Der Wettbewerb bei den Ausschreibungen für neue Solar-Freiflächenanlagen ist so intensiv wie nie. (Symbolbild)

Der Wettbewerb bei den Ausschreibungen für neue Solar-Freiflächenanlagen ist so intensiv wie nie. (Symbolbild)

Bild: © EnBW/Paul Langrock

Der Solarmarkt in Deutschland sendet widersprüchliche Signale. Freiflächenanlagen boomen, Dachanlagen schwächeln, und Unternehmen wie der Wechselrichterhersteller SMA Solar sprechen erstmals wieder von einer möglichen Trendwende – vorsichtig, aber spürbar optimistischer als noch zu Jahresbeginn.

Wie die Zahlen des ersten Quartals 2026 zeigen: Der Ausbau läuft, aber er verläuft ungleich.

Dachanlagen verlieren, Freifläche gewinnt

Sicher ist: Der Photovoltaik-Boom ist vorerst gestoppt. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) hat für das erste Quartal 2026 einen Gesamtzubau von 3,5 Gigawatt (GW) errechnet – sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Besonders im Gebäudebereich fiel der Rückgang deutlich aus. Heimanlagen verloren gut ein Fünftel ihres Zubauvolumens, Gewerbe-Dachanlagen sogar knapp ein Drittel. Selbst Balkonkraftwerke, lange ein Wachstumssegment, zeigen Bremsspuren.

Den Gesamtrückgang hingegen abgefedert haben Freiflächenanlagen. Sie legten um 20 Prozent auf knapp 2 GW zu und machen damit inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten Quartalszubaus aus.

Die Monatsdaten der Bundesnetzagentur unterstreichen diesen Trend: Der März 2026 war mit rund 1400 Megawatt (MW) der stärkste Solarmonat des Quartals – ein Hinweis, den auch die Branche aufmerksam registriert hat.

Ausschreibung deutlich überzeichnet

Dass Freiflächenanlagen weiter an Bedeutung gewinnen, zeigt auch das Ergebnis der Bundesnetzagentur-Ausschreibung vom 1. März 2026. Auf ein ausgeschriebenes Volumen von rund 2300 MW entfielen Gebote über insgesamt mehr als 4600 MW – die Nachfrage überstieg das Angebot also um mehr als das Doppelte.

Die Behörde erteilte schließlich 268 Zuschläge. Der durchschnittliche Zuschlagswert lag bei 4,94 Cent pro Kilowattstunde – und damit leicht unter dem Wert der Vorrunde. Das zeigt: Solarstrom wird immer günstiger.

Regional entfiel das größte Zuschlagsvolumen auf Bayern, gefolgt von Niedersachsen und Baden-Württemberg. Bemerkenswert auch: Sogenannte besondere Solaranlagen – darunter Agri-Photovoltaik, bei der dieselbe Fläche gleichzeitig für Landwirtschaft und Stromerzeugung genutzt wird – erreichten mit fast einem Fünftel des Zuschlagsvolumens einen neuen Höchststand.

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), wertete die hohe Beteiligung als Beleg für das Investitionsinteresse der Energiewirtschaft. Die Zuschlagswerte zeigten, dass Freiflächenanlagen weiterhin zu den kostengünstigsten Formen der Stromerzeugung gehörten.

Die Branchenvertreterin forderte jedoch zugleich, die geplanten höheren Ausschreibungsmengen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wie vorgesehen umzusetzen und ein modernes Marktdesign mit sogenannten zweiseitigen Differenzverträgen zu etablieren. Am 1. Juli findet die nächste Ausschreibungsrunde statt. Ob die Bundesnetzagentur dann mehr als 2300 MW ausschreibt, wird sich zeigen.

Batteriespeicher auf Rekordkurs

Ein klarer Lichtblick ergibt sich derweil beim Blick auf Batteriespeicher. Im ersten Quartal 2026 wurden nach BSW-Solar-Angaben zwei Gigawattstunden (GWh) an neuer Speicherkapazität in Betrieb genommen – rund zwei Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtbestand wuchs damit auf rund 28 GWh, verteilt auf 2,5 Millionen Anlagen in Deutschland.

Besonders stark zulegen konnten Großspeicher mit Kapazitäten jenseits einer Megawattstunde (MWh): Ihr Zubau hat sich im Vergleich zum Vorjahr beinahe vervierfacht. BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig betonte, Speicher seien unverzichtbar, um wetterbedingte Schwankungen bei der Produktion von Solar- und Windstrom auszugleichen. Er warnte jedoch davor, Batteriespeicher bei künftigen Kraftwerksauktionen gegenüber Gaskraftwerken zu benachteiligen.

Mehr dazu hier: "Mit dieser Version des Gesetzes hätten Speicher schlechte Karten"

SMA Solar: vorsichtiger Optimismus

Besonders das bislang in Deutschland so starke Segment für private Dachsolaranlagen war 2025 in die Krise geraten. In den vergangenen Monaten kam es deshalb bereits zu mehreren Insolvenzen bei PV-Herstellern und Installateuren. Zuletzt etwa oberbayerische Unternehmen Sun-X, das Reinigungssysteme für PV-Anlagen liefert. Auch die Diskussion um das Ende der Einspeisevergütung für Kleinanlagen beschäftigt die Branche.

Mehr dazu hier: Kleine PV: Ist die Branche bereit für den Förderabschied?

Als ein Gradmesser für die Branchenstimmung gilt weiterhin der Wechselrichterhersteller SMA Solar aus dem nordhessischen Niestetal. Unternehmenschef Jürgen Reinert berichtete bei der Vorlage der Quartalszahlen von einer Stabilisierung der Nachfrage seit März – nach einem verhaltenen Jahresauftakt. Er wertete dies als "erste Anzeichen einer Trendwende". Der Umsatz stieg im ersten Quartal um vier Prozent auf rund 341 Millionen Euro, der operative Gewinn legte um sechs Prozent zu.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Reinert Umsatz und operativen Gewinn nun jeweils im oberen Bereich der prognostizierten Bandbreiten. Gleichzeitig läuft beim Unternehmen eine umfangreiche Restrukturierung: Bis Ende 2026 sollen weltweit weitere rund 350 Stellen abgebaut werden. Insgesamt strebt SMA Einsparungen von bis zu 200 Millionen Euro an – je zur Hälfte durch Personalabbau und durch Kürzungen bei Material, Dienstleistern sowie Marketing.

Politischer Rahmen entscheidet

BSW-Chef Körnig warnte Anfang Mai angesichts aktueller Regierungspläne vor weiteren Einschnitten bei der Solarförderung. "Wer bei der Solarenergie jetzt auf die Bremse tritt, schadet dem Wirtschaftsstandort und drosselt den beliebtesten Energiepreisdämpfer der Bürgerinnen und Bürger", sagte er.

Kurzfristig rechnet der Verband zwar mit einer leichten Nachfragebelebung – ausgelöst durch die jüngste Energiekrise und Vorzieheffekte vor möglichen Förderkürzungen. Verlässliche Investitionsbedingungen ersetze das jedoch nicht.

Der Solarmarkt steht damit vor einem entscheidenden Jahr: Die Dynamik bei Freiflächenanlagen und Speichern ist vorhanden – ob sie ausreicht, um den Rückgang im Dachsegment zu kompensieren und die Ausbauziele zu erreichen, hängt maßgeblich von der Politik ab. Zuletzt stärkte Bundeskanzler Friedrich Merz seiner Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (beide CDU) für deren Kurs bei der Solarförderung öffentlich den Rücken.

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