Viele Haushalte sehen Solarstrom laut Eon-Umfrage als wichtigsten Schritt, um sich unabhängiger von Krisen und Energiepreissprüngen zu machen.

Viele Haushalte sehen Solarstrom laut Eon-Umfrage als wichtigsten Schritt, um sich unabhängiger von Krisen und Energiepreissprüngen zu machen.

Bild: © Lars Gieger/Adobe Stock

Der Iran-Krieg verstärkt die Sorge vieler Haushalte um Energiepreise und Versorgungssicherheit – und schiebt die Energiewende in den Köpfen weiter an. Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Online-Umfrage von Eon Energie Deutschland, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Yougov.

Demnach sehen 66 Prozent der Befragten eine wachsende Bedeutung erneuerbarer Energien, nur 12 Prozent erwarten keinen Bedeutungszuwachs. Erneuerbare Energien umfassen hier vor allem Strom- und Wärmelösungen aus Wind, Sonne und Umweltwärme, die fossile Brennstoffe wie Öl und Gas teilweise oder vollständig ersetzen. Yougov hatte dazu in der vergangenen Woche mehr als zweitausend volljährige Personen befragt.

Elektrifizierung für mehr Unabhängigkeit

Eon-Deutschland-CEO Filip Thon wertet die Ergebnisse als Bestätigung für den Kurs Richtung Elektrifizierung und dezentraler Versorgung. Nach seiner Einschätzung gilt die Elektrifizierung – also der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Strom aus erneuerbaren Quellen – für viele als Schlüssel zu mehr Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit.

Gleichzeitig berichten Eon und andere große Anbieter seit Beginn des Iran-Kriegs von einem spürbaren Nachfrageplus bei Photovoltaik (PV), Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur für Elektroautos. PV-Anlagen wandeln Sonnenlicht direkt in Strom um und gelten im privaten Bereich als zentrale Technologie für mehr Eigenversorgung und sinkende Strombezugsmengen aus dem Netz.

PV-Anlage vor der Wärmepumpe

In der Umfrage nennen 34 Prozent eine PV-Dachanlage als wichtigste Maßnahme, um sich von geopolitisch ausgelösten Preis- und Versorgungsschwankungen unabhängiger zu machen. Auf Rang zwei liegt die Wärmepumpe mit 13 Prozent, gefolgt von Balkonkraftwerken – steckerfertigen Minisolaranlagen für den Balkon – mit 12 Prozent sowie Elektrofahrzeugen mit 8 Prozent.

Wärmepumpen nutzen Umgebungswärme aus Luft, Erde oder Wasser und können so klassische Gas- oder Ölheizungen teilweise ersetzen, werden aber wegen hoher Investitionskosten und Förderregeln kontrovers diskutiert. Balkonkraftwerke gelten dagegen als niedrigschwelliger Einstieg, weil sie vergleichsweise günstig sind und ohne tiefen Eingriff in die Haustechnik auskommen.

Kurzfristige Investitionsbereitschaft

Gleichzeitig zeigt der Blick auf den Status quo einen deutlichen Nachholbedarf: Rund 58 Prozent der Befragten fahren laut Eon-Umfrage weiterhin ein Auto mit Verbrennungsmotor, ebenfalls 58 Prozent heizen mit Gas oder Öl. Nur etwa 8 Prozent geben an, von den genannten fossilen Optionen bereits vollständig unabhängig zu sein.

Dennoch signalisiert ein beträchtlicher Teil kurzfristige Investitionsbereitschaft: Innerhalb der nächsten zwölf Monate planen 10 Prozent die Anschaffung eines Balkonkraftwerks, 9 Prozent ein Elektroauto, 8 Prozent eine PV-Dachanlage und 7 Prozent die Installation einer Wärmepumpe.

Ähnliche Studien der Eon Foundation und anderer Energiekonzerne hatten bereits vor dem Iran-Krieg gezeigt, dass eine Mehrheit die Energiewende grundsätzlich befürwortet, zugleich aber Kosten- und Komplexitätssorgen die Umsetzung bremsen.

Energiekrisen als Beschleuniger

Für kommunale Versorger und Stadtwerke ordnet die Umfrage das aktuelle Stimmungsbild in einen breiteren Trend ein: Energiekrisen wirken als Beschleuniger, verstärken aber auch bestehende Unsicherheiten. Während große Player wie Eon teils von "überrannten" Solar-Teams berichten, zeigen Rückmeldungen aus Stadtwerken ein differenziertes Bild: Mehr Sensibilität und Beratungsbedarf, aber nicht überall ein flächendeckender Auftragsboom bei PV, Wärmepumpen und Wallboxen.

Entscheidend für die nächste Phase wird sein, ob steigende Energiepreise, Förderprogramme und Beratung vor Ort aus der höheren Akzeptanz tatsächlich mehr Projekte machen – etwa über Contracting-Modelle, bei denen Stadtwerke selbst in Anlagen investieren und Kundinnen und Kunden für Wärme oder Strom bezahlen.

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