Das Versorgungsgebiet der Wemag Netz umfasst Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 2,8 Gigawatt am Netz.

Das Versorgungsgebiet der Wemag Netz umfasst Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 2,8 Gigawatt am Netz.

Bild: © Wemag/Stephan Rudolph-Kramer

Gastbeitrag von
Steffen Heudtlaß,
Geschäftsführer
Meterpan

Kleine und mittlere Stadtwerke fühlen sich – angesichts immer neuer Vorgaben für Messwesen, Netz und Marktkommunikation – häufig in der Defensive. Dabei übersehen viele: Ihre Struktur, insbesondere ihr integriertes Aufbau- und Prozessmodell, verschafft ihnen aktuell einen echten Wettbewerbsvorteil.

Dieser resultiert aus dem Umstand, dass die verschiedenen Marktrollen bei der Digitalisierung der Energiewende funktional zusammenwachsen und immer enger kooperieren müssen.

Integriertes Haus statt komplexer Schnittstellen

Bei großen, gesellschaftsrechtlich vollständig entflochtenen Konzernen arbeiten Netz, Vertrieb und Messstellenbetrieb auf getrennten IT-Plattformen. Jeder neue §-14a-EnWG-Prozess verlangt dort feingetunte, automatisierte Marktkommunikation – und scheitert oft an fehlenden Abstimmungen.

Kleine und mittlere Stadtwerke müssen sich dagegen nur "informationell" entflechten. Meistens liegen Vertrieb, Netz und Messstellenbetrieb als Mandanten in einem System. Der Großteil der von IVU-Informationssysteme betreuten Stadtwerke nutzt solch ein – selbstredend regelkonformes – Ein-Mandanten-Modell. Zudem sitzen hier Technik- und Prozessverantwortliche oft buchstäblich Tür an Tür, was kurze Informationswege und damit einfache Abstimmungen ermöglicht.

§ 14a EnWG als Paradebeispiel

Anhand der Vorgaben zum netzdienlichen Steuern von Verbrauchseinrichtungen und den damit verbundenen Marktrollen und Prozessen lässt sich gut veranschaulichen, warum kleine und mittlere Stadtwerke heute strategisch im Vorteil sind:

Messstellenbetriebe müssen intelligente Messsysteme mit Grid-Funktion ausrollen, um Netzzustandsdaten erheben und liefern zu können. Der Verteilnetzbetreiber ruft diese Daten regelmäßig ab und berechnet bei Engpässen Steuerbefehle, die wiederum an Messstellenbetriebe gesendet werden.

Der jeweilige Messstellenbetrieb muss sodann diesen Steuerbefehl ("Dimmen") via Smart-Meter-Gateway übermitteln beziehungsweise ausführen, um das Niederspannungsnetz zu entlasten. Ein symmetrischer Prozess läuft entsprechend zur Aufhebung der Dimmung ab.

Laufen Netz und Messstellenbetrieb auf unterschiedlichen Plattformen, braucht es perfekt orchestrierte Prozesse. Diese Perfektion in der Prozessautomation ist momentan marktweit noch Zukunftsmusik. Wo allerdings beide Rollen in einem Haus spielen, funktioniert es bereits heute stabil: Denn dort sind sowohl IT- als auch Prozessverantwortliche nah genug beieinander, um auf dem kurzen Dienstweg Lösungen zu besprechen, die dann auch funktionieren.

Und so erklärt sich, dass funktionierende §-14a-Systeme heute vor allem in Häusern anzutreffen sind, wo Verteilnetz und Messstellenbetrieb in einem Haus organisiert sind.

Mehrwert jenseits der Pflicht

Die gleiche Infrastruktur erlaubt dynamische Tarife und damit Preissignale, die den Verbrauch verschieben und Netzkosten senken. Ein echter Mehrwert für Kunden und Stadtwerke. Schon jetzt kann damit auch das bidirektionale Laden unter Einbezug der E-Mobilität integriert bei einem kleinen und mittleren Stadtwerk umgesetzt werden.

Die Integration mit den Marktpartnern ermöglicht die dafür definierte Web-API. Meterpan hat sie seit rund einem Jahr im Angebot, aber es gibt praktisch noch kaum externe Marktpartner, die darüber interagieren können. Für die unternehmensinterne Marktkommunikation allerdings wird die Web-API bereits rege eingesetzt – und sie funktioniert.

Schnell sein lohnt sich

Marktprozesse werden sich einspielen, ineffiziente Doppelstrukturen bei Konzernen verschwinden. Das Zeitfenster, in dem integrierte kleine und mittlere Stadtwerke schneller, zuverlässiger und günstiger liefern können, ist daher endlich.

Wer jetzt investiert und Erfahrung sammelt, sichert sich Kundenbindung durch innovative Produkte, verschafft sich einen Erfahrungsvorsprung gegenüber voll entflochtener Konkurrenz und profitiert direkt von den positiven Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit, die netzdienliches Verhalten beziehungsweise Steuern mit sich bringen.

Dass man der Technik vertrauen kann, zeigen nicht zuletzt die zahlreichen neuen Player am Markt, die PV-Anlagen, Wärmepumpen, Stromspeicher und Wallboxen bei Endkunden ausrollen. Dieses Vertrauen und diesen Mut müssen auch kleine und mittlere Stadtwerke aufbringen, damit sie die sich jetzt bietende Chance nutzen können. Denn irgendwann wird sich das Fenster dafür schließen und die heute noch stockenden MaKo-Prozesse werden auch in der komplett entflochtenen Energiewelt auf breiter Front funktionieren. Im Vorteil ist dann, wer neue Geschäftsmodelle schon umgesetzt hat und in eingeschwungenen Prozessen arbeiten kann.

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