Die Braunschweiger BS Energy hat ihren Transformationsplan zur Fernwärme veröffentlicht – ein technisch und strategisch ausgearbeitetes Konzept, das den Weg zur vollständigen Treibhausgasneutralität des Fernwärmesystems der Stadt beschreibt. Das Ziel: 100 Prozent klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2040 – also fünf Jahre früher, als die Vorgabe des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) es eigentlich vorschreibt. Damit folgt das Unternehmen aber den Anforderungen des zu Jahresbeginn novellierten niedersächsischen Klimaschutzgesetzes, das Wärmenetze bereits bis 2040 auf erneuerbare Energien oder unvermeidbare Abwärme verpflichtet.
Ausgangspunkt der Planung ist das Fernwärmenetz mit einer aktuellen Trassenlänge von 273 Kilometern. Dieses Netz deckt rund 67 Prozent des Wärmebedarfs im Untersuchungsgebiet ab. Es umfasst 17.661 Gebäude mit einem Nutzenergiebedarf von insgesamt 1132 GWh pro Jahr. Seit dem Kohleausstieg 2024 lag der regenerative Anteil an der Nettowärmeerzeugung bereits bei 34,6 Prozent. Der KWK-Anteil notiert bei 94,6 Prozent. Die Anlagen werden aber noch überwiegend fossil betrieben – und da liegt der Kern der künftigen Transformation.
Hohe Rücklauftemperaturen erschweren die Transformation
Denn ein zentrales Hindernis auf dem Weg zu erneuerbarer Wärme sind die hohen Rücklauftemperaturen im Netz. Günstig wären Temperaturen von 40 bis 50 Grad Celsius. Aber die Realwerte im Betrieb liegen deutlich höher – nämlich bei 60 bis 65 Grad. Das erschwert den effizienten Einsatz von Wärmepumpen erheblich, da diese bei geringerem Temperaturhub deutlich wirtschaftlicher arbeiten. Maßnahmen zur Absenkung der Rücklauftemperaturen – unter anderem durch Anpassungen an den Kundenstationen – sind daher integraler Bestandteil des Transformationspfades.
Die Wärmeerzeugung der Zukunft setzt auf einen diversifizierten Technologiemix. Bis 2030 sollen zunächst Flusswasser- und Abwasser-Wärmepumpen mit zusammen 25 Megawatt thermischer Leistung in Betrieb gehen. Bis Mitte der Dreißigerjahre folgen großskalige Projekte: der Bau erster hydrothermaler Geothermie-Dubletten mit jeweils einer Injektions- und einer Förderbohrung, eine Klarwasser-Wärmepumpe mit 30 MW sowie der Beginn der Wasserstoff-Umrüstung der Gasturbinen.
Die finale Dekarbonisierungsstufe bis 2040 sieht dann den vollständigen Ersatz fossiler KWK-Anlagen durch erneuerbare Erzeuger und wasserstoffbasierte Spitzenlastsysteme vor. Ergänzend werden Solarthermie, Tiefengeothermie, Luft-Wärmepumpen sowie das Biomasse-Heizkraftwerk – perspektivisch mit Carbon-Capture-Anlage – in das Portfolio integriert. Die Trassenlänge soll bis 2040 auf rund 362 Kilometer wachsen, der Anteil erneuerbarer Energien und Abwärme von heute 34,6 Prozent auf dann 100 Prozent steigen.
Parallel zum Ausbau der Erzeugung plant BS Energy eine aktive Bürger- und Eigentümerkommunikation. In sogenannten "A-Gebieten" – den Fokuszonen des Netzausbaus – soll eine Informationsoffensive frühzeitig Akzeptanz schaffen. Dabei steht vor allem die notwendige Anpassung der Hausanlagen zur Senkung der Rücklauftemperaturen im Mittelpunkt. Außerdem ist der enge Dialog mit der Immobilienwirtschaft fester Bestandteil des Umsetzungskonzepts.





