prinzip der Dezentralisierung. Das Projekt ist nach der griechischen Urgottheit Gaia, der Mutter Erde, benannt. Gaia-X ist das Ergebnis einer Vielzahl einzelner Plattformen, die alle einem einheitlichen Standard folgen. Gemeinsame Basis sind die Werte Offenheit, Transparenz und Vertrauen.
Es entsteht also keine neue Cloud, sondern ein vernetztes System, das viele Anbieter von Cloud-Diensten miteinander verbindet. "Das Ziel ist ein digitales Ökosystem in Europa", sagte der damalige deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Deutschland stellt in den nächsten Jahren knapp 200 Millionen Euro für das Vorhaben zur Verfügung. Auf dem zweiten Gipfeltreffen zum Projekt Gaia-X im November 2021 in Mailand gab es allerdings auch Kritik an ausufernden bürokratischen Strukturen und fehlenden konkreten Umsetzungen. Auch das Verhältnis zu den großen internationalen IT-Konzernen ist unklar. Es bleibt also viel zu tun.
Der europäische Datentreuhänder EuroDaT startet
Ein nächster Schritt für die operative Umsetzung der digitalen Infrastruktur liegt im Aufbau des europäischen Datentreuhänders "EuroDaT", den die deutsche Bundesregierung fördert. Datentreuhänder sind zentrale Bausteine für die Sicherstellung der europäischen Datensouveränität. EuroDaT basiert auf dem Rahmenwerk des digitalen Ökosystems von Gaia-X. Dieser ursprünglich deutsch-französischen Initiative haben sich inzwischen zahlreiche weitere europäische Länder angeschlossen.
Mit der Förderung des EuroDaT Konsortiums durch die deutsche Bundesregierung werden von 2022 bis 2024 konkrete Anwendungsbeispiele für Gaia-X realisiert. In der ersten Jahreshälfte 2022 wird EuroDaT unter anderem Dienstleistungen für die Auswertung sensibler Daten von Unternehmen, öffentlicher Hand oder Forschungseinrichtungen anbieten. (dpa/sg)



