Der Startschuss ist längst gefallen: Elf Prozent der kommunalen Energieversorger setzen bereits konkrete Batteriespeicherprojekte um. Weitere 27 Prozent haben Vorhaben in Planung, und 46 Prozent prüfen Einstiegsmöglichkeiten. Ergibt in der Summe 84 Prozent – und damit eine klare Botschaft: Großbatteriespeicher sind in der kommunalen Energiewirtschaft angekommen.
Das geht aus einer Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) hervor, für die zwischen dem 21. April und dem 22. Mai 2026 Kaufmännische und Technische Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer von 756 Mitgliedsunternehmen mit Stromsparte befragt wurden. 159 Unternehmen nahmen teil.
"Wichtig ist, dass die Speicher netzdienlich eingesetzt und wirtschaftlich betrieben werden können", sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. "Jetzt braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, damit die Dynamik nicht ausgebremst wird."
Megawatt-Klasse: Speicher wachsen in Kraftwerksdimensionen
Die geplanten und laufenden Projekte variieren erheblich in ihrer Größe. Je 34 Prozent der befragten Unternehmen bauen Anlagen mit einer Leistung von 1 bis 5 Megawatt (MW) beziehungsweise 5 bis 10 MW auf.
Rund 23 Prozent setzen auf Leistungen zwischen 10 und 100 MW, und etwa sieben Prozent planen sogar Projekte mit 100 bis 500 MW – eine Leistungsklasse, die mit konventionellen Kraftwerksblöcken vergleichbar ist.
Dabei spielen zwei Betriebsmodelle eine zentrale Rolle: Speicher, die direkt an Erneuerbaren-Anlagen betrieben werden – sogenannte Co-Location-Speicher – nehmen überschüssigen Strom vor Ort auf und geben ihn zeitversetzt wieder ab. Eigenständige Speicheranlagen, Stand-alone-Speicher genannt, stabilisieren darüber hinaus das gesamte Stromsystem und können teure Eingriffe in den Netzbetrieb, den sogenannten Redispatch, reduzieren.
Netzanschluss als Flaschenhals
Doch der wachsende Ausbaudruck zeigt auch seine Kehrseite. Bei 38 Prozent der Netzbetreiber stieg die Zahl der Anschlussanfragen im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr, bei elf Prozent sogar stark. Neben Batteriespeichern treiben auch Photovoltaik, Wärmepumpen und Ladepunkte für Elektroautos den Bedarf.
Die Bearbeitungsdauer ist dabei alles andere als einheitlich: Bei 27 Prozent der Unternehmen dauert ein Netzanschluss vom vollständigen Eingang der Unterlagen bis zur Inbetriebnahme weniger als sechs Monate. Rund 42 Prozent rechnen mit sechs bis zwölf Monaten, 19 Prozent mit zwölf bis 18 Monaten – und drei Prozent sogar mit mehr als zwei Jahren.
Baurecht bremst, Netzentgelte verunsichern
Neben dem Netzanschluss sieht der VKU weiteren Handlungsbedarf im Baurecht: Batteriespeicher dürfen im Umkreis von Umspannwerken und Kraftwerken zwar auch ohne Bebauungsplan errichtet werden – allerdings nur in einem Radius von 200 Metern.
Im Rahmen des laufenden sogenannten Baugesetzbuch-Upgrades (Gesetz zur Modernisierung des Städtebau- und Raumordnungsrechts) fordert der VKU eine Ausweitung dieser baurechtlichen Privilegierung auf mindestens 500 Meter.
Auch bei den Netzentgelten ist Planungssicherheit gefragt. Mit dem sogenannten Agnes-Prozess (Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom) will die Bundesnetzagentur die Netzentgelte grundlegend neu ordnen.
Im aktuellen Eckpunktepapier sieht der VKU Verbesserungen beim Vertrauensschutz: Bestehende Netzentgeltbefreiungen sollen für neue Batteriespeicher, die bis Sommer 2029 ans Netz gehen, weiterhin gelten. Allerdings ist dafür die finale Investitionsentscheidung als zusätzliches Kriterium hinzugekommen.
Mehr dazu hier: Netzentgelt-Befreiung: Der Zeitdruck für Batteriespeicher wächst
Kritisch bewertet der Verband zudem das Festhalten an dynamischen Netzentgelten. "Wenn wir den Speicherhochlauf jetzt nicht konsequent voranbringen, drohen steigende Systemkosten und zusätzliche Belastungen für Netze und Verbraucher", warnt Liebing.
Bedeutung bis 2030 wächst
Rund 35 Prozent der befragten Unternehmen schätzen die Bedeutung von Batteriespeichern für ihr Unternehmen bis 2030 als hoch oder sehr hoch ein – ein Signal, dass das Thema in den Strategieplänen der kommunalen Versorger dauerhaft verankert ist. "Batteriespeicher sind ein wichtiger Baustein für die Energiewende, insbesondere zur Stabilisierung der Netze, zur Integration erneuerbarer Energien und zur Einsparung von teurem Netzausbau", so Liebing.






