"Für meinen Geschmack haben wir mit nunmehr zwei Jahren schon zu lange diskutiert und zu wenig umgesetzt", sagt PPC-Chef Schönberg.

"Für meinen Geschmack haben wir mit nunmehr zwei Jahren schon zu lange diskutiert und zu wenig umgesetzt", sagt PPC-Chef Schönberg.

Bild: © PPC

Von: Stephanie Gust

Nachdem die Messgeräterichtlinie 2014/32/EU (MID) auf Deutschland kurz vor Jahresende von der EU-Kommission geändert worden war, gab es vereinzelt Stimmen, die darin weitgehende Auswirkungen auf den Smart-Meter-Rollout und Ladeeinrichtungen prognostiziert hatten. Konkret geht es darum, dass die EU vorschlägt, die Anforderungen an intelligenten Messsystemen zu harmonisieren, um den Markt zu öffnen und Innovationen wie Smart Meter und Wallboxen zu fördern.

Experten sehen darin nun auch die Option, dass statt der bisher vorgeschriebenen BSI-zertifizierten Smart-Meter-Gateways auch günstigere MID-konforme Technik eingesetzt werden dürfte. Zudem könnte es künftig reichen, Apps einzusetzen, um die Daten anzuzeigen. Im Gespräch ist auch, ob nationale Sonderregelungen abgeschafft werden könnten.
 

Aus für intelligente Messsysteme?

Bedeutet diese Änderung das Aus der intelligenten Messsysteme? Die ZfK hat bei Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender des Gateway-Herstellers PPC direkt nachgefragt: "Die MID definiert Anforderungen an Stromzähler, jedoch keine Vorgaben zur Steuerung oder zur breitbandigen sicheren Kommunikationsanbindung, wie sie durch ein intelligentes Messsystem ermöglicht werden“, erklärt Schönberg.

Im Kern stehe für ihn erneut die Frage nach der effizienten Ausgestaltung der "Markt- und Netzintegration". Während Deutschland eine cybersichere Architektur für eine integrierte Umsetzung von Markt- und Netzintegration gewählt hat, beschränkt sich der Ansatz in vielen anderen europäischen Ländern nur auf die reine Datenerfassung mittels Stromzählern. Steuerungsmaßnahmen gehen dort meist nicht über marktliche Instrumente wie variable Tarife hinaus.

MID und Vorgaben zum Smart-Meter-Gateway ergänzen sich

"Der aktuelle Entwurf des Messstellenbetriebsgesetzes verdeutlicht diesen Ansatz, indem er vom "Steuerrollout" spricht und nicht vom "Messrollout". Die MID-Überarbeitung adressiert primär zählerspezifische Themen wie etwa den Ersatz von Displays durch alternative Anzeigeformen“, so Schönberg. Im Übrigen stehe das Messstellenbetriebsgesetz bereits ausdrücklich die Nutzung von Portalen als Sichtanzeige vor. Zudem sei festzustellen, dass die Lösung mit intelligenten Messsystemen bereits konsequent MID-konforme Zählern nutzt und das auch in Zukunft machen wird, weshalb sich MID und die Vorgaben zum Smart-Meter-Gateway ergänzen.

Schönberg selbst steht alternativen Zählermodellen für Nicht-Steuerungsfälle äußerst skeptisch gegen über – auch vor dem Hintergrund der Marktakzeptanz. Ein früherer Vorstoß im FNN, eine Zählerlösung mit optionaler Anbindung an das HAN (sogenannte "eInfo"), sei erfolglos geblieben. "Die Lösung wurde spezifiziert und partiell entwickelt, jedoch nicht nachgefragt. Gleichzeitig erfordern alle spannenden Anwendungsfälle, wie etwa in der Elektromobilität oder für Speicherkonzepte, eine Steuerung.“

Nische "Messen ohne Steuerung"

Gerade bei steuerbaren Flexibilitäten würden variable Tarife maximalen Kundennutzen entfalten. "Eine zusätzliche Lösung für die Nische "Messen ohne Steuerung" sehe ich nicht und ist absehbar nicht wirtschaftlich. Im Einfamilienhaus- und Gewerbebereich wird perspektivisch fast immer ein Smart Meter Gateway genutzt, während in Mehrfamilienhäusern die 1:n-Option, mehrere Zähler an ein Smart-Meter-Gateway anzubinden, eine effizientere Lösung darstellt“, so Schönbergs Fazit.

Echtes Smart Metering hat ihm zufolge den Fokus auf Steuerung – ein Bereich, der nicht unmittelbar von der MID betroffen sei. Die Gewährleistung von Cybersicherheit und ein resilienter Netzbetrieb bleibt für kritische Infrastrukturen essenziell.

Zukunftslösung "Smart and Secure at the Edge"

Und Schönberg weist auf eine weitere Sache hin: Parallel zur MID Ausgestaltung wird auf europäischer Ebene bereits intensiv über die Umsetzung des Cyber Resilience Act (CRA) im Bereich kritischer Infrastrukturen diskutiert. Ziel sei es, Stromzähler nicht nur als Mittel zur Datenerfassung zu betrachten, sondern als Teil cybersicherer Smart-Grid-Lösungen mit Edge-Computing, die eine aktive Kundenpartizipation im Demand Response ermöglichen.

"Ich sehe "Smart and Secure at the Edge" mit gatewayartigen Konzepten als die Zukunftslösung. Deutschland mit dem SMGW und die Niederlande mit NextGen sind hier aktuell die Vorreiter hin zu einem echten Smart Grid. Der MID-Zähler ist hierbei nur ein Sensor ohne eigene Intelligenz und insofern auch die MID Anpassungen nicht kritisch für das Zielmodell.“

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