Der Fahrplan sieht zunächst den Bau eines Forschungs- und Demonstrationsstellarators mit dem Namen "Alpha" vor. Er soll in Garching entstehen, in direkter Nachbarschaft zum Max-Planck-Institut für Plasmaphysik. Ziel ist es, erstmals eine positive Energiebilanz im Plasma zu erreichen. Das bedeutet, dass mehr Energie freigesetzt wird, als zur Aufrechterhaltung des Plasmas erforderlich ist.
Zwei Standorte, ein Ziel
Auf dieser Basis soll später das kommerzielle Fusionskraftwerk "Stellaris" folgen. Als möglicher Standort gilt das Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen. Dort läuft derzeit der Rückbau. RWE bringt nach eigenen Angaben Erfahrung im Kraftwerksbetrieb und in Genehmigungsverfahren ein. Die bestehende Infrastruktur könne Zeit- und Kostenvorteile verschaffen.
Fusionsenergie gilt als grundlastfähig und CO2-arm. Im Unterschied zur Kernspaltung entstehen keine langlebigen hochradioaktiven Abfälle. Allerdings befindet sich die Technologie weltweit noch im Entwicklungsstadium.
Public-Private-Modell mit Milliardenvolumen
Die Partner setzen auf ein Kofinanzierungsmodell aus privaten und öffentlichen Mitteln. Proxima Fusion will rund 20 Prozent der Projektkosten über internationale Investoren einwerben. Auch RWE signalisiert eine finanzielle Beteiligung.
Der Freistaat Bayern stellt vorbehaltlich einer Bundesförderung eine Kofinanzierung von bis zu 400 Millionen Euro in Aussicht. Allein der Demonstrator "Alpha" wird nach Angaben aus dem Umfeld des Projekts rund zwei Milliarden Euro kosten. Weitere Mittel sollen über Programme des Bundes im Rahmen der Hightech-Agenda Deutschland fließen.
Industriepolitisches Signal
Mit dem Projekt verbinden die Beteiligten industriepolitische Erwartungen. Ein priorisierter Weg zur kommerziellen Fusion könne Wertschöpfung in der europäischen Zulieferindustrie auslösen. Während der Bauphasen rechnen die Partner mit mehreren Tausend Arbeitsplätzen.
Francesco Sciortino, Mitgründer und CEO von Proxima Fusion, spricht von einem "Startpunkt eines industriellen Ökosystems". Bayern entwickle sich vom Forschungs- zum Fusionsindustriestandort.
RWE-Chef Markus Krebber verweist auf das "enorme Potenzial" der Technologie für die künftige Energieversorgung. Rückbaustandorte mit kerntechnischer Infrastruktur böten günstige Voraussetzungen für neue Projekte.
Sibylle Günter, wissenschaftliche Direktorin des IPP (Max-Planck-Institut für Plasmaphysik), sieht die Chance, die deutsche Führungsrolle in der Stellaratorforschung auszubauen. Bayern hatte die Kernfusion bereits 2023 im Rahmen eines Masterplans zur Schlüsseltechnologie erklärt.
Von der Forschung zur Anwendung
Proxima Fusion wurde 2023 aus dem Umfeld des IPP ausgegliedert. Das Unternehmen setzt auf sogenannte Stellaratoren mit Hochtemperatur-Supraleitern. Technologische Grundlage sind unter anderem die Forschungsergebnisse des Experiments "Wendelstein 7-X" in Greifswald.
Ob und wann ein kommerzielles Fusionskraftwerk tatsächlich Strom ins Netz einspeist, bleibt offen. Weltweit arbeiten mehrere Staaten und Unternehmen an ähnlichen Konzepten. Mit dem nun unterzeichneten Memorandum setzt Bayern jedoch ein klares Signal, im internationalen Wettbewerb um die Fusionstechnologie vorne mitzuspielen.



