Blick auf die Gaskavernen Empelde bei Hannover.

Blick auf die Gaskavernen Empelde bei Hannover.

Bild: © Enercity

Die deutschen Gasspeicher füllen sich. Zuletzt legten sie im Schnitt pro Tag um einen halben Prozentpunkt zu. Insgesamt betrug der Füllstand am 25. Mai 46 Prozent. In absoluten Zahlen waren dies 110 TWh.

Dabei sind die Unterschiede teils frappierend. Besonders im Fokus steht Deutschlands größter Speicher im niedersächsischen Rehden. Als dieser noch zum Gazprom-Imperium gehörte, war er praktisch leer.

Gasspeicher: Fokus auf Rehden

Seit einigen Tagen aber wird fast durchgehend eingespeichert. Nach ZfK-Informationen steckt der Gashändler Wingas dahinter, der als Tochter von Gazprom Germania unter der Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur steht.

Bislang lagert er auf unterbrechbarer Basis ein, weil der faktische Speichernutzer Gazprom Export die ihm zustehenden Kapazitäten offenbar seit Wochen nicht mehr nutzt. Der Füllstand zuletzt: 2,0 Prozent.

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Fast ganz voll

Ganz anders sieht es im Etzel-Gaslager bei Wilhelmshaven (Niedersachsen) aus, das unter anderem an die aus Norwegen kommende Europipeline angebunden ist.

Diesen Speicher betreibt Equinor Storage Deutschland, das zum norwegischen Öl- und Gaskonzern Equinor zählt – und damit zum bislang zweitgrößten Erdgaslieferanten Europas. Der Füllstand hier zuletzt: 99 Prozent. Wie das?

"Mögliche Engpässe ausgleichen"

"Unser Augenmerk liegt darauf, den sicheren und effizienten Betrieb unserer Anlagen aufrechtzuerhalten und auch in einer extrem schwierigen Situation weiterhin ein zuverlässiger Energielieferant für die Märkte in Europa zu bleiben", teilt eine Equinor-Deutschland-Sprecherin mit.

"So haben wir unsere Speicher in Deutschland unabhängig vom kürzlich verabschiedeten Speicherfüllgesetz sehr früh gefüllt, um in der Lage zu sein, mögliche Engpässe in der Gasproduktion ausgleichen zu können."

Equinor-Gasspeicher deutlich kleiner als Rehden

Tatsächlich ist der Equinor-Speicher prozentual nicht nur wesentlich voller als Rehden. Er ist auch merklich kleiner. Können in Rehden maximal 43,7 TWh eingelagert werden, ist bei Equinor in Etzel bei 2,2 TWh Schluss. Damit zählt das Gaslager zu den eher kleinen Speichern auf deutschem Boden.

Dabei ist es nicht unüblich, dass der Equinor-Speicher schon kurz vor dem Sommer so gut wie voll ist. Beispielsweise war dies auch in den Jahren 2019 und 2020 der Fall. Im vergangenen Jahr dagegen wurde ein vergleichbar hoher Wert erst im September erreicht.

Katharina-Speicher bei 19 Prozent

Deutlich über dem durchschnittlichen Füllstand in Deutschland liegen derzeit neben Equinor beispielsweise die kleinen Etzel-Speicher von EnBW und EDF (86 und 92 Prozent) sowie der Trianel-Speicher in Epe (92 Prozent).

Weit unter dem Schnitt befinden sich etwa der deutlich größere Katharina-Speicher, der von einem Joint Venture aus Gazprom Export und VNG betrieben wird (19 Prozent) sowie die süddeutschen Anlagen Wolfersberg (9 Prozent) und Breitbrunn (26 Prozent).

Sorgen um Gasspeicher Haidach

Große Sorgen bereitet insbesondere Bayern der Gasspeicher Haidach, der knapp hinter der Grenze in Österreich liegt, aber ins Gasnetz des Freistaats einspeist. Dieser wird zu einem Drittel von der Gazprom-Germania-Tochter Astora vermarktet. Der Füllstand dort zuletzt: 32 Prozent. Tendenz steigend.

Für zwei Drittel aber ist die Gazprom-Tochter GSA verantwortlich. Der Füllstand dort seit 15. April: 0,0 Prozent. Das soll sich nach dem Willen der österreichischen Bundesregierung aber ändern. Sie hat in einem Maßnahmenpaket Mitte Mai beschlossen, ungenutzte Speicherkapazitäten im Notfall neu zu vergeben und befüllen zu lassen.

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THE mit neuer Speicherrunde

In Deutschland schreibt indessen der Gas-Marktgebietsverantwortliche THE zum zweiten Mal das marktbasierte Speicherprodukt SSBO aus. Diesmal geht es um einen Bedarf von insgesamt 35,7 TWh für den kommenden Winter. Die Ausschreibung findet vom 30. Mai bis zum 13. Juni statt.

Für die erste Runde zahlte THE insgesamt 371 Mio. Euro. (Die ZfK berichtete.) Leicht unterdeckt blieb dabei die Speicherzone H-West. Deutlicher fiel das Defizit in der Speicherzone Nord aus. Zu diesem Gebiet gehört auch der Speicher Rehden. (aba)

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