Blick auf Deutschlands größten Gasspeicher im niedersächsischen Rehden.

Blick auf Deutschlands größten Gasspeicher im niedersächsischen Rehden.

Bild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Deutschlands Gasspeicher werden Tag für Tag voller. Zuletzt wiesen sie im Schnitt einen Füllstand von 33 Prozent auf, wie Daten des Branchendienstes AGSI+ zeigen. Die beiden jüngsten Tage hatten sie jeweils um fast einen halben Prozentpunkt zugelegt. Seit 5. April wurde durchgehend netto eingespeichert.

Geht es in diesem Tempo weiter, dürfte die 80-Prozent-Marke, die das eben verabschiedete Gasspeichergesetz für den 1. Oktober vorsieht, gut machbar sein. Zum Vergleich: Zum selben Zeitpunkt im Vorjahr hatte der Füllstand lediglich 25 Prozent betragen. Maximal wurden im Vorjahr damals 72 Prozent erreicht.

Gestiegene Gasflüsse aus Russland

Das milde Wetter und stabile, wenn auch etwas niedrigere Gasflüsse aus Russland begünstigen derzeit die Speicherbefüllung.

Der Gaspreis für den Frontmonat bewegte sich am Dienstagnachmittag laut ICE Endex bei 93 Euro pro MWh (Liefermonat Mai). Das Produkt für den Winter 2022 wurde für 91 Euro pro MWh gehandelt.

Große Unterschiede bei Speichern

Die Füllstände der einzelnen Speicher fallen dabei zum Teil sehr unterschiedlich aus. Nach AGSI+Angaben sind die RWE-Speicher aktuell im Schnitt zu 58 Prozent gefüllt und die des Leipziger Gashändlers VNG zu 49 Prozent.

Der eher kleine Speicher der Stadtwerkekooperation Trianel in Epe (Nordrhein-Westfalen) weist einen Füllstand von 73 Prozent auf, der der Stadtwerke Kiel 78 Prozent. Leerer sind beispielsweise die Speicher des Oldenburger Energiekonzerns EWE (37 Prozent) sowie der Porenspeicher im bayerischen Wolfersberg (9 Prozent).

Sonderfall Rehden

Praktisch überhaupt kein Aufwärtstrend ist einmal mehr in Deutschlands größtem Gasspeicher in Rehden zu sehen, der knapp ein Fünftel der deutschen Kapazität umfasst. Er wurde zuletzt sogar wieder leerer, wie Bewegungsdaten des Betreibers Astora zeigten. Rehden ist somit wieder nur zu 0,5 Prozent gefüllt und damit nahe dem historischen Tiefstand von Anfang April.

Der niedersächsische Riesenspeicher gehörte jahrelang zum Gazprom-Imperium. Anfang des Monats jedoch wurde sein Betreiber mitsamt dem Mutterkonzern Gazprom Germania unter die Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur gestellt. (Die ZfK berichtete.)

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Großer Mengenbedarf in Rehden

Wer die Speicherkunden in Rehden sind, ist offiziell nicht bekannt. Nach Brancheneinschätzungen dürfte es sich aber vorwiegend, wenn nicht sogar ausschließlich um Gasunternehmen handeln, die früher ebenfalls zum Gazprom-Konzern gehörten.

Das neue Gasspeichergesetz verpflichtet am Ende eben jene Speicherkunden dazu, Mindestfüllstände zu bestimmten Stichtagen einzuhalten. Andernfalls droht ihnen der Entzug der Kapazitäten und notfalls eine Befüllung durch den Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe. Für Rehden heißt das: Um den Mindestfüllstand bis zum 1. Oktober zu erreichen, müssen bis dahin 34,7 TWh eingespeichert werden – und damit nahezu halb so viel, wie aktuell in allen deutschen Gasspeichern zusammen lagert (80 TWh). (aba)

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