Von Lucas Maier
Als das Speicherjahr 2025 traditionell am 1. April dieses Jahres begann, waren die Speicher im Durchschnitt zu gerade einmal 29 Prozent gefüllt. Im Vergleich dazu steht die Bundesrepublik nun gut da. Stand Mittwochmorgen waren die Speicher hierzulande im Schnitt zu 75 Prozent voll.
Damit ist aber auch klar: Von den gesetzlich eigentlich vorgeschriebenen 90 Prozent zum 1. November ist Deutschland diesmal weit weg. Allerdings lockerte noch die rot-grüne Minderheitsregierung im Frühjahr per Verordnung die Ziele. Ein Überblick:
Gasspeicher: So voll sind die Speicher in Deutschland
Derzeit liegt der Füllstand laut der Datenplattform AGSI in Deutschland bei rund 75 Prozent. Das sind gut acht Prozentpunkte weniger als im gesamteuropäischen Raum. Im Regelfall sind für den 1. November 80 Prozent Füllstand vorgeschrieben. Ausnahmen sind die Speicher Bad Lauchstädt, Frankenthal, Hähnlein, Rehden, Stockstadt und Uelsen. Für diese technisch eingeschränkten Porenspeicher gelten 45 Prozent.
Außerhalb des Regelfalls befindet sich nur der Speicher in Rehden unter der vorgegebenen Grenze (28,29 Prozent). Im Regelfall sind es fünf Speicher, die die vorgeschriebene Füllmenge bisher nicht erreicht haben.
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Bewertung von Bundesnetzagentur und Wirtschaftsministerium
Auf Anfrage heißt es von der Bundesnetzagentur, dass nach aktuellem Stand die europäische Zielvorgabe erfüllt sei. "Insgesamt sind die europäischen Speicher zu knapp 83 Prozent gefüllt und auch die deutschen Speicher noch zu zirka 75 Prozent, was zirka 189 TWh entspricht."
Nimmt man die Vorgaben für Speicher im Regelfall sowie die sechs ausgenommenen Speicher zusammen, komme man auf eine Grenze von rund 70 Prozent Füllstand, die in Deutschland zum 1. November erreicht sein muss. "Die Ziele über alle deutschen Speicher hinweg sind erreicht, deswegen blicken wir dem mit einer gewissen Gelassenheit entgegen", sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur im Gespräch mit der ZfK. Allerdings: "Richtig ist, dass einzelne Speicheranlagen die individuellen Füllstandsvorgaben von 80 Prozent beziehungsweise 45 Prozent nicht erreichen werden", ergänzte eine Sprecherin.
Im Wirtschaftsministerium blickt man ebenfalls gelassen auf die Lage. Aktuell liege man zwar unter den Füllständen der letzten Jahre, aber signifikant über den Füllstandsvorgaben, so ein Sprecher.
Veränderte Lage am Weltmarkt
Das die Füllstände der Gasspeicher in Deutschland mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt sind, war der Versorgungslage im Jahr 2022 geschuldet. Nach Sanktionen in Folge des völkerrechtswidrigen Großangriffs auf die Ukraine stellte Russland die Lieferungen von Pipelinegas ein. Anders als noch vor gut drei Jahren ist der Gasmarkt heute weitgehend stabil. "Auf dem Weltmarkt gibt es aktuell ausreichend Gas", heißt es von der Bundesnetzagentur.
Ein Indikator dafür seien die Börsenpreise für Gas. In diesen würden sich eben auch die kurz- und mittelfristigen Erwartungen der Marktteilnehmenden zur Versorgungssicherheit abzeichnen. "Hohe Preise – auch im langfristigen Handel – wären Ausdruck befürchteter Versorgungsengpässe beziehungsweise einem nicht ausreichenden Gasangebot."
Für das erste Quartal 2026 wurde die Megawattstunde am frühen Donnerstagnachmittag zu rund 32 Euro gehandelt, was nicht auf Skepsis unter den Händlern hindeutet. Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es: "Es sind weder für Deutschland noch für die EU-Versorgungsengpässe erkennbar. " Über die aktuelle Lage würde man sich zusammen mit Bundesnetzagentur und dem Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe (THE) wöchentlich austauschen.
LNG-Terminals und neue Lieferwege
Im Vergleich zur Energiekrise hat sich die Versorgungslage in Deutschland deutlich verändert. Als Reaktion auf die Krise wurden neben bereits bestehenden Pipelines zusätzliche Importmöglichkeiten über Frankreich und Belgien erschlossen, wie die Bundesnetzagentur zu bedenken gibt. "Die Gasflüsse wurden von einem sogenannten Ost-West-Fluss auf einen West-Ost-Fluss umgestellt."
Hinzu kommen LNG-Lieferungen, die nun direkt in Deutschland anlanden können. In diesem Bereich seien die Kapazitäten in den letzten Jahren sowohl auf deutscher Ebene erheblich gesteigert worden, heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium.
Die Absicherungsstrategien von Händlern und Versorgern konnten sich so umstellen. Diese würden auch Auswirkungen auf die Befüllungen der Speicher haben. "Mit den veränderten Bedingungen hat sich auch die Bedeutung einzelner Speicher verändert, sodass Rehden als etwas langsamerer Porenspeicher nicht so attraktiv ist wie zum Beispiel Kavernenspeicher", sagte eine Sprecherin der Bundesnetzagentur.
Zusammenfassende Einschätzung der Gaslage
Die Versorgungslage im Gasbereich bewertet das Wirtschaftsministerium für den anstehenden Winter in Deutschland und der EU als entspannt. Ein Eingreifen des Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe (THE) sei nicht notwendig. Ein Sprecher merkt zudem an, dass bis auf das Jahr 2022 stets eine ausreichende marktliche Befüllung stattgefunden habe.
Von der Bundesnetzagentur heißt es: "Europa beziehungsweise Deutschland kann damit [mit den aktuellen Füllständen, Anm. d. Red.] auch auf kurzfristige Verwerfungen reagieren und sich dann wieder über den Weltmarkt eindecken. Im Fall von geopolitischen Spannungen, könnte zwar der Gaspreis steigen, aufgrund des weltweiten Gasangebots ist aber nicht sofort von einer Gasnotlage auszugehen."
Wie das Ministerium sieht auch die Agentur die Versorgungssicherheit als gewährleistet, warnt jedoch vor verbleibenden Risiken. "Ein sparsamer Gasverbrauch bleibt dennoch wichtig, da aufgrund der europäischen Importabhängigkeit bei Erdgas immer Risiken verbleiben."
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Einen weiteren Text über die Entwicklung am Gasmarkt im Oktober und das ungewöhnlich hohe Niveau bei den Ausspeicherungen finden Sie zusätzlich im aktuellen ZfK-Morning Briefing. Diesen Artikel finden Sie hier.



