Die Gaspreise notieren in dieser Handelswoche im Vorwochenvergleich leicht fester, im untertägigen Handel zeigten sich die Gaspreise aber volatiler. Das hat auch mit der Kontroverse um die Energieinvestitionen zu tun, für die sich die EU im Rahmen des Handelsabkommens mit den USA verpflichtet hat.
Handelsabkommen – Energieinvestitionen unrealistisch
Die Zusage der Europäischen Union, jährlich Energie im Wert von 250 Milliarden US-Dollar (USD) aus den USA zu kaufen, ist unrealistisch. Die gesamten US-Energieexporte weltweit lagen im Jahr 2024 bei rund 320 Milliarden USD. Der Anteil der EU für Käufe von Öl, Gas und Kohle lag dabei bei rund 65 Milliarden Euro.
Einerseits stellt sich die Frage, wie eine solche Steigerung angebots- wie abnahmeseitig realisierbar sein könnte. Andererseits würde diese Steigerung die Abhängigkeit zum Energielieferanten USA spürbar weiter erhöhen. Das ist angesichts der Erfahrungen mit Russland keine gute Nachricht und entspricht eigentlich nicht den Diversifikationszielen der EU.
Katar droht EU mit Gaslieferstopp
Katar hat damit gedroht, die Lieferungen von LNG an die Europäische Union aufgrund des neuen Nachhaltigkeits- beziehungsweise Lieferkettengesetzes einzustellen. Laut Medienberichten stören Katar die Klimaschutzvorgaben, die nach Meinung Katars über die Ziele und Absichten des Pariser Klimaschutzabkommens hinausgehen würden.
Der Anteil von katarischem LNG auf dem europäischen Markt liegt in diesem Jahr bisher bei sieben Prozent. Insgesamt gingen im laufenden Jahr 66 LNG-Lieferungen aus Katar an europäische Terminals. Katar ist damit im laufenden Jahr der drittgrößte LNG-Importeur Europas, nach den USA und Russland.
In der EU ist Italien der größte Abnehmer von katarischem LNG, im laufenden Jahr erhielt das Land insgesamt 30 LNG-Lieferungen aus Katar. Für Italien ist Katar mit einem Marktanteil von 30 Prozent der zweitgrößte LNG-Lieferant nach den USA. Nach Belgien gingen 18 Lieferungen, was 25 Prozent aller belgischen LNG-Importe entsprach.
"Die Befüllung der Gasspeicher in Deutschland geht weiterhin nur schleppend voran."
Österreichs Einspeicherung geht voran
Die Befüllung der Gasspeicher in Deutschland geht weiterhin nur schleppend voran. Die Einspeicherungen in Deutschland lagen zuletzt bei nur und 1000 Gigawattstunden pro Tag und damit bei rund einem Viertel der maximalen Einspeisekapazität. Die Gasspeicher in Deutschland sind zu 60 Prozent gefüllt, 16 Prozentpunkte weniger als im Mittel der letzten fünf Jahre.
Besser sieht es dagegen in Österreich aus: Die Gasspeicher der Alpenrepublik sind mittlerweile zu 73 Prozent gefüllt, 3 Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Nach dem Wegfall des Ukraine-Transits sind volle Gasspeicher zu Beginn des Winters für Österreich unabdingbar. Zu Beginn des letzten Winters waren die Speicher zu 95 Prozent gefüllt.
Österreich importierte dazu auch in der laufenden Saison deutlich mehr Gas aus Deutschland als im Vorjahr über den Interkonnektor Oberkappel. Lagen die Importe im Sommer 2024 zwischen null und 50 Gigawattstunden täglich, so werden seit Beginn der Sommersaison 2025 an den meisten Tagen über 200 Gigawattstunden pro Tag importiert.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Gasspeicher Rehden bereitet Sorgen



