Von Stephanie Gust
Angesichts der Pflicht-Rolloutquote von 20 Prozent bis Ende 2025 und dem zunehmenden Druck der Bundesnetzagentur auf die grundzuständigen Messstellenbetreiber sieht sich der Dienstleister Voltaris weiterhin auf einem guten Weg. Auch, wenn so mancher Messstellenbetreiber die Geräte noch nicht vor Ort verbaut hat: "Entscheidend ist, dass die Messstellenbetreiber ihre Systeme auf Vordermann bringen, damit die intelligenten Messsysteme überhaupt vor Ort technisch installiert werden können", verdeutlicht der Technische Geschäftsführer Volker Schirra in einem Expertengespräch des Messstellendienstleisters aus Maxdorf.
Prozesse für den Rollout sind ready
Die Voltaris-Anwendergemeinschaft Messsystem, die inzwischen auf über 50 Energieversorger und Netzbetreiber angewachsen ist, sei auf die Fristen der Bundesnetzagentur sensibilisiert. "Worauf wir dabei stets geachtet haben, war das Einüben der Prozesse: sichere Lieferkette, Pilotanlagen und die Tests in den produktiven Systemen. So haben wir eine gute Stabilität erreicht und unsere Werke können damit auch 100, 200 oder 500 Geräte einbauen. Die Prozesse sind bei uns ready", bekräftigt Marcus Hörhammer, Kaufmännischer Geschäftsführer von Voltaris.
Vom Mess- zum Steuerungsrollout
Allerdings komme nun auf alle ein weiterer Komplexitätsschritt zu: Mit dem sogenannten Steuerrollout müssen Messstellenbetreiber bis Ende 2032 90 Prozent der neu installierten §-14a-EnWG-Fälle und PV-Anlagen mit über sieben Kilowatt mit einem intelligenten Messsystem und einer Steuerbox je Netzanschluss verbauen. "Alle PV-Anlagen müssen steuerbar sein, das erhöht den Druck und die Komplexität für die Netzbetreiber", so Volker Schirra.
Die Steuerung über Steuerboxen und Smart-Meter-Gateways wird ab 2026 verpflichtend. Bis dahin müssen sowohl die Messstellenbetreiber als auch die Netzbetreiber ihre Systeme startklar machen. "Es ist hier eine systemische Komplexität zu erwarten, die bisher in dem reinen Messrollout so noch nicht vorhanden war. Die Frage wird sein, wie geht der Markt mit diesen Anforderungen um?“, verdeutlicht Hörhammer.
Aktuell bietet der Messstellendienstleister dazu eine Workshop-Reihe mit dem Thema Schalten und Steuern an. Der Beginn ist für Anfang Juli in Kaiserslautern geplant.
Die Systeme für den Rollout
Denn die Systeme müssen zusammenspielen. Mit dem Steuerrollout erhöht sich deren Anzahl nochmals: Mit den Vorgaben des § 14a EnWG zur Anbindung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen über die CLS-Schnittstelle erweitern sich die Aufgaben der Netz- und Messstellenbetreiber. Sie nehmen die Marktrolle des aktiven externen Marktteilnehmers (aEMT) ein. Nur der aEMT darf steuerbare Geräte (Controllable Local Systems) hinter dem Smart Meter Gateway betreiben: Daten empfangen, die Geräte verwalten und Schalthandlungen im Netz durchführen.
Voraussetzung für das CLS-Management ist die Erweiterung der IT-Systemlandschaft um ein entsprechendes Backend-System, das ausschließlich von einem aEMT betrieben werden darf und das an das Gateway-Administrations-System anzubinden ist.
Voltaris hat die eigene Systemlandschaft um ein aEMT-System erweitert und bietet den Stadtwerke-Partnern die volle Funktionalität des aEMT an, so dass sie keine eigene Zertifizierung für die Teilnahme an der Smart-Meter PKI benötigen. Mit dieser aEMT-Lösung – als Software-as-a-Service oder als BPO-Lösung (Business Process Outsourcing) – bildet der Messstellendienstleister die Infrastruktur zum Schalten und Steuern im Stromnetz ab und kann Netzzustandsdaten nach Tarifanwendungsfall (TAF) 10 bereitstellen.
Und nicht zu vergessen ist die Anbindung des ERP-Systems des Stadtwerks. Hier sind Updates in der Funktionserweiterung nötig, damit die Steuerhandlung über den sogenannten Universal-Bestellprozess erfolgen kann. "Steuern und Schalten heißt nicht nur: Ich brauche einen Dienstleister, der mir ein aktives EMT-System mitbringt, also die Auffahrt zur Datenautobahn. Die Netz- und Messstellenbetreiber müssen außerdem ihre komplette IT-Infrastruktur anpassen. Neue Systeme, zum Beispiel ein Niederspannungscockpit, müssen aufgebaut und angebunden werden", schildert es Hörhammer bildlich.
Flaschenhals Montagekapazitäten
"Bei uns läuft die Maschinerie und keiner unserer Kunden steht vor unlösbaren Aufgaben", sagt Hörhammer. Im Normalfall bekomme ein kleines oder mittleres Stadtwerk die geforderte Anzahl mit eigenen Monteuren hin. "Das ist keine unlösbare Herausforderung, solange die Systeme stehen". Auch jetzt bekomme man noch Anfragen von Stadtwerken, die auf der Suche nach einem Partner beim Smart-Meter-Rollout sind."
"Wir können innerhalb eines Quartals ausrollen – abhängig natürlich von den Schnittstellen", verdeutlicht Hörhammer die Geschwindigkeit. Dadurch, dass man durch die Anwendergemeinschaft von Anfang an Standardprozesse und Vorgehensweisen etabliert habe, können Stadtwerke bereits nach der Anbindung an die ERP-Systeme und den Schulungen für die sichere Lieferkette starten.
Automatisierte Störmeldungen als next step
Die 20 Prozent der geforderten Quote an verbauten intelligenten Messsystemen habe übrigens noch kein Versorger der Anwendungsgemeinschaft bisher erreicht, aber alle seien auf einem guten Weg. "Stand heute wird keiner unserer Stadtwerke-Partner Probleme haben, die 20 Prozent in Eigenverantwortung entsprechend zu montieren und ins Netz zu bringen", so Hörhammer. Aktuell sei man dabei, die Prozesse und Systeme für den Störungsprozess aufzusetzen. Schließlich müssen auch die ersten Störmeldungen künftig im Ticketsystem abgearbeitet werden. Hier will man automatische Prozesse etablieren, die gleich an die richtigen Stellen weitergeleitet werden, so dass diese effizient im operativen Betrieb bearbeitet werden können.



