Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Trans-Balkan-Pipeline verläuft von der Türkei über Bulgarien und Rumänien zum Übergabepunkt Isaccea-Orlovka an der rumänisch-ukrainischen Grenze. Sie hat eine jährliche Transportkapazität von 27 Milliarden Kubikmetern Gas.

Bis zum März 2022 wurde an diesem Punkt hauptsächlich russisches Gas durch die Ukraine nach Rumänien exportiert. Seitdem fließen nur kleinere Mengen in die entgegengesetzte Richtung. Im Jahr 2023 waren es bis zu 70 Gigawattstunden/Tag, im laufenden Jahr lagen die Tagesmengen meist bei nur rund 20 Gigawattstunden (GWh) pro Tag.

Verbindung zwischen Griechenland und der Ukraine

Die Gasnetzbetreiber (TSOs) entlang der Route wollen nun ein einziges gebündeltes Fernleitungskapazitätsprodukt einführen, um den Transport von Gas aus Griechenland in die Ukraine zu einem einzigen ermäßigten Tarif zu transportieren, was zwischen Juni und September 2025 angeboten werden und Kapazitäten umfassen wird, die bei den Standardauktionen nicht gebucht wurden.

Die von den TSOs als "Route 1" vorgeschlagene Verbindung würde Erdgas aus dem griechischen Kulata über Bulgarien an die bulgarisch-rumänische Grenze Negru Voda/Kardam bis in Ukraine und Moldawien (Isaccea/Orlovka, Kaushany, Grebenyky) liefern.

Der transbalkanische Verbindungskorridor ist für die EU eine wichtige Route zur Diversifizierung der Gasversorgung der mittel- und osteuropäischen Länder. Die Ukraine könnte sich über die Route 1 bis zum Winter einen zusätzlichen Bezug von über 5 Milliarden Kubikmeter sichern, um die Gasspeicher zu befüllen.

Die Verbindungsroute könnte zunächst durch die LNG-Importe Griechenlands gespeist werden. Darüber hinaus ist auch eine Einbeziehung des Interconnectors Griechenland Bulgarien (IGB) im Gespräch.

Interconnector Griechenland Bulgarien seit 2022 in Betrieb

Bulgarien war bis zum Frühjahr 2022 zu fast 90 Prozent abhängig von russischen Gasimporten. Nachdem Gazprom die Gaslieferungen nach Bulgarien im April 2022 wegen der Weigerung Bulgariens, die Gasrechnungen in Rubel zu bezahlen, einstellte, musste das Land schnell seinen Gasbezug diversifizieren.

Im Herbst 2022 nahm der Interconnector Griechenland Bulgarien (IGB) den Betrieb auf, seitdem wird über den Abzweig der Trans-Adriatischen-Pipeline (TAP) im griechischen Komotini aserbaidschanisches Gas nach Bulgarien geliefert. Die Pipeline hat eine Kapazität von 3 bis 5 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Auch Rumänien möchte über diese Pipeline seine Diversifizierung der Gasversorgung vorantreiben. Dies würde den Bedarf von Erdgas aus Aserbaidschan erhöhen, was seine Gasförderung ausbauen möchte.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Die Rolle von US-LNG in Europa könnte sich verändern

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