Wim Drozak ist Geschäftsführer Smart Metering bei Enpal.

Wim Drozak ist Geschäftsführer Smart Metering bei Enpal.

Bild: © Enpal

Von Stephanie Gust

"Wir haben viel Zeit und Geld investiert, um die nötigen Systeme, Automatismen und Kompetenzen für den Messstellenbetrieb aufzubauen", sagt Wim Drozak, einst Vice President Metering und Messstellenbetrieb bei Enpal und jetzt frischgebackener Geschäftsführer von Metrify Smart Metering, einer hundertprozentigen Tochter von Enpal. Gemeinsam mit Bela Schramm leitet er das neue Unternehmen. Im Zuge der Ausgründung wurde der gesamte Messstellenbetrieb von Enpal auf Metrify übertragen, inklusive aller Mitarbeitenden sowie dem vollständigen Portfolio von über 50.000 intelligenten Messsystemen.

Der Schritt zur Ausgründung sei vor allem durch den Bedarf an Skaleneffekten motiviert worden: "Der Messstellenbetrieb rechnet sich wirtschaftlich nur bei einer großen Zahl an Messstellen", so Drozak. Entsprechend wolle man die aufgebauten Strukturen nun auch Drittanbietern zugänglich machen.

Metrify tritt dabei bewusst nicht als verlängerte Vertriebslinie von Enpal auf. "Uns war ein neutraler Markenauftritt wichtig. Wir verstehen uns als reiner Smart-Meter-Betreiber – unabhängig vom Enpal-Geschäft mit PV-Anlagen oder Energiemanagementsystemen."

Stadtwerke als Zielgruppe

Metrify adressiert verschiedene Zielgruppen: Energieversorger mit dynamischen Tarifen, Handwerkspartner, Komplettanbieter – und ausdrücklich auch Stadtwerke. Für letztere bietet Metrify zwei Modelle an: Entweder übernimmt das Unternehmen den Messstellenbetrieb im eigenen Namen, während die Kundenkommunikation beim Stadtwerk verbleibt. Oder Metrify arbeitet vollständig im Hintergrund, unter der Marktrolle des Stadtwerks – sodass die installierten Systeme in die gesetzlich geforderte Quote einfließen.

"Wir führen gerade Gespräche mit mehreren Stadtwerken, die Schwierigkeiten haben, ihre Ausbauziele bis Jahresende aus eigener Kraft zu erreichen", sagt Drozak. Für die Umsetzung nennt er einen realistischen Zeitraum: "Von der Entscheidung bis zum Erreichen der gesetzlich geforderten 20-Prozent-Ausbauquote kalkulieren wir mit etwa vier Monaten."

Zweianbieterstrategie mit Lackmann und Meterpan

Technologisch setzt Metrify auf eine ungewöhnliche Doppelstrategie: Das Unternehmen betreibt zwei parallele Backend-Systeme – von Lackmann und Meterpan. "Bei Enpal verfolgen wir in kritischen Bereichen bewusst eine Zweianbieterstrategie, um Risiken zu minimieren", erklärt Drozak. Ausschlaggebend für die Wahl von Meterpan sei neben der Partnerschaft auf Augenhöhe auch deren Erfahrung mit Steuerboxen nach § 14a EnWG gewesen: "Meterpan hat bereits mehrere tausend CLS-Geräte im Feld. Diese Expertise ist für uns extrem wertvoll." Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Steuerpflichten und der wachsenden Komplexität im Niederspannungsnetz sei diese Expertise entscheidend.

Zudem hebt Metrify die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Meterpan hervor. "Wir wollten bewusst ein Unternehmen, das den Markt kennt, nah an Stadtwerken ist und sich gemeinsam mit uns weiterentwickelt", so Drozak. Die Kooperation sei nicht als reine Dienstleisterbeziehung angelegt, sondern als strategische Partnerschaft.

So geht es weiter: Finanzierung in Vorbereitung

Bis Ende des Jahres will Metrify die Zahl installierter intelligenter Messsysteme um mindestens 25.000 erhöhen. Da der Aufbau der Strukturen des Messstellenbetriebs kapitalintensiv sei – vor allem durch Zählerbeschaffung, Montage und Systemintegration – arbeite man aktuell an einer Finanzierungslösung mit sogenannten Meter-Asset-Providern (MAP). Gespräche laufen laut Drozak mit mehreren Anbietern. Eine finale Einigung wird in den kommenden Wochen erwartet. "Diese Modelle ermöglichen es uns, profitabel zu wachsen, ohne große Vorabinvestitionen aus der eigenen Liquidität stemmen zu müssen."

Anders als Enpal, die sich bisher auf Einfamilienhäuser konzentriert haben, will Metrify künftig auch Lösungen für Mehrfamilienhäuser und Mieterstromkonzepte anbieten. Der Markt sei groß, der Bedarf an intelligenter Messinfrastruktur wachse auch hier deutlich. Konkrete Produkte sind noch nicht verfügbar, die Entwicklung sei aber bereits angestoßen.

"Wir wollen Stadtwerke entlasten, nicht ersetzen", hebt Drozak zudem hervor. Entscheidend sei, dass der Messstellenbetrieb wirtschaftlich und regulatorisch tragfähig bleibe. Der Markt brauche innovative und skalierbare Lösungen – und einen Rechtsrahmen, der solche Ansätze nicht behindert.

Kritik an EnWG-Novelle: "Ein Euro Strafe ist nicht verhältnismäßig"

Mit Sorge betrachtet Drozak die aktuelle Gesetzesnovelle zum Messstellenbetrieb. Besonders die vorgesehene Strafzahlung von einem Euro pro nicht übermitteltem Lastgangwert hält er für problematisch: "Kein System ist hundertprozentig ausfallsicher. Messstellenbetreiber müssten in doppelte oder dreifache Infrastrukturen investieren, um sich dagegen abzusichern. Dies würde die Kosten erhöhen – also dem Ziel eines kosteneffizienten Rollouts entgegenwirken."

Drozak fordert eine differenziertere Regelung, bei der alle Marktrollen stärker in die Verantwortung genommen werden: "Wenn uns beispielsweise der Netzbetreiber den Lieferantenwechsel nicht mitteilt, können wir die Daten auch nicht weitergeben. Dies führt aktuell zu vielen Clearing-Anfragen zwischen MSB und Lieferant, die teils durch einen Dritten verursacht werden."

Haltefrist als Innovationsbremse

Auch die geplante zweijährige Haltefrist für intelligente Messsysteme sieht Metrify kritisch. "Die Installation ist nur die halbe Miete. Entscheidend ist der zuverlässige Betrieb im Alltag." Wenn dieser nicht funktioniere – etwa durch fehlende Marktkommunikation oder fehlerhafte Stammdaten – müsse ein Wechsel des Messstellenbetreibers möglich sein. Drozak schlägt eine flexible Lösung vor: "Wenn alles funktioniert, kann es eine Haltefrist geben. Aber wenn der Betrieb nicht gewährleistet ist, sollte man auch wechseln dürfen."

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper