Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die Bundesnetzagentur stuft diese Woche mit Blick auf die Gasversorgungslage hierzulande die Indikatoren Temperaturprognose und temperaturbereinigter Gasverbrauch als angespannt ein. Der temperaturbereinigte Verbrauch liegt 14 Prozent unter dem Referenzwert der Jahre 2018 bis 2021 und damit im kritischen Bereich.

Die Aufsichtsbehörde bekräftigt ihren Appell, dass die Vorbereitung auf den Winter 2023/2024 eine zentrale Herausforderung sei. Deswegen bleibt auch ein sparsamer Gasverbrauch wichtig, um das Einsparziel von 20 Prozent weiter zu gewährleisten. Zum Ende der Wintersaison schauen wir daher auf die bisher erreichten Einsparungen.

Niederlande Spitzenreiter

Der gesamte Gasverbrauch in der EU im zu Ende gehenden Winter lag bei 2100 TWh und damit 22 Prozent unter dem Fünfjahresmittel (2650 TWh). In Deutschland liegt die Gesamteinsparung mit 24 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Insgesamt betrug der Gasverbrauch in Deutschland 530 TWh – das Fünfjahresmittel liegt bei 700 TWh.

Frankreich als viertgrößter Gasverbraucher in der EU verringerte seinen Verbrauch im Winter 2022 hingegen nur um 14 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2018-2022. Die Niederlande sind Spitzenreiter unter den größten fünf Gasverbrauchern in der EU mit einer Einsparung von 27 Prozent.

Nachfragerückgang und rekordhohe LNG-Lieferungen

Die Gasspeicher der EU mit 55 Prozent liegen nahezu gleichauf mit dem Rekordhoch zu Beginn des Sommers 2020 und damit an der Spitze des Fünfjahres-Vergleichs. Dies ist ein Anstieg von 120 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Derzeit spricht alles dafür, dass die Speicherziele der EU zum 1. Mai bei 27 Prozent und zum 01. Juli bei 46 Prozent erreicht werden.

Die befürchtete Gasmangellage konnte diesen Winter verhindert werden. Eine Kombination aus starkem Nachfragerückgang und rekordhohen LNG-Lieferungen glich die Verluste der russischen Pipelinelieferungen aus und erzeugte einen erheblichen Speicherpuffer.

Österreich speicherte netto 67 Prozent weniger aus

Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre kamen die Gasspeicher der EU mit rund 530 TWh weniger Speichergas aus dem Winter als zu Beginn der Saison. Im Winter 2022 lag das Delta dagegen nur bei knapp 360 TWh. Das heißt, es wurde rund 32 Prozent weniger netto-ausgespeichert als im Fünfjahresmittel.

Mit Blick auf die fünf EU-Länder mit den größten Gasspeichern und deren Netto-Ausspeicherungen im Winter 2022, ergibt sich ein unterschiedliches Bild. Österreich speicherte netto 67 Prozent weniger aus, Italien 40 Prozent, Deutschland und die Niederlanden jeweils rund 30 Prozent.

Rehden zu 81 Prozent gefüllt

In Frankreich, wo aus technischen Gründen, die Speicher nicht mit einem Füllstand über 35-40 Prozent aus dem Winter kommen dürfen, liegt die Bilanz auf dem Durchschnittswert.

Im größten deutschen Gasspeicher Rehden wurde im Winter 2022 hindurch rund 1,2 TWh netto-eingespeichert. Ein Novum, lag doch die durchschnittliche Netto-Ausspeicherung in den letzten Jahren bei 13 TWh. Der Gasspeicher hat eine Arbeitsgaskapazität von insgesamt 43,7 TWh und ist derzeit zu 81 Prozent gefüllt.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: "Neues EU-Papier: Wann leere Gasspeicher drohen"

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper