Wieder einmal stehen die Börsianer der Welt vor der Frage: Wie weit geht das iranische Regime im Kampf gegen Israel?

Wieder einmal stehen die Börsianer der Welt vor der Frage: Wie weit geht das iranische Regime im Kampf gegen Israel?

Bild: © -/The Visible Earth/NASA/dpa

Von Andreas Baumer

Während sich Israel und der Iran über das Wochenende weiterhin gegenseitig mit Luftangriffen überzogen, blickten die Energiebörsen vor allem auf einen Ort: die Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean verbindet und damit mit dem Rest der Welt.

Noch spekulieren offenbar viele Börsianer, dass der Iran die für die Weltwirtschaft so wichtige Handelsroute offen hält. Dass die Energiemärkte weiterhin nicht im "Panikmodus" seien, liegt laut Stephen Innes von SPI Asset Management auch daran. Zudem hätten die USA noch nicht aktiv in den Krieg eingegriffen. Börsenanalyst Bjarne Schieldrop von SEB Research bemerkte zudem, dass Israel bislang keine Öl- und Gasexportinfrastruktur angegriffen habe. Israel könnte damit dem Wunsch des US-Präsidenten Donald Trump entsprechen, die Energiepreise niedrig zu halten.

Am Montagvormittag setzte sich der Aufwärtstrend beim europäischen Gas-Leitindex TTF weiter fort, überschritten die Winterprodukte wieder die Schwelle von 40 Euro pro Megawattstunde (MWh). Auch der Frontmonat zog weiter an und notierte am Mittag bei 39 Euro pro MWh. Allerdings sind die Preise nach wie vor deutlich unter dem Energekrisenniveau. Auch im vergangenen Winter war Gas noch spürbar teurer als jetzt. Damals lagen die Produkte für die Frontmonate zeitweise bei mehr als 50 Euro pro MWh.

Gasbastion Golfregion

Wie wichtig die Straße von Hormus für den internationalen Gasmarkt ist, unterstrich jüngst Analyst Greg Molnar von der Internationalen Energieagentur auf der Plattform Linkedin. Mehr als ein Fünftel des globalen Flüssigerdgashandels laufe über diese Route, erläuterte er. Demzufolge sind mehr als 85 Prozent der Mengen für die asiatischen Märkte bestimmt, also China, Indien, Pakistan und so weiter.

Klar ist: Würde der Iran die Straße sperren, wären es zunächst Unternehmen in diesen Ländern, die sich nach Ersatzgas auf den Weltmärkten umsehen müssten – und wohl schnell Richtung Flüssigerdgasriesen USA blicken würden. Erfahrungsgemäß würde das den Wettbewerb mit europäischen Gaskunden verstärken und die Preise auch in Europa nach oben treiben.

Perspektivisch dürfte die Bedeutung der Golfregion im globalen Gashandel weiter wachsen. Eine energiehungrige Welt, die sich von der noch klimaschädlicheren Kohle lösen will, erwartet mit Spannung, dass Katar neue Mengen aus seinem Gasfeld North Field auf den Markt wirft. Mehr Volumen erwarten sich Beobachter auch durch ein neues LNG-Exportterminal in den Vereinigten Arabischen Emiraten, das in den nächsten Jahren in Betrieb gehen soll. (mit dpa)

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