Die EU-Kommission teilte zu Beginn der Woche mit, dass sie im Juni einen Gesetzesvorschlag vorlegen werde, um die verbleibenden russischen Erdgasimporte per Pipeline und als LNG bis Ende 2027 zu verbieten.
Über die Turkstream-Pipeline und LNG-Lieferungen kommen im laufenden Jahr immer noch rund zwölf Prozent des europäischen Gases aus Russland. Der Entwurf kommt damit aus politischer Sicht spät, aber mit Hinblick auf die europäischen Versorgungssicherheit zur richtigen Zeit.
Wartungsarbeiten in Norwegen
Erst ab dem Jahr 2026 wird mit einer Welle neuer LNG-Projekte in den USA und Katar das LNG-Angebot sprunghaft steigen; bis zum Jahr 2030 soll sich damit das weltweite LNG-Angebot um 50 Prozent erhöhen. Mit den zusätzlichen Kapazitäten sollten die wegfallenden russischen Gasimporte dann kompensiert werden können.
Durch die Wartungen Norwegens in den Anlagen von Kårstø, Oseberg, Kollsnes und dem Trollfeld ist die Exportkapazität Norwegens in diesen Tagen um rund 70 Millionen Kubikmeter reduziert.
In der zweiten Maihälfte werden punktuell Ausfälle von bis zu 170 Millionen Kubikmeter pro Tag erwartet. Mitte Juni wird an einigen Tagen die Flusskapazität um bis zu 80 Millionen Kubikmeter eingeschränkt sein. Die Wartungsperiode soll erst in der ersten Juli-Woche abgeschlossen sein.
Einspeicherungen deutlich angestiegen
Die vom Bundeskabinett in der letzten Woche beschlossenen neuen Gasspeicherziele zeigen Wirkung, die Einspeicherungen gingen aufgrund der veränderten ökonomischen Anreize spätestens seit 1. Mai deutlich nach oben.
In dieser Woche sorgen die temperaturbedingt höhere Nachfrage und das eingeschränkte Angebot für eine vorübergehende Abschwächung des positiven Trends. Dies sollte sich aber in den nächsten Tagen wieder erholen. EU-weit wurden bisher im Mai 24 Terawattstunden (TWh) netto eingespeichert, rund 27 Prozent mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.
Saisonale Spreads erholt, aber nicht für alle ausreichend
Der saisonale Spread hat sich erholt und liegt in dieser Woche bei rund 2 Euro/MWh. In den letzten Wochen lag der Spread noch bei rund 1 Euro/MWh und das dürfte jedoch nicht für alle Speicherbetreiber ausreichen, um die Kosten zu decken. Beispielsweise hat Uniper die mögliche Stilllegung des Erdgasspeichers Breitbrunn zum 31. März 2027 bei der Bundesnetzagentur angezeigt. Breitbrunn ist mit einer Kapazität von 11,5 TWh die siebtgrößte Speichereinheit in Deutschland.
Kein Grund zur Gelassenheit
Auch wenn derzeit vieles darauf hindeutet, dass die EU Ihr Befüllungssziel von 80-90 Prozent erreichen könnte, besteht kein Grund zur Gelassenheit. Die Herausforderungen in diesem Jahr bleiben hoch und die Lage kann sich schnell wieder ändern.
Die fünf größten asiatischen LNG-Importeure importierten im Zeitraum von Januar bis April dieses Jahres rund 100 LNG-Lieferungen weniger als noch im Vorjahreszeitraum. Wesentlicher Grund war die schwache Nachfrage aus China
Sollte sich Chinas Appetit auf LNG in den nächsten Monaten wieder erholen, so würde dies den Wettbewerb mit Europa um das knappe LNG wieder verschärfen. In jedem Fall wird die Verfügbarkeit von LNG für Europa in diesem Jahr von entscheidender Bedeutung sein. Dementsprechend wichtig ist auch die Verfügbarkeit und der geplante Ausbau der LNG-Exporte der USA. Die seit Dezember 2024 ans Netz gegangene Anlage Plaquemines hat im ersten Quartal bereits 29 LNG-Lieferungen exportiert. Bis zum September ist ein weiterer Ausbau der Anlage geplant.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Milde Temperaturen drücken Gasnachfrage im April.



