Die Stromgeneration der europäischen Gaskraftwerke stieg am Donnerstag auf rund 110 Gigawatt (GW) und machte damit rund ein Drittel der gesamten Stromproduktion aus. Erdgas ist damit in Europa seit Beginn der Woche der am stärksten nachgefragte Brennstoff zur Stromerzeugung, noch vor Atomkraft (75 GW) und Wasserkraft (45 GW).
Grund ist die gegenüber der Vorwoche deutlich rückläufige Stromproduktion aus Windkraft (30 GW) und Solarkraft (20 GW). In den nächsten Tagen sollen die beiden Erneuerbaren wieder auf Werte zwischen 80 und 100 GW zulegen, so dass die Gasnachfrage wieder zurückgehen sollte. Den stärksten Anstieg der Gasverstromung verzeichnete Italien, wo die Wind- und Solarkraft zuletzt bei insgesamt nur rund 2 GW lag. Die Kraftwerksleistung der Gaskraftwerke verdoppelte sich gegenüber der Vorwoche auf über 60 GW.
Wichtige Rolle von Erdgas für den Strommarkt
Erdgas wird damit zunehmend zum wichtigsten Ersatzbrennstoff für den Strommarkt. Bereits im Februar lag Erdgas als Energieträger für die Stromerzeugung europaweit auf Platz zwei hinter Atomkraft (81 GW) und deutlich vor Windkraft (46 GW) und Wasserkraft (42 GW).
Die europäische Gasnachfrage lag zwischen November und Februar um 10 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Die kurzen Kältewellen hatten auch ihren Anteil, aber der wesentliche Faktor war die gestiegene Nachfrage aus dem Stromsektor.
Die Windkraftleistung sank im Zeitraum November bis Februar im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 16 Prozent. Die dafür benötigte Flexibilität stammte maßgeblich aus Gaskraftwerken. Mit Blick auf die Entwicklung und Diskussionen über einen Kapazitätsmarkt zeigt dies die Wichtigkeit der angemessenen Vergütung von Flexibilitätsdienstleistungen.
Gaspreise folgen Nachrichten
Die Preisbewegungen waren an einigen Tagen jedoch weniger den Fundamentaldaten, sondern wohl mehr den geopolitischen Ereignissen und Nachrichten geschuldet. Es gibt derzeit viel Spekulation unter den Marktteilnehmern, was ein möglicher Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland für die Gasflüsse bedeuten könnte.
Unter den Analysten und Händlern wird die Möglichkeit der Rückkehr der russischen Gasflüsse nach Europa diskutiert. Die Ukraine erscheint dabei als die wahrscheinlichste Transitroute. Derzeit finden sich wohl nur wenige, die von der Rückkehr überzeugt sind. Unter den Analysten kursieren jedoch verschiedene Modellszenarien, die die Händler zur Beschaffung ihrer Positionen am Markt nutzen, was dann in der Folge die Gaspreise treibt.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet:LNG-Importe auf 12-Monats-Hoch



